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Re: Zukunft?
Verfasst: 19 Dez 2022, 01:22
von Saboteur
Guten Abend,
vielen Dank für die vielen Beiträge von euch. Es gab doch einige Anregungen und etwas zum nachdenken. Vielen dank für die diese Beiträge! Es scheint hier doch noch einige zu geben, die ein Interesse an einem Austausch haben.
Vielleicht einmal zur Klarstellung. Im Falle des Falles würde ich hier keinen Stecker ziehen. Mein Weg wäre eine Übergabe. Aber an diesem Punkt bin ich nicht.
Re: Zukunft?
Verfasst: 20 Dez 2022, 02:11
von Nopper
Saboteur hat geschrieben: 19 Dez 2022, 01:22
Guten Abend,
vielen Dank für die vielen Beiträge von euch. Es gab doch einige Anregungen und etwas zum nachdenken. Vielen dank für die diese Beiträge! Es scheint hier doch noch einige zu geben, die ein Interesse an einem Austausch haben.
Vielleicht einmal zur Klarstellung. Im Falle des Falles würde ich hier keinen Stecker ziehen. Mein Weg wäre eine Übergabe. Aber an diesem Punkt bin ich nicht.
Denke, das ist auch gut so, also weitermachen!
Aber es ist in der Tat so, dass sich kaum jemand aktuell mit Russland identifizieren kann, zumindest vorbehaltlos!
Darum ist man vorsichtiger mit Äußerungen oder schreibt gar nicht, keine Frage!
Natürlich darf man in dem Zusammenhang die Ukraine nicht vergessen, die leider systematisch zerstört wird. Da es jetzt nur noch um den Machterhalt der russischen Eliten geht, ist dort jegliches Maß verloren gegangen. Eine Lösung wird deshalb dort später schwierig werden, da es wohl keine militärische sein wird. Gut möglich, dass es am Ende nur Verlierer geben wird!
Re: Zukunft?
Verfasst: 20 Dez 2022, 11:17
von Wladimir30
Nopper hat geschrieben: 20 Dez 2022, 02:11
Aber es ist in der Tat so, dass sich kaum jemand aktuell mit Russland identifizieren kann, zumindest vorbehaltlos!
Darum ist man vorsichtiger mit Äußerungen oder schreibt gar nicht, keine Frage!
Ich denke mal, es geht nicht darum, ob man sich vollständig mit Russland identifizieren kann. Das ging ja schon vor dem 24.2. kaum, zu unterschiedlich sind die Länder und die sog. Mentalitäten.
Ich bin immer noch der Meinung, dass es einzig um die Art der Diskussionsführung geht. Es ist ja gerade interessant, diese Unterschiede in der Sichtweise auf Russland (und, so weit es in einem Russlandforum angemessen ist) auf die Ukraine, die jeder einzelne hat, miteinander zu vergleichen und zu diskutieren. Ohne dabei andere in eine Meinungsecke zu drängen und auf die Richtigkeit der eigenen Meinung zu pochen.
Dass viele dabei vorsichtig sind in ihrer Ausdrucksweise ist verständlich, insbesondere wenn andere Personen (Verwandte z.B.) betroffen sein können.
Re: Zukunft?
Verfasst: 20 Dez 2022, 19:55
von DSPK79
Richtig @Wladimir30!
Ich rede jetzt im Folgenden mal nur von mir. Und vielleicht geht es ja anderen hier genauso:
Russland ist für mich ebenso wie die Ukraine und die anderen Ex-Sowjetstaaten ein unglaublich interessantes und vielseitiges Reiseland mit faszinierender Architektur, sehr eigentümlicher Atmosphäre, gutem Essen sowie freundlichen und herzlichen Menschen. Genau aus diesem Grund sind mir auch private Kontakte in die Ex-Sowjetstaaten sehr wichtig. Und gerade bei Russland, Ukraine und Belarus hatte ich oft das Gefühl, dass ich das jeweilige Land positiver wahrnehme als die Menschen vor Ort selbst. ;-)
Nur heißt das noch lange nicht, dass ich deswegen innen- und außenpolitische Entwicklungen in Russland positiv sehen muss.
Und hier ist der 24.2. eben eine Zäsur.
Bis dahin war das Auftreten und Handeln Russlands in Südossetien, Abchasien, Krim, Donbas, Syrien, Bergkarabach, Transnistrien oder in manchen afrikanischen Staaten klassische Geopolitik. Man hat Spannungen und Schwächen vor Ort für sich ausgenutzt. Das muss man nicht gut finden, nur muss man fairerweise schon anmerken, dass auch andere Staaten (insbesondere China, USA und manche EU-Staaten) auf ihre Weise Geopolitik betreiben und dabei auch lokale Konflikte, wirtschaftliche Not oder administrative Schwächen vor Ort unter Inkaufnahme von Menschenrechtsverletzungen für sich ausnutzen.
Daher war die Moralkeule m.E. auch immer unangebracht. Und deshalb hat es mich von meinen Russland-Reisen auch nie abgehalten.
Was aber gerade in der Ukraine passiert, ist jedoch keine Geopolitik mehr, sondern ein klassischer Angriffskrieg mit dem Ziel, ein Land mit Gewalt politisch gefügig zu machen und teilweise zu unterjochen. Ein Land, das ich als Reiseziel zudem aus o.g. Gründen auch sehr mag. Mittlerweile ist aus dem Angriffskrieg ein verlustreicher und menschenverachtender Stellungskrieg geworden.
Und genau hier fällt es mir doch schwer, ohne Emotionen zu diskutieren. Und die Frage ist auch, was der Austausch von Argumenten bringt. Zumindest ich habe die Erfahrung gemacht, dass Leute, die den Einmarsch Russlands befürworten, sich nicht umstimmen lassen und umgekehrt.
Zudem macht mich auch die Befürchtung sehr traurig, dass es noch lange dauern wird, bis Reisen nach Russland, Ukraine und Belarus wieder so möglich sein werden wie vor dem 24.2. bzw. Corona. Denn in allen drei Ländern sind politische Verwerfungen und Destabilisierungen je nach Ausgang des Krieges nun wirklich nicht unwahrscheinlich.
Wie gesagt…meine Sichtweise und damit auch der Grund, weswegen mir der Austausch im Forum gerade sehr schwer fällt.
Würde mich interessieren, wie Ihr das seht.
Re: Zukunft?
Verfasst: 20 Dez 2022, 20:14
von Wladimir30
DSPK79 hat geschrieben: 20 Dez 2022, 19:55
Und genau hier fällt es mir doch schwer, ohne Emotionen zu diskutieren. Und die Frage ist auch, was der Austausch von Argumenten bringt. Zumindest ich habe die Erfahrung gemacht, dass Leute, die den Einmarsch Russlands befürworten, sich nicht umstimmen lassen und umgekehrt.
Das ist wohl leider so, beschränkt sich aber eigentlich nicht nur auf die derzeitige Situation in und um die Ukraine. Meinungen sind oft festgefahren und können nur selten aufgebrochen werden.
Wie Du schon schreibst, wir sprechen hier nicht über ein Kaffeekränzchen, irgendwelche geänderte Straßenverkehrsregeln oder dergleichen. Es geht hier um Krieg und um Menschenleben. Da wird jede Diskussion zwangsläufig emotional - wäre ja schlimm, wenn es nicht so wäre. Nur sollten die Emotionen - ich wiederhole mich - nicht zu einem Draufhauen auf den/die mit der anderen Meinung ausarten.
Aber auch diese Emotionalität sollte und darf nicht heißen, dass man nicht einfach seine eigene Meinung darstellen kann und dass diese Meinung zumindest nicht auch von allen akzeptiert wird als das, was sie ist: eine persönliche Meinung. Nicht mehr nicht weniger. Ich kann ja denken "Mensch, der Kerl hat ja null Checkung", nur schreiben sollte man es nicht. Es stimmt, an diesem Punkt sollte jeder kurz überlegen, ob ich es wirklich zielführend ist, das auch so schreiben. Immerhin ist es ja so, dass die Wahrheit äußerst selten in einem oder zwei Absätze darstellbar ist, selten ist es so, dass eine Seite nun wirklich recht hat und die andere Seite die Arschkarte (sprich schlicht und einfach unrecht) hat. Also müsste es doch möglich sein, die verschiedenen Meinungen auszutauschen, andere Argumente zunächst einmal als solche anzunehmen (auch wenn sie vielleicht total abstrus klingen mögen). Es besteht ja die Möglichkeit, dass auch in der abstrusesten Meinung ein Funken Wahrheit steckt. Wer weiß?
Re: Zukunft?
Verfasst: 20 Dez 2022, 20:27
von HJ52
DSPK79 hat geschrieben: 20 Dez 2022, 19:55
Zumindest ich habe die Erfahrung gemacht, dass Leute, die den Einmarsch Russlands befürworten, sich nicht umstimmen lassen und umgekehrt.
Ich muss zugeben... ich kenne keinen...
Aber....
Genau wie ich die Aktion von 2014 verurteilt habe.... Habe ich die Bewegruende Russlands dazu zu verstehen versucht.
Gleiches 2022. Ich bin gegen jegliche gewalttätige Auseinandersetzung. Aber natuerlich versuche ich die Entscheider, auf beiden Seiten, zu verstehen.
Re: Zukunft?
Verfasst: 21 Dez 2022, 03:41
von DSPK79
@HJ52
Auf jeden Fall gut und wichtig, dass Du beide Seiten versuchst, zu verstehen.
Allerdings ist 2022 dann doch eine ganz andere Dimension als 2014.
2014 lagen Ziele und Fakten klar auf dem Tisch.
1) Strategisches Zeitfenster genutzt, um Krim zu annektieren…Ukraine mit Maidan beschäftigt, Gegenwehr auf der Krim sehr gering…großer Popularitätsschub für Putin
2) Gesellschaftliche Spannungen im Donbass genutzt, um das Kiewer Streben nach Westen zu unterbinden
Und 2022…
1) Was sind die Gründe?
- Befreiung bestimmter Gebiete wegen angeblichem Genozid vor Ort?
- Ukrainische Regierung ist Nazi-Regime?
- Ukraine hat als Staat generell keine Existenzberechtigung?
- Ukraine bewegt sich zu stark Richtung Nato?
2) Was sind die Ziele?
- 4 Oblaste an Russland angliedern? Und dann? Würde der Rest der Ukraine nicht erst recht Richtung NATO streben?
- Sturz der Kiewer Regierung? Und dann? Was passiert bei erneutem Maidan?
Da ist nichts klar…ich sehe da nur noch einen Diktator, der merkt, dass er einen Fehler gemacht hat, in einer Sackgasse steckt und jetzt mit Schaum vor dem Mund Drohnen abfeuern lässt.
Re: Zukunft?
Verfasst: 21 Dez 2022, 12:59
von KarlKoch
Ich denke es liegt in der Natur der Sache, dass sich die Foren Aktivitäten verringern.
Stiller Mitleser war ich ja schon seit vielen Monaten, wollte mich aber - u.a. auch wegen einigen absoluten ''Hardliner'' postings und Meinungen - nicht offiziell registrieren.
Seit 2014 war ich privat sehr viel in Russland unterwegs, und das nicht nur in Moskau oder St. Petersburg.
Ich habe Bekanntschaften dort geschlossen, Freunde gefunden und war immer sehr von der Gastfreundschaft begeistert. Auch das Land an sich hat mich immer sehr begeistert, zum Einen landschaftlich, aber auch wegen der immensen Widersprüche und Eigenheiten.
In den nächsten Jahren wollte ich noch viele Reisen unternehmen, schade...aber das wird nun auf ganz lange Sicht nichts mehr werden.
Meine letzte Reise ging vom 21.02. bis 28.02. nach Sotschi.
Niemals hab ich mit einem Truppeneinmarsch der russischen Armee in die Ukraine gerechnet, sonst wäre ich in Deutschland geblieben. Ich war eigentlich auch immer ein Mensch, welcher eine ''Lanze'' für Russland gebrochen hat.
Meine Rückreise gestaltete sich im Übrigen recht schwierig, letzten Endes habe ich Russland via St. Petersburg auf dem Landweg nach Estland verlassen.
Den Weg, welchen Russland mit der Invasion in der Ukraine eingeschlagen hat, halte ich persönlich definitiv für falsch, und in Endkonsequenz ist er zum Scheitern verurteilt.
Russland hat sich in eine Sackgasse manövriert.
Die in unserer Medien kolportierten Zahlen über Personen, welche z.B. Russland verlassen haben, halte ich durchaus für realistisch.
Eine Bekannte aus St. Petersburg hat sich mit ihrem Sohn im wehrpflichtigen Alter nach Israel abgesetzt, eine andere Bekannte aus Baschkortestan ist mit Mann und Kind in die Türkei ausgereist.
Eine gute Freundin von mir wurde Anfang April in Moskau für einen Tag verhaftet, weil sie an einer kleinen Anti-Kriegsdemo teilgenommen hat.
Ihr wurde ganz unverblümt dargestellt, was sie im Wiederholungsfall zu erwarten hat.
Seitdem hält sie sich sehr stark zurück und bleibt nur wegen der Mutter und hochbetagten Oma in Russland.
Ich vermute, der große Teil der russischen Bevölkerung denkt, bald ist der Krieg vorbei und alles wird wie vorher.
Das sehe ich jedoch ganz, ganz anders - die ''entspannten'' Verhältnisse zwischen der EU, bzw. insbesondere Deutschland sind auf viele Jahre nachhaltig geschädigt.
Das ist schlecht, sowohl für die Drüben, als auch für uns.
Wobei ich die europäische Wirtschaft als ganz deutlich resistenter und innovativer sehe, als die russische.
Was mir weiterhin ein sehr großes Rätsel bleibt, wie sich die Verhältnisse zwischen Russland und der Ukraine entwickeln werden.
Da sehe ich ehrlich gesagt nur tiefschwarz.
Re: Zukunft?
Verfasst: 21 Dez 2022, 13:11
von DSPK79
Ich denke, dass sich das Verhältnis zwischen EU und Russland bzw. Ukraine und Russland erst wieder normalisieren kann, wenn das Trio Putin-Lavrov-Medvedev - hoffentlich in 2023 - entmachtet und NICHT durch Ultra-Nationalisten ersetzt wird.
Viele Sanktionen sind ja auch darauf ausgelegt, dass sie relativ zügig wieder aufgehoben werden können und damit eine Normalisierung herbeigeführt werden kann.
Re: Zukunft?
Verfasst: 21 Dez 2022, 13:44
von Axel Henrich
HJ52 hat geschrieben: 14 Dez 2022, 10:41 [Uwe - Telegram-Kanal] Deine Beitraege hatten, bis vor kurzem, teilweise wirklich biss. Inzwischen leider nicht mehr so... irgendwie.
Uwe hat dich wohl erhört, es geht mit den "Kurzinfos" wieder los, das ist gut! Die Rubrik fand ich auch immer sehr intressant.
-ah-