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Re: Wahl Ukraine
Verfasst: 27 Okt 2014, 11:51
von Axel Henrich
GIN hat geschrieben:Dann erschien ein Bus mit zwei Rechtsnationalen im Auto sowie dem Leiter der Gebietsverwaltung und einen Polizisten. Die Bewohner wurden in den Bus ins nächste Dorf gebracht und die Wahlzettel wurden ihnen vorausgefüllt ausgehändigt im Bus. Das Kreuz war angebracht auf die Partei von "Jaz".
Also ich will ja Niemandem zu nahe treten, aber ich stehe solchen Geschichten immer grundsätzlich skeptisch gegenueber ...
Klar, Mauscheleien kommen vor, aber dass diese tendenziell etwas aendern?!
Ich kann mir aber auch nicht vorstellen, dass diesen Jazenjuk irgendwer freiwillig wählt, aber in UA ...
Da muss man wirklich erstmal die Analysen abwarten.
-ah-
Re: Wahl Ukraine
Verfasst: 27 Okt 2014, 12:44
von Jenenser
Norbert hat geschrieben:Fast schon peinlich heute früh die Nachrichten auf MDR info: "Die Ukrainer wählen pro-europäisch." War eigentlich irgendeine Partei zugelassen, die eine Annäherung an Russland wollte? (Das ist eine ernstgemeinte Frage.)
Als Dauerkonsument deutscher Medien weiß man eigentlich schon lange, dass die Ukrainer überhaupt nichts mehr mit Russland zu tun haben wollen. Das Wahlergebnis scheint da jetzt eine logische Konsequenz zu sein...
GIN hat geschrieben:http://kpu.ua/
DIe Seite zeigt schon eine gewisse Qualität...
"Петр Симоненко: Эти выборы нельзя признать ни демократическими, ни легитимными...
Bei der letzten Parlamentswahl hatten die ukrainischen Kommunisten wohl noch um die 13 %. Einige Hochburgen gingen jedoch verloren: Auf der Krim hat sich jetzt die KP Russlands etabliert. Das Donbass nahm an der Wahl nicht teil.
Zu den Maifeiertagen weilte ich in den vergangenen Jahren schon oft als Art Zaungast bei Veranstaltungen in Charkow und in Odessa. Der Block der Kommunisten war doch gefühlt recht groß. Was ist denn aus denen in den letzten Tagen geworden? Gerade die Älteren lassen sich doch nicht mehr so einfach verbiegen.
In der Rada in Kiew wurde nach dem gewaltsamen Umsturz im Februar hemmungslos vor laufender Kamera dokumentiert, wie man mit Kommunisten pflegt umzugehen. Diese Bilder scheinen jetzt der Vergangenheit anzugehören, weil, jetzt ist man unter sich.
[youtube]snz70jlmKKY[/youtube]
Re: Wahl Ukraine
Verfasst: 27 Okt 2014, 12:59
von GIN
Axel Henrich hat geschrieben:GIN hat geschrieben:Dann erschien ein Bus mit zwei Rechtsnationalen im Auto sowie dem Leiter der Gebietsverwaltung und einen Polizisten. Die Bewohner wurden in den Bus ins nächste Dorf gebracht und die Wahlzettel wurden ihnen vorausgefüllt ausgehändigt im Bus. Das Kreuz war angebracht auf die Partei von "Jaz".
Also ich will ja Niemandem zu nahe treten, aber ich stehe solchen Geschichten immer grundsätzlich skeptisch gegenueber ...
Klar, Mauscheleien kommen vor, aber dass diese tendenziell etwas aendern?!
Ich kann mir aber auch nicht vorstellen, dass diesen Jazenjuk irgendwer freiwillig wählt, aber in UA ...
Da muss man wirklich erstmal die Analysen abwarten.
-ah-
unsere Mitarbeiter dort geniessen mein Vertrauen. Deshalb glaube ich das es passiert ist. Was wir momentan erleben ist eine riesige Sauerei 2.0. Wenn wir nicht schnell die Notbremse ziehen dann knallt uns Europa buchstäblich um die Ohren.
Die richtige Notbremse nach meiner Meinung ist aufhören sich von Medien verdummen zu lassen. Was meine Leute aus den Teilen der Ukraine berichten deckt sich weder mit den Russenmedien, noch Westmedien.
Re: Wahl Ukraine
Verfasst: 27 Okt 2014, 13:01
von GIN
Jenenser hat geschrieben:Zu den Maifeiertagen weilte ich in den vergangenen Jahren schon oft als Art Zaungast bei Veranstaltungen in Charkow und in Odessa. Der Block der Kommunisten war doch gefühlt recht groß. Was ist denn aus denen in den letzten Tagen geworden? Gerade die Älteren lassen sich doch nicht mehr so einfach verbiegen
die gehen einfach nicht zur Wahl. Angst vor Gewalt. Die Wahlbeteiligung soll laut Schweizer tV GERADE mal 50% sein. Vermutlich sich die Beteiligungen in Charkow noch geringer
Re: Wahl Ukraine
Verfasst: 27 Okt 2014, 16:33
von daveg
Dafür dass die rechten Sturmtruppen ja quasi allgegenwärtig waren und nichts und niemanden frei wählen liessen, sind 2% ja nicht gerade doll.
Re: Wahl Ukraine
Verfasst: 27 Okt 2014, 21:44
von Berlino10
daveg hat geschrieben:Dafür dass die rechten Sturmtruppen ja quasi allgegenwärtig waren und nichts und niemanden frei wählen liessen, sind 2% ja nicht gerade doll.

Als ob die militanten Rechtsextremen nur beim Rechten Sektor wären ...
