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Re: Referendum Donezk
Verfasst: 08 Apr 2014, 06:32
von kamensky
Berlino10 hat geschrieben:Gunnar hat geschrieben:
wen's interessiert, hier kann man nochmal nachlesen, wie es wirklich war
wie es wirklich war, steht nicht in unseren System-Medien.
Dann halten Sie in Zukunft an Ihrer Aussage fest, denn Sie sind es doch, welcher in Punkto "Medien u. Quellangabe" (natürlich haben Sie all diese nicht aus dem System), sondern Sie sind live und jede Sekunde vor Ort, an jedem x-beliebigen Platz des Geschehens. @ Berlino: Weshalb nutzen Sie dann Internet?
Re: Referendum Donezk
Verfasst: 08 Apr 2014, 06:37
von kamensky
Norbert hat geschrieben:klaupe hat geschrieben:Meine Prognose für 2014. Die grauen Gebiete dürfen alle auf "Befreiung" durch die Russen hoffen
Ganz banal: Ich glaube dies nicht, weil es sich Russland schlicht nicht leisten will. Finanziell. 2 Millionen Krimassen durchzufüttern - kein Problem. Aber 20 Millionen (über den Daumen gepeilt) Ostukrainer ... da riskiert Putin im eigenen Land zu viel. Schon jetzt hört man im Bus an jeder Baustelle: "Ach, das wird eh nie fertig, das ganze Geld geht ja jetzt auf die Krim!"
.. und U-Bahn "und wie sieht es einst mit unserer Pension aus" verwunderlicherweise hört man diese Worte sehr oft von den ab 30iger Generationen.
Re: Referendum Donezk
Verfasst: 08 Apr 2014, 07:31
von m1009
das ganze Geld geht ja jetzt auf die Krim!"
Gleiches hoehre ich von Vielen.... Der "Zusammenschluss" mit Krim war fuer die Russen irgendwie was anderes. Fuer die meisten, sicher nicht alle, war der Vorgang vielleicht etwas hopplahop, aber es stoerte sich nicht wirklich jemand daran...
Re: Referendum Donezk
Verfasst: 08 Apr 2014, 08:58
von klaupe
Norbert hat geschrieben:Ganz banal: Ich glaube dies nicht, weil es sich Russland schlicht nicht leisten will. Finanziell.
Abgesehen vom Flottenstützpunkt, ein paar Urlaubern, die vermutlich erst mal ausbleiben und dem Wein, was hat die Krim zu bieten? Das ist ein verdammt teures Prestigeobjekt.
In der Ostukraine rollt der Rubel da schon deutlich heftiger, das kann sich rechnen. Außerdem kann man die Zufahrts-/versorgungswege zur Krim und nach Transnistrien sichern, was dann diese Abenteuer wieder billiger macht.
2 Millionen Krimassen durchzufüttern - kein Problem. Aber 20 Millionen (über den Daumen gepeilt) Ostukrainer ...
Bis jetzt sind die Ostukrainer auch ohne Subventionen nicht verhungert, im Gegenteil, vermutlich haben sie in den großen Topf deutlich mehr eingezahlt als abgeholt.
da riskiert Putin im eigenen Land zu viel. Schon jetzt hört man im Bus an jeder Baustelle: "Ach, das wird eh nie fertig, das ganze Geld geht ja jetzt auf die Krim!"
Ich hoffe, das Putin auch so denkt und auf die Stimmen im Bus hört. Ansonsten fürchte ich, das das Gemurre immer lauter wird.
Aber was soll er jetzt machen? Jetzt hat er die Krim an der Backe und wie er das finanzieren will, ist mir schleierhaft.
Re: Referendum Donezk
Verfasst: 08 Apr 2014, 09:52
von Norbert
Die Krim sind 2 Millionen. Dagegen ist die Ostukraine - selbst wenn sie für ukrainische Verhältnisse reich ist - ein Fass ohne Boden. Denn im Vergleich zu Russland ist auch die Ostukraine gefühlt ein kompletter Sanierungsfall. Außer einer Genugtuung, dass noch irgendwer in der Welt die Russen mag, gibt es da nichts zu gewinnen. OK, die Handelswege zur Krim wären ein Argument.
Aber ob man dem Westen nicht eher hilft, wenn man ihm diese maroden Industriegebiete abnimmt, wäre abzuwägen. Die zögerlichen Reaktionen aus Russland zeigen in meinen Augen auch, dass sich da der Kreml auch nicht sicher ist.
Re: Referendum Donezk
Verfasst: 08 Apr 2014, 11:15
von Kultgrieche
Norbert hat geschrieben:Die Krim sind 2 Millionen. Dagegen ist die Ostukraine - selbst wenn sie für ukrainische Verhältnisse reich ist - ein Fass ohne Boden. Denn im Vergleich zu Russland ist auch die Ostukraine gefühlt ein kompletter Sanierungsfall. Außer einer Genugtuung, dass noch irgendwer in der Welt die Russen mag, gibt es da nichts zu gewinnen. OK, die Handelswege zur Krim wären ein Argument.
Aber ob man dem Westen nicht eher hilft, wenn man ihm diese maroden Industriegebiete abnimmt, wäre abzuwägen. Die zögerlichen Reaktionen aus Russland zeigen in meinen Augen auch, dass sich da der Kreml auch nicht sicher ist.
Na ja, alles eine Frage der Interpretation - für die Ukraine ist der Osten der Dukatenscheißer, ohne den Osten kann die Ukraine einpacken, denn im Westen der Ukraine gibt es gar nichts, nur Wiesen und Karpaten.
Die Frage nach einem Anschluss wird doch nicht nur nach monetären Kriterien bemessen, wenn dem so wäre, hätte die BRD damals die marode DDR auch nie aufnehmen dürfen. Oder die EU Bulgarien und Rumänien.
Re: Referendum Donezk
Verfasst: 08 Apr 2014, 11:26
von klaupe
Norbert hat geschrieben:Denn im Vergleich zu Russland ist auch die Ostukraine gefühlt ein kompletter Sanierungsfall.
Kürzlich las ich hier von einem Teilnehmer, dass die Produktionsanlagen im Schnitt genau so gut oder schlecht sind, wie die in Russland.
Immerhin ist die Ukraine ein durchaus bedeutender Lieferant für Waffen, Maschinen, Flugzeugturbinen etc. Richtung Russland. Man könnte sich diese Produktion sichern.
Also ich weiß nicht, da ich genaue Zahlen nicht habe und nun auch keine Werbung für die "Rettung" der Ukraine machen muss.
Einerseits sagt Putin, dass er kein Interesse an weiteren Eroberungen hat. Andererseits lässt er keinen Zweifel daran, dass er jeden Russen der Welt, der sich bedrängt fühlt, retten wird und -- obwohl schon mehrmals der Abzug avisiert -- lässt er ein beachtliches Truppenkontingent an der ukrainischen Grenze stehen.
Um beim Thema "Referendum Donezk" zu bleiben zeigen doch die aktuellen Demonstrationen eine Handschrift, die verdammt nach Krim aussieht.
Eine andere, auch sehr wahrscheinliche Variante wäre, dass Moskau mit aller Macht versucht, die Wahl im Mai zu stören. Je instabiler das Ergebnis ist, desto leichter kann es sein, hinterher sich in die ukrainische Politik einzumischen. Da bleiben alle Optionen für Moskau offen.
Re: Referendum Donezk
Verfasst: 08 Apr 2014, 11:33
von Berlino10
Norbert, "Krimassen" ist das offiziell?
kamensky hat geschrieben:
Dann halten Sie in Zukunft an Ihrer Aussage fest, denn Sie sind es doch, welcher in Punkto "Medien u. Quellangabe" (natürlich haben Sie all diese nicht aus dem System), sondern Sie sind live und jede Sekunde vor Ort, an jedem x-beliebigen Platz des Geschehens. @ Berlino: Weshalb nutzen Sie dann Internet?
Es gilt, einfach nur wach und kritisch zu bleiben, und nicht blind zu vertrauen, was unsere Systemmedien ablassen. Alles muss mehrfach geprüft werden.
Sie werden doch nicht ernsthaft behaupten wollen, unsere Medien berichten auch nur annähernd objektiv??
Das ZDF hat u.a. zugegeben, das es in seiner Berichterstattung über die Ukraine-Krise eng mit dem Ukrainian Crisis Media Center (UCMC) zusammen arbeitet.
Das ist ein u.a. von Soros finanziertes Propaganda-Instrument der Putschisten, das tägliche Pressekonferenzen von Befürwortern der ukrainischen Übergangsregierung abhält, ausgewählte Interviewpartner, Übersetzer, ausgewähltes Video-Material, Stellungnahmen von regierungsnahen Künstlern und Akademikern wie etwa Historikern und anderen "Ukraine-Experten" zur Verfügung stellt. Über 900 westliche Journalisten sind dort angemeldet.
Die FAZ stellt selbstkritisch in einem Artikel die Distanz zwischen öffentlicher und veröffentlicher Meinung fest
http://blogs.faz.net/wost/2014/04/06/di ... krise-953/
Die Anschläge vom 11. September haben in den USA auch dazu geführt, dass die alteingesessenen Medien komplett auf die Linie der Regierung eingeschwenkt sind und diese bis weit über den Irak-Krieg hinaus beibehielten. Eine kritische Berichterstattung fand über Jahre hinweg nicht mehr statt. Es war der Beginn des großen Zeitungssterbens.
Re: Referendum Donezk
Verfasst: 08 Apr 2014, 11:51
von klaupe
Kultgrieche hat geschrieben: - für die Ukraine ist der Osten der Dukatenscheißer, ohne den Osten kann die Ukraine einpacken,
Raum Kiew, Saporoshje und Odessa wären auch noch interessant in der Staatsbilanz.
denn im Westen der Ukraine gibt es gar nichts, nur Wiesen und Karpaten.
Na na, da gibt es Europäer, die noch weitaus weniger zu bieten haben. Die Karpaten sind sehr schön, immer eine Reise wert, und im Olesska Gas Feld (Lviv Oblast / Ivano-Frankivsk Oblast) werden gerade riesige Mengen Schiefergas erschlossen.
Die Wiesen gehören zu den besten Böden in Europa, haben schon die Sowjetunion gut ernährt und sollten mal die Kornkammer des Großdeutschen Reiches werden. Wenn man bedenkt, wieviel Getreide und Vieh die EU von Übersee importiert, kann es die Schatzkammer vor der Haustür werden.
Re: Referendum Donezk
Verfasst: 08 Apr 2014, 11:58
von Jenenser
m1009 hat geschrieben: das ganze Geld geht ja jetzt auf die Krim!"
Gleiches hoehre ich von Vielen.... Der "Zusammenschluss" mit Krim war fuer die Russen irgendwie was anderes. Fuer die meisten, sicher nicht alle, war der Vorgang vielleicht etwas hopplahop, aber es stoerte sich nicht wirklich jemand daran...
Selbst, wenn man es nicht immer hört. In Leserkommentaren von Kaliningrad bis Jekaterinburg muss nun immer die Krim herhalten, wenn irgendwas wieder schief läuft.
klaupe hat geschrieben: Den Platz auf dem Foto kenne ich gut, da war ich sehr oft...
Den Platz der Freiheit mit Lenindenkmal in Charkow kenne ich auch. Am 9.Mai 2009 weilte ich dort während einer Ukrainereise zu den Feierlichkeiten am Tag des Sieges. Für junge Leute ist es immer schön, wenn was los ist. Musik, Party, Feuerwerk. Das spezielle Gedenken in der Form einer Kriegschronik, Frontverläufen... war der älteren Generation Ukrainer überlassen, zum Beispiel bei einem Festkonzert in der Charkower Philharmonie. Doch zurück zum Platz, der mit Zehntausenden gefüllt war. Bereits am Nachmittag trat auf der Bühne der russische Sänger Oleg Gasmanov (Олег Газманов) auf. Mit ihm gemeinsam sang man textsicher im Chor das Lied: Сделан в СССР.
In der Westukraine, in Lemberg (Lwiw) traf ich im vergangen Jahr auf nette junge Ukrainer mit völlig anderer Grundeinstellung. Sie sprachen mit mir nur Russisch, weil dass für mich! angeblich angenehmer (удобно) erschien. Das ist Marktwirtschaft! Grundsätzlich bevorzugten sie Ukrainisch oder Englisch. In der Innenstadt befindet sich ein gewaltiges Denkmal für Stepan Bandera. Die Ukraine, so verschieden und interessant! Es wird dauerhaft schwer sein, beide Seiten unter einen Hut zu bekommen.