Ich habe mich da mißverständlich ausgedrückt, ich rede selbstverständlich keineswegs einer generellen Staatswirtschaft das Wort,Dietrich hat geschrieben: Also zu deiner These, dass "Fehlentwicklungen, Steuerflucht und Marktversagen" einen viel größeren Schaden anrichten, als eine Staatswirtschaft je anrichten hätte können:
Also zumindest bis zum heutigen Tag geht es uns hier im "neoliberalen Land der Fehlentwicklungen, Steuerflüchtigen und des Marktversagens" aber doch noch jede Menge besser als in den Ländern, in denen es eine komplette Staatswirtschaft gibt und gab. Die Supermärkte sind voll und Arbeitslose, ja sogar Menschen die gar nicht arbeiten wollen(*), haben eine beheizte Wohnung mit mehreren qm Wohnraum pro Person und genug zu esssen, um nicht hungern zu müssen. Sogar eine Krankenversorgung, die im europäischen Maßstab mindestens in der nähe der Spitzengruppe anzusiedeln ist.
Wo hat es das in Staatswirtschaften je gegeben?
gerade diese ist es ja, die durch ihren Zentralismus und dem falschen Menschenbild in Russland jede Entwicklung behindert.
Die Schäden bezogen sich auf die deregulierte und amoklaufende Finanzindustrie, die einen unbeschreiblich hohen Billionen-Schaden angerichtet hat,
was kein genossenschaftlich oder staatlich reguliertes Bankenwesen jemals angerichtet hätte.
Der Wohnungsmarkt in Berlin ist nicht unbedingt Marktversagen, er wird torpediert durch ein überhöhtes Interesse von Kapitalanlegern. Aber durch Pläne zur Mietpreisbindung.Dietrich hat geschrieben: Was du als Marktversagen bezeichnest, haben wir ja oben weiter schon lesen können: Wenn in der Hauptstadt in gewissen Gebieten die Mieten steigen und du dir deine Wohnung plötzlich nicht mehr leisten kannst, z.B.. Wenn das in deinen Augen schon "Marktversagen" ist, dann brauchen wir über deine Definition von Fehlentwicklungen gar nicht reden.
Marktversagen liegt etwa dann vor, wenn Eintrittsbarrieren zu hoch sind, wie etwa in der Medienbranche, oder ganz strukturell im Bahnwesen, wo Rosinen-Pickerei immer nur Berlin-Frankfurt aber niemals Kleinstädte verbinden würde.
Wer das Marktversagen im Finanzbereich leugnet, verkennt die Welt. Hier haben wir sowohl falsche staatliche Subventionen als auch nahezu ungehemmte Ungesetzlichkeiten. Und zwar durch grosse Unternehmen und Banken.
Das reicht von (Beihilfe zur) illegaler Steuerflucht, über Geldwäsche, über den Bruch internationaler Sanktionen bis hin zur illegalen Manipulation von Märkten.
Selbst das Handelsblatt beklagt, das die verhängten Milliarden-Strafen nie persönlich und viel zu niedrig ausfallen, um abschreckend wirken zu können. Sie werden einfach mit einkalkuliert.
Der Finanzmarkt reguliert sich eben nicht von allein. Falsche staatliche Regulierung verhindert das. Eine Bank kann nicht pleite gehen.Dietrich hat geschrieben: Das es "im Markt" immer wieder notwendig ist, dass sich der Markt selbst korrigiert, ist natürlich so. Aber das ist ja auch das gute am "Markt", dass er sich eben im Normallfall irgendwann wieder reguliert. Das macht ihn ja gerade so überlegen gegenüber Staatswirtschaft.
Und deshalb muss sie etwa auch nicht auf ausreichende Deckung ausgerichtet sein. In den USA etwa haben wir viel strengere EK-Richtlinien,
die etwa die Deutsche Bank bei weitem nicht erreicht.
Zum Glück müssen wir aber unserem Kapitalismus nicht mit o.g. Untertanen-Mentatlität folgen,
sondern können demokratisch und kritisch an dessen Justierung und Re-Vitalisierung arbeiten.
Auch das war/ist eine Stärke unserer Marktwirtschaft.
Uns geht es gut, ist relativ, 1/3 fallen da schon mal raus, Gewerkschaften schützen nur noch die alte Stammbelegschaft, die Hälfte im Osten und die Hälfte jüngerer Menschen arbeiten bereits ohne Tarifvertrag, meist prekär.Dietrich hat geschrieben:.. aber das ist hier in Deutschland schon gar nicht schlecht gelungen, sonst würde es uns nicht so gut gehen.
Deine Rundumschlag-Kritik geht da auf jeden Fall ziemlich weit über das Ziel hinaus.
Und die Frage ist, könnte, müsste es uns mit einer anderen Politik nicht besser gehen? Und zwar im Vergleich zu NL, GB, oder Skandinavien, die eine um 12-22% höhere Lohnentwicklung genießen durften,
während wir einseitig höhere Vermögen gepusht haben. Die Arbeit ist weder quantitativ gestiegen, sondern nur anders verteilt, und schon gar nicht qualitativ.
Unsere Produktivität steigt unterdurchschnittlich, ebenso die Investitionen. Wie ein Schwellenland arbeiten wir heute allzu oft über den Preis, mit Billiglöhnen auf Kosten der einfacher Menschen.
Wir waren schon einmal weiter mit unserer Sozialen Marktwirtschaft zum Gesamtwohl der Gesellschaft.
Eine überstarke Finanz-Lobby in Wirtschaft und Politik hat das Gleichgewicht zerstört, schreibt die Gesetze zur Bankenregulierung selbst, u.v.m.