Solche "Patrioten" wie den Neonazi Andrij Bilezki gibt es mehr als genug auch bei den anderen Parteien,
und die grossen zwei haben zu seinen Gunsten auf Gegenkandidaten im Wahlkreis verzichtet..
Ob solches Gesocks für unsere Presse auch "pro-europäisch" ist?
Wiener Zeitung

Re: Wahl Ukraine
Verfasst: 27 Okt 2014, 23:21
von Axel Henrich
Jenenser hat geschrieben:Der Block der Kommunisten war doch gefühlt recht groß. Was ist denn aus denen in den letzten Tagen geworden?
Naja mit den Kommunisten geht man ja hierzulande auch nicht zimperlich um ... Aber in UA natuerlich nochmal ne riesen Nummer enthemmter ...
Das ist aber keine Sache der letzten Tage, es zeichnete sich ab, dass sie die 5% Huerde nicht schaffen werden.
-ah-
Re: Wahl Ukraine
Verfasst: 28 Okt 2014, 12:48
von Norbert
Übrigens habe ich gestern Abend noch eine ausführliche Reportage auf MDR info gehört. Dort war ein Journalist im Interview, welcher einen EU-Parlamentarier vor Ort an der Grenze zu den separatistischen Gebieten in Wahllokalen begleitet hatte. Er sagt, dass er keinen einzigen Bewaffneten gesehen hat und alles sehr zivil und ruhig ablief.
Die Regeln der OSZE für die Anerkennung dieser Wahl wären extrem streng - strenger als in Deutschland. Deswegen dauere es auch so lange.
Spannend fand ich, dass Russland die Wahl sofort anerkannt hat, mit dem Seitenhieb, dass sich die neue Regierung ja nun endlich um ihre Bürger kümmern könne. Schlauer Schachzug!
Re: Wahl Ukraine
Verfasst: 28 Okt 2014, 14:21
von Berlino10
Hat die OSZE die Wahlen nicht schon anerkannt?
Die Verfolgung, Behinderung und Einschüchterung der Opposition, insbesondere der Kommunisten, dürfte das Ergebnis ja auch nicht entscheidend verfälscht haben,
auch wenn das natürlich undemokratischer war als bei allen Ost-Referenden ... Die Partei der Regionen hat ja boykottiert...
Erfreulich ist, dass es die offen faschistischen Parteien nicht zusammen in die Rada schaffen, auch wenn es genug Nazis wie Janosch oder Bilezki geschafft haben.
Nationalistische Hetzer, militante Kriegstreiber und Mauerbauer haben aber leider wohl gegenüber Poroschenko gewonnen,
dass der als vergleichsweise gemäßigt bezeichnet wird, sagt schon alles über den Zustand der Ukraine - aber das ist in RUS ja ähnlich
Legitimiert haben sich die Putschisten also ... es sollte auch klar sein, dass sie es geschafft haben, die Mehrheit der Rest-Ukraine zu bekommen.
Die Wahlbeteiligungen und -ergebnisse zeigen aber auch, dass das selbst die Rest-Ukraine nach wie vor tief gespalten ist.
Gesamt etwas über 50% - die mit Abstand geringste ... 70% im Westen aber nur 30% in von Kiew kontrollierten Gebieten von Donezk, Lugansk, 40% Odessa.
Die Mehrheit selbst im Rest-Osten steht nicht hinter Kiew.
Re: Wahl Ukraine
Verfasst: 28 Okt 2014, 14:51
von Jenenser
Norbert hat geschrieben: Spannend fand ich, dass Russland die Wahl sofort anerkannt hat, mit dem Seitenhieb, dass sich die neue Regierung ja nun endlich um ihre Bürger kümmern könne. Schlauer Schachzug!
Die wirtschaftlichen, kulturellen... und wenn ich ehrlich bin, auch die mentalen Gemeinsamkeiten zwischen Russland und der Ukraine haben sich doch nicht seit Anfang des Jahres in Luft aufgelöst. Das ändert auch nicht der eilig begonnene Mauerbau seitens der Ukraine an der Grenze zu Rußland.
Rußland streckt die Hand aus, obwohl die Ergebnisse des Februar-Umsturzes und die folgenden Wahlen (Präsident + Parlament) sicher nicht seinen Interessen entspricht. Und was ist eigentlich mit den Sanktionen?
Wie sieht es insgesamt aus in der viel zitierten „russisch geprägten Ostukraine“? Wenn ich mich so an Reisen nach Charkow, Odessa... vor einigen Jahren erinnere: Universitätsstädte mit jungen motivierten Leuten, die meine Meinung über ihre politischen Visionen unbedingt in Erfahrung bringen wollten. Ältere träumten eher von einer Wiedergeburt der Sowjetunion. Und andere betrachteten Politik als Art Berufszweig, der ihre persönlichen Interessen scheinbar nicht berührt.
Gestern habe ich auch mal nach den Wahlergebnissen geschaut und war schockiert von der Wahlbeteiligung: Odessa 39 %, Charkow 44 %, das „europäische Lemberg“ (Lwiw) dagegen in der Westukraine strotzte mit 71 %.
In der Millionenstadt Charkow wählte man am Sonntag überwiegend die Ex-Regionalen, Leute, die aus der ehemaligen Partei des gewaltsam gestürzten Präsidenten kamen und die sich in einem „Oppositionsblock“ zusammen gefunden haben.
http://www.segodnya.ua/regions/kharkov/ ... 64399.html
Dieser Block kann als prorussisch und EU-skeptisch eingeordnet werden. Sie ziehen nun mit insgesamt 9,4 % in die Rada in Kiew ein.