So, bin in Deutschland, denke einige interessiert, wie meine Meinung ausfällt.
Habe von der vorhergesehen Route "nur" Moskau, Voronezj und Petropavlosk angesehen, da ich zu wenig Zeit und auch dauernd allein keine Lust hatte. Ansonsten war die Reise ok, meine (vor allem was meine russlanddeutschen Eltern aus der Zeit der UdSSR erzählt haben) Erwartungen waren schlimmer. Die Städte waren meist recht sauber (was mich überrascht), die Züge waren immer auf den Punkt genau, man kann schon ein "normales" Leben dort führen, die russischen Importprodukte fand ich ok. Bis auf kaputte Straßen und einige marode Wohnblöcker (Insbesondere in Kasachstan) kann ich infrastrukturell nicht viel kritisieren. Was mich eher gestört hat war die Mentälität. Die Begrüßungsmentalität in Deutschland kann man in Russland vergessen. Den ersten Kulturschock hatte ich schon am Flughafen, die Frauen am Schalter waren extrem unzufrieden, Polizisten genauso, Lächeln sucht man durch Moskaus Metros vergeblich. Stattdessen wird viel auf Höfflichkeit gelegt, sagt man irgendetwas falsches kann man auch schnell aufs Maul bekommen, zumindest schneller als in Deutschland. Ich erwarte kein gefaktes Lächeln, aber zumindest Kulanz, und nicht ein polemisches "Че надо ?" (Was willst du ?, als ich Wasser in Moskau kaufen wollte) Das Verhältnis ist immer distanziert, egal ob Flugzeug, Bahn, Metro, immer Stillschweigen, schlecht gelaunte Minen. Kann mich nur an eine Situation erinnern, als ich Plombir am roten Platz kaufen wollte (Dieses Geschäft gleich vor dem Ленин-Мавзолей, wo man Scannerkontrollen passieren muss) habe meine Bestellung falsch vorgetragen und "Пломбир с виииишняями" vorgelesen, die Verkäuferin hat sich kaputtgelacht, daraufhin habe ich gleich gesagt, dass ich aus Deutschland komme, die Frau hat sich entschuldigt und sogar "Счастливо" gesagt. Nicht weit vom МГУ stand ich wartend an Lomonossow-Denkmal, daraufhin hat eine Frau zu mir gemeint, ich solle verschwinden, damit sie ein Foto vom Denkmal schießen kann. Ich dachte nur "WTF?". Solche oder so ähnliche Situationen habe ich in Russland andauernd erlebt. Höfflichkeit erwarten, aber selbst "хамить", dort herrscht eine "мне все насрать" Subkultur. Desweiteren finde ich es merkwürdig, dass man Russlands Schulen oder Universitäten nicht betreten darf, in Deutschland kannst du dich einfach als Obdachloser in eine Vorlesung setzen, dort no way. Außerdem raucht so gut wie jeder dort, keine Ahnung wieso. Das Unisystem finde ich im Übrigen krass verschult. Habe dort eine Einweihungsfeier in Moskau miterleben dürfen, das Ganze hat mich eher an einen 16-jährigen Geburtstag erinnert. (Von meinem Cousen (auch Russlanddeutscher, im Gegensatz zu mir aber in Russland geblieben) weiße ich auch, dass dort wieder diese Disziplin und Höfflichkeit verlangt wird, der Professor spricht, Studenten schreiben alles auf, Fragen gibt es kaum welche.
Das soll kein Negativbericht werden, ich fand die Reise reisenswert, gerne fliege ich als Gast nochmal hin, aber dort leben ? Eher nicht. Auf vieles kann ich verzichten, auf den Komfort in der Bahn beispielsweise, aber diese "мне насрать на других" Mentalität ist für einen Deutschen nicht einfach. Bin nicht kontaktscheu, aber in Russland hatte ich echt manchmal Angst nach den Weg zu fragen. Fühle mich im Übrigen in meinem "Deutschfühlen" nur noch bestärkt, alleine der Akzent im Russischen hat mich dort oft als Ausländer enttarnt, ein Mädchen hat mit mir sogar ne Konverdation in Deutsch halten können.
Ansonsten mein Erfahrungsbericht, muss keiner gutheißen, sind nur meine Erfahrungen eben. Deutschland ist zweifelsfrei eher meine Heimat als Russland.
Edit: Die Straßen in Kasachstan waren natürlich der Bürner

. 50 KM unweit von Petropavlosk leben die Menschen wie im 18. Jahrhundert.