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Re: Mögliche Wagenknecht-Partei

Verfasst: 29 Okt 2023, 11:25
von Josef Silberkant
https://www.zeit.de/kultur/2023-10/sahr ... Wochenende
Eine sehr tiefgründige Analyse des Phänomens Wagenknecht

Re: Mögliche Wagenknecht-Partei

Verfasst: 29 Okt 2023, 15:10
von willi
Ich arbeite im Aluminium Druckguss. Für diejenigen, die keine Vorstellung haben was es ist, - Grossserienfertigung, alles was unter der Motorhaube nicht aus Kunststoff ist, mittlerweile auch Karosserieteile und vieles in Waschmaschinen und anderen Haushaltsgeräten.
Im Moment stehen in unserer Branche/ meinem Bekanntenkreis 30-50% der Maschinen. Das heisst, was wir heute nicht produzieren, kann in 3-6 Monaten auch nicht verkauft oder exportiert werden. Der Absturz ist bereits in Sicht und da wird auch ein dreifacher Doppelwums nicht helfen. Erinnere mich noch gut an die Krise in den 80ern, dann waren wir mal Exportweltmeister, jetzt nähert sich die Sinusfunktion wieder dem minus 1.

Ich habe keine Angst vor dem Klimawandel, wohl aber vor durch die Veränderungen durch unkontrollierte Migration und die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft. Ich denke, Deutschland, und damit Europa, werden in der Bedeutungslosigkeit versinken.

Re: Mögliche Wagenknecht-Partei

Verfasst: 29 Okt 2023, 17:35
von Bluewolf
Gedanken sind frei, aber die deutsche Wirtschaft besteht nicht nur aus Alu Druckguss. Mal ne ketzerische Frage: warum produziert ihr denn noch im Ausland und nicht wieder in DE? Der Trend zur Rückkehr ist unübersehbar, und Lohnkosten sind längst nicht mehr der entscheidende Preistreiber.

Re: Mögliche Wagenknecht-Partei

Verfasst: 29 Okt 2023, 19:05
von lausi
Bluewolf hat geschrieben: 29 Okt 2023, 17:35 Gedanken sind frei, aber die deutsche Wirtschaft besteht nicht nur aus Alu Druckguss. Mal ne ketzerische Frage: warum produziert ihr denn noch im Ausland und nicht wieder in DE? Der Trend zur Rückkehr ist unübersehbar, und Lohnkosten sind längst nicht mehr der entscheidende Preistreiber.
Trend zur Rückkehr?
Habeck verkündet offiziell die bevorstehende Deindustrialisierung
„Für zahlreiche Betriebe der energieintensiven Industrie sind diese Preise existenzbedrohend, es droht eine Erosion der deutschen Grundstoffindustrie und damit der Wegfall integrierter Wertschöpfungsketten.“
Lohnkosten sind nicht DER Preistreiber, aber die Energiekosten und die Bürokratie sehr wohl.
Deutschland hat fertig!

Re: Mögliche Wagenknecht-Partei

Verfasst: 29 Okt 2023, 22:06
von Wladimir30
Bluewolf hat geschrieben: 29 Okt 2023, 17:35 Der Trend zur Rückkehr ist unübersehbar, und Lohnkosten sind längst nicht mehr der entscheidende Preistreiber.
Hast Du hierfür repräsentative Beispiele, die über Einzelfälle hinausgehen? Und gibt es Zahlen über Umsätze dieser Rückkehrer im Vergleich zu den Umsätzen derer, die das Land verlassen? Klar, Du sprichst nur von einem Trend. Aber jeder Trend kann sich ja zahlenmäßig belegen lassen.

Ich habe hier nicht gelesen, dass die Behauptung verbreitet wurde, dass die Lohnkosten der entscheidende Faktor seien. Aber ist es nicht so, dass die Lohnkosten in Deutschland einen unvergleichlich höheren prozentualen Anteil an den gesamten Produktionskoten im Vergleich zu vielen anderen Ländern haben?

Re: Mögliche Wagenknecht-Partei

Verfasst: 30 Okt 2023, 14:33
von willi
Bluewolf hat geschrieben: 29 Okt 2023, 17:35 Gedanken sind frei, aber die deutsche Wirtschaft besteht nicht nur aus Alu Druckguss. Mal ne ketzerische Frage: warum produziert ihr denn noch im Ausland und nicht wieder in DE? Der Trend zur Rückkehr ist unübersehbar, und Lohnkosten sind längst nicht mehr der entscheidende Preistreiber.
Trend zur Rückkehr? Nur weil man aufgewacht ist und gemerkt hat, dass es gefährlich ist, wenn Chips und Elektronikbauteile nur noch in Fernost hergestellt werden? Photovoltaik, in Deutschland entwickelt, kommt jetzt aus China. Windkraft ist am folgen und bei der E-Mobilität entscheidet China wie es mit den deutschen Autobauern weitergeht, da sie bei vielen Rohstoffen dominant sind oder ein Monopol haben. Andere Ressourcen wie Mg und Si, ohne die es kein technisches Aluminium gibt, sind zwar verfügbar, wollen wir aber nicht machen wegen dem negativen CO2 footprint. Also was dann? Dienstleistungen? Da schlucken uns China und Indien mit ihrer qualifizierten manpower.

Lohn- und Energiekosten sind jetzt nicht der Faktor. In Deutschland ist die Produtivität/ Kopf höher und der Ausschuss im Allgemeinen niedriger, das gleicht es aus.
Aber Auflagen und Vorschriften sind ein bedeutender Faktor und das viele Kommunen in ihren Gewerbeparks lieber Softwarefirmen als Industriebetriebe sehen wollen. Letztens in Indien habe ich wieder mehrere kopierte deutsche Produkte gesehen. Nach Aussagen meiner Geschäftspartner wurde diese nicht aus Kostengründen kopiert, sondern wegen der zu langen Lieferzeiten. Wir sind unflexibel geworden, die Luft ist raus.

Re: Mögliche Wagenknecht-Partei

Verfasst: 30 Okt 2023, 15:08
von Bluewolf
Hast Du hierfür repräsentative Beispiele, die über Einzelfälle hinausgehen? Und gibt es Zahlen über Umsätze dieser Rückkehrer im Vergleich zu den Umsätzen derer, die das Land verlassen? Klar, Du sprichst nur von einem Trend. Aber jeder Trend kann sich ja zahlenmäßig belegen lassen.
zunächst zwei Links dazu https://www.arbeitsagentur.de/faktor-a/ ... roduzieren
und https://trendreport.de/reshoring-geling ... strategie/
Schwer das repräsentativ zu belegen. Ich könnte zwar uns, die Schwarz - Gruppe, ALDI und noch ein paar mehr aus persönlicher Kenntnis und täglicher Arbeit nennen, die insgesamt mehr als 500.000 Arbeitsplätze repräsentieren.
Oder ich nehme den Auszug aus dem zweiten Link oben
mit der Zeit wendete sich das Blatt und seit etwa zehn Jahren kommen mehr und mehr Unternehmen zurück nach Deutschland oder zumindest Europa. Nach dem „Offshoring“ wird die Rückverlagerung von Produktionsstätten aus Schwellenländern zurück in die Industriestaaten, das sogenannte „Reshoring“, mehr und mehr zum Trend – branchenübergreifend. Ob adidas, Stihl, Rowenta, Steiff, die Firma Electrostar, die durch die Spezialsauger-Marke Starmix bekannt ist, oder Modelleisenbahnhersteller Märklin – sie alle haben ihre Produktion komplett oder zum Teil zurück nach Deutschland geholt. Ein Grund dafür waren in den letzten Jahren sicherlich die steigenden Löhne in diesen früheren Niedriglohnländern, während es in Deutschland – auch durch neue Technologien und erste Automatisierungs- und Digitalisierungsschritte – eine leicht gegenläufige Entwicklung gab. Weitere wichtige und oft genannte Gründe sind die Produktionsqualität und -flexibilität, Fragen der Menschlichkeit oder des Umweltschutzes, die etwa in der Textilbranche derzeit heiß diskutiert werden. Schließlich sind die Produktionsbedingungen in diesen Ländern sehr oft mehr als fragwürdig. Zudem ist die CO2-Bilanz dieser „globalen“ Produkte erschreckend, wobei die CO2-Kosten traditionell gar nicht erst in die Produkte eingepreist werden. Zusammen mit dem Wegfall von den ebenfalls steigenden Transport- und Lagerkosten ist die Gegenrechnung in vielen dieser Fälle durchaus schon aufgegangen. Es gibt aber noch eine Reihe weiterer wichtiger Gründe, die für das Reshoring sprechen.
Das Problem bei all diesen Beispielen ist, dass selbst innerhalb einer Branche aus den unterschiedlichsten Gründen strategische Entscheidungen getroffen werden. Wir (dm) haben uns z. B. ganz bewusst für das Thema Nachhaltigkeit entschieden. Und wie wichtig das für unsere KundInnen ist, kann man ganz transparent in jedem unserer Social Media Accounts sehen. Und nachhaltiger zu produzieren, heißt nicht unbedingt teurer zu produzieren. Wir haben mit dem Einsatz von mehr Rezyklat (recycelte Kunststoffverpackungen) inzwischen mehr Umsatz UND Gewinn generiert.
Ein anderes Beispiel von uns (dmTECH): Es wir ja so oft angemerkt, wie sehr wir China brauchen, von wegen seltenen Erden usw.
Wir haben im Gesamtkonzern (dm, dmTECH + Eigenmarken wie Balea usw.) knapp 50.000 Smartphones im Einsatz, die alle drei Jahre ausgetauscht werden. Ein Remarketing ist nur teilweise möglich, da u.a. Speicher aufwendig zertifiziert gelöscht werden müssen, usw.
Also arbeiten wir (und andere) mit Samsung und Apple zusammen, um all diese Geräte wiederzuverwerten. Die wichtigen Rohstoffe bleiben in der EU und wir bekommen beim Neukauf Sonderkonditionen. Laut einer letzten Analyse kann Apple inzwischen 65% des Bedarfs für die Produktion neuer Geräte aus diesem Prozess gewinnen. Bei Samsung wird es nicht anders sein.
Und selbst chinesische Firmen wie Lenovo (unser hauptsächlicher Notebook Lieferant) schließen sich diesem Prozess inzwischen an. Nun sollte man doch meinen, dass das der Parteidoktