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Re: KALININGRAD - Treffen Deutschsprachiger
Verfasst: 01 Feb 2013, 15:24
von domizil
... ja danke für die Anerkennung. Aber an sich ist es eine "Kollektivarbeit". Ich bin sicher derjenige der den "Ball" angestoßen hat, aber viele im Forum spielen mit und halten das "Spiel" am laufen. Insgesamt stehen "wir" erst ganz am Anfang von dem, was wir erreichen wollen. Wir erhalten Unterstützung vom deutschen Generalkonsulat, anderen deutschen Einrichtungen, aber auch viel Anerkennung durch russische Einrichtungen. Insgesamt - das gebe ich natürlich zu - hilft es auch meiner neuen Firma sich zu etablieren. Vieles entwickelt sich sehr dynamisch hier in Kaliningrad und ich möchte mit meiner Arbeit eigentlich nur etwas von dem zurückgeben, was ich in 25 Jahren von diesem Land erhalten habe.
Zur Zeit bereiten wir den "Runden Tisch" zum Thema: "Aktuelles Deutsch-Russisches Verhältnis" vor. Organisator ist das "Institut für strategische Forschungen der RF". Es findet am 13. Februar in Deutsch-Russischen-Haus in Kaliningrad statt. Ich gehe davon aus, das es dazu Veröffentlichungen geben wird. In Abhängigkeit vom Erfolg werden wir dann hier an diesem Konzept weiter arbeiten.
Uwe Niemeier
Re: KALININGRAD - Treffen Deutschsprachiger
Verfasst: 01 Feb 2013, 18:14
von warwara
domizil hat geschrieben:
Nochmal kurz zum Kürzel "BRD". Subjektiv (als ehemaliger DDR-Bürger) habe ich in Erinnerung, dass das Kürzel "BRD" durch die DDR speziell eingeführt worde, weil nach 1949 von westlicher Seite über die DDR wie folgt formuliert wurde: "Zone", "Ostzone", "Sowjetische Besatzungszone", "die sogenannte DDR", "DDR" (in Anführungsstrichen ist wichtig). BRD hörte sich damals (und heute) rein phonetisch grob und irgendwie "aggressiv" an, genau so wie heute z.B. der Begriff "Stasi" sich irgendwie "aggressiv" und "unheimlich" anhört. Aber wie gesagt, das ist meine subjektive Meinung, mein subjetives Empfinden.
Eine kurze Episode zum Thema DDR vs. BRD vs. (West/Ost)Deutschland: Ich war 1987 als 16-Jährige mit dem Freundschaftzug *) in Leningrad. Kurz vor Weihnachten, es war bitterkalt und um 15.00 Uhr war es stockdunkel. Damals gab es dort schon diese Viertelliterflaschen Pepsi-Cola, die - soweit ich informiert bin - zu dieser Zeit in der UdSSR in Lizenz abgefüllt wurden. Für uns Ossi-Jugendliche war das natürlich ein Ding und wir haben uns flächendeckend damit eingedeckt. Neben gefühlten 10kg Konfekt, Kristallgläsern für Mutti und diversen anderem Schnickschnack (deutsche Bücher, LPs) haben wir auch versucht, so viel wie möglich Pepsi mitzunehmen. Beim Einkauf in einem ganz normalen Produkty-Laden stand ich dann mit meinem Bon vor dem gläsernen Kassen-Kasten und trug der darin sitzenden Matrone brav vor, wie viel ich zu bezahlen hätte. An meinem Akzent sowie an unserer DDR-typischen Aufmachung (kurze Anoraks, keine Fellmützen, keine Fellstiefel, kein langer Mantel/Dubljonka, kein Eis am Stiel in der Faust) war der Tante, die IM GESCHÄFT mit zahlreichen Wolltüchern umwickelt war und in einer dicken Wattejacke steckte, klar, dass wir keine Einheimischen waren. Sie fragte: A wy otkuda? Und ich antwortete wahrheitsgemäß: Is GDR (GeDeErr). Daraufhin sie: A GDR, schto takoje? Ich bin fast vom Glauben abgefallen: Eine "Freundin" aus der SU **) und sie wusste nicht, was die DDR ist. Das Spiel wiederholte sich dann noch ein paar Mal - sie wollte wissen, was die DDR ist und ich wusste gar nicht so recht, was ich darauf antworten sollte und wiederholte einfach immer: Nu, GDR!!!! GDR!!!! Mit jedes Mal mehr Ausrufezeichen dahinter. Irgendwann bin ich dann auf den Gedanken gekommen, Deutschland zu sagen: Is Germanii, wostotschnoj Germanii. Damit war sie's dann zufrieden.
Aber irgendwie war das wirklich so drin in uns - man kam aus der DDR, ich wäre als Jugendliche nie auf die Idee gekommen zu sagen, dass ich aus Deutschland komme. Das kam dann erst später.
Als ich dann 1991 in Moskau studiert habe, haben wir uns immer einen Spaß daraus gemacht auf entsprechende Fragen zu antworten, dass wir aus Deutschland kommen, weil daraufhin zwangsläufig die Frage kam, aus welchem, dem richtigen oder dem "blishe k nam". Für manche russischen jungen Männer waren wir als ostdeutsche Mädels auch nicht so interessant wie die westdeutschen Kommilitoninnen, zu dieser Zeit vermuteten wohl doch noch viele Russen, dass es doch mal wieder andersherum kommen könnte. War auf jeden Fall eine interessante Zeit damals im Moskau des Umbruchs!
*) Eine Freundschaftszugreise gab es für gute Verdienste auf dem Gebiet der deutsch-sowjetischen Freundschaft - ich war schon immer eine begeisterte Russischlernerin und habe mich dementsprechend auch außerschulisch (bei Russischolympiaden, im Russischklub etc.) engagiert.
**) Unser Russischlehrer sprach immer von den "Freunden". Er war auch mit einer "Freundin" verheiratet. Unsere Schule befand sich an einer Fernverkehrsstraße und immer, wenn draußen russische Militärkonvois vorbeifuhren (Nora/Weimar war nicht weit), dann hieß es immer: "Ah, die Freunde fahren wieder". Retrospektiv gesehen bin ich mir heute fast sicher, dass er es - zumindest ein bisschen - ironisch gemeint hat.
Re: KALININGRAD - Treffen Deutschsprachiger
Verfasst: 01 Feb 2013, 18:26
von Sibirier
Klasse, fuer den Bericht bitte Heldin der Woche/Monats
Re: KALININGRAD - Treffen Deutschsprachiger
Verfasst: 01 Feb 2013, 18:26
von domizil
... ja, so war es. Ich habe während meines Studiums in Leningrad 1980 - 1984 ähnliches erlebt. Wir haben allerdings keine Pepsi exportiert, dafür aber jede Menge anderer "Defizite" ... eine tolle Zeit ...
Uwe Niemeier
Re: KALININGRAD - Treffen Deutschsprachiger
Verfasst: 01 Feb 2013, 20:26
von umergel
Nun, ich war in der DDR, habe dort bis zum Ende gelebt, konnte dort leben, für mich war das ein Staat wie andere auch, egal, ob nun mehr Unrecht oder Recht heute dazu angeführt wird. Die Ständigen Vertreter beider Staaten in Ostberlin und Bonn waren für mich Diplomaten, eine Art besonderer Botschafter. Ich bekam einmal Probleme im Unterricht damals, in Staatsbürgerkunde und dann auch in der NVA, da ich wusste, damals gab es nur einen Waffenstillstand für ganz Deutschland, es gab nie einen Friedensvertrag für ganz Deutschland oder getrennt für beide Staaten. Einen Waffenstillstand hätte man theoretisch zumindest auch beenden können, beide deutsche Staaten hätten so ihre Schutz- und Besatzungsmächte bedrängen können. Oh, da wurde heiss diskutiert, Friedenspolitik und dann solche Geschichtskenntnisse. Also kann man über solche Themen wirklich auch mit unterschiedlichen Geschichts- und Rechtsauffassungen lange diskutieren und eigentlich hat jeder irgendwie seine subjektive Meinung dazu und auch das Recht nach seiner Sichtweise. Ich wurde ja im Forum schon mal zu einer neuen Themeneröffnung gedrängt, das sollte auch hier vielleicht gemacht werden.
Re: KALININGRAD - Treffen Deutschsprachiger
Verfasst: 01 Feb 2013, 23:54
von Jenenser
warwara hat geschrieben: Eine kurze Episode zum Thema DDR vs. BRD vs. (West/Ost)Deutschland: Ich war 1987 als 16-Jährige mit dem Freundschaftzug *) in Leningrad... ...Damals gab es dort schon diese Viertelliterflaschen Pepsi-Cola, die - soweit ich informiert bin - zu dieser Zeit in der UdSSR in Lizenz abgefüllt wurden. Für uns Ossi-Jugendliche war das natürlich ein Ding und wir haben uns flächendeckend damit eingedeckt.
Völlig richtig! Und nebenbei auch noch Fanta mit kyrillischen Buchstaben auf dem Etikett der Flasche. Ich glaube sogar, das ich das erste mal dieses Westgetränk 1986 in Moskau getrunken zu haben, also weit im Osten...
Den Begriff Ossi gab es, nach meiner Meinung, im Jahr 1987 noch nicht.
warwara hat geschrieben:... Daraufhin sie: A GDR, schto takoje? Ich bin fast vom Glauben abgefallen: Eine "Freundin" aus der SU **) und sie wusste nicht, was die DDR ist. Das Spiel wiederholte sich dann noch ein paar Mal - sie wollte wissen, was die DDR ist und ich wusste gar nicht so recht, was ich darauf antworten sollte und wiederholte einfach immer: Nu, GDR!!!! GDR!!!!
Auch das kann ich bestätigen, aus Kiew und eben auch aus Moskau 1986! Wir waren als Schüler von einem ähnlichen Bildungsniveau in der Sowjetunion ausgegangen, wie bei uns in der DDR, zu mindestens in solchen wichtigen Fragen. Und wurden manchmal (nicht oft!) enttäuscht.
warwara hat geschrieben:...Als ich dann 1991 in Moskau studiert habe, haben wir uns immer einen Spaß daraus gemacht auf entsprechende Fragen zu antworten, dass wir aus Deutschland kommen...
Ich habe Russland (und die Ukraine) nach dem Ende der DDR und der Sowjetunion kurz aus den Augen verloren. Die Zeit des Umbruchs war schon in den entstandenen neuen Ländern der Bundesrepublik Deutschland (ich verwende jetzt nicht die Abkürzung BRD) spannend, herausfordernd. Und es winkten auf einmal auch ganz andere Länder auf der Landkarte. Es dauerte über zehn Jahre, bis ich mich wieder mal nach Russland aufmachte. Vermutete ich zunächst, dass mein Russisch für immer verloren gegangen war, zeigte sich jedoch schnell, dass dem nicht so war. Die Reaktivierung und Vervollständigung meiner Sprachkenntnisse sind mittlerweile ein laufender Prozess.
warwara hat geschrieben:... ich war schon immer eine begeisterte Russischlernerin und habe mich dementsprechend auch außerschulisch (bei Russischolympiaden, im Russischklub etc.) engagiert...
Nun ja, das Fach Russisch zählte bei mir nicht unbedingt zu den schönsten. Um die Russischolympiaden haben wir absichtlich einen Bogen gemacht. Da spielte jugendlicher Protest eine Rolle. Eine Kehrtwende in diesen Ansichten gab es jedoch nach den ersten Reisen nach Russland, in die Sowjetunion.
Re: KALININGRAD - Treffen Deutschsprachiger
Verfasst: 01 Feb 2013, 23:59
von Jenenser
umergel hat geschrieben:... Ich wurde ja im Forum schon mal zu einer neuen Themeneröffnung gedrängt, das sollte auch hier vielleicht gemacht werden.
Tja, ich überlege auch schon, wie das "neue" Thema heißen könnte, ab welchen Beitrag man eventuell "verschieben" sollte. Zum Thema Kaliningrad und dem Treffen der Deutschsprachigen passen die letzten Ausführungen nicht mehr. Vielleicht hast du eine Idee?
Re: KALININGRAD - Treffen Deutschsprachiger
Verfasst: 02 Feb 2013, 13:25
von umergel
Das Thema könnte in etwa lauten- mehre Varianten: "Vergangenheit der Deutschen und von Deutschland", "Geschichte in Deutschland- subjektive Gedanken", "Rückblick auf 2 deutsche Staaten", "Durften 2 deutsche Staaten existieren", "Rückblick von Betroffenen auf deutsche Vergangenheit", "Deutsche Geschichte und ich", "Meinung zu Deutschland damals und heute", "DDR, BRD, Deutschland, ich war dabei",..........kann das nur so anbieten, es gab ja total unterschiedliche Sichtweisen der Diskussionsteilnehmer. Aber vielleicht gibt es bessere Vorschläge.
Re: KALININGRAD - Treffen Deutschsprachiger
Verfasst: 02 Feb 2013, 23:00
von Jenenser
...so richtig in Fahrt kam die Diskussion mit Armins (Daten-Salat) Antwort auf einen Kommentar von “umergel” am Mi 30. Jan 2013, 02:18 Ab hier schlage ich den Moderatoren des Forums eine Verschiebung des Themas vor in die Rubrik “Allgemeine Diskussion“. Als Themenüberschrift (Betreff) biete ich an:
“Aus deutscher Sicht - Gedanken zur jüngeren Geschichte”.
Damit wäre das Thema “Kaliningrad - Treffen Deutschsprachiger” wieder frei für Aktuelles rund um den “Trefftisch”.
Re: KALININGRAD - Treffen Deutschsprachiger
Verfasst: 02 Feb 2013, 23:22
von domizil
... ich habe bereits ein Thema eröffnet, vielleicht könnten wir das nutzen für die Diskussion rund um das Thema Königsberg oder Kaliningrad, Rückgabe nicht Rückgabe, Entschädigung nicht Entschädigung usw.?
KALININGRAD - Deutsche Geschichte, russische Zukunft
Das Thema "Kaliningrad - Treffen Deutschsprachiger" wird von mir in der Form zukünftig nicht mehr bedient. Ich habe zu allen deutschen Aktivitäten in Kaliningrad ein einheitliches Thema in der vergangenen Woche aufgemacht:
KALININGRAD - Deutsche und Deutsches
Uwe Niemeier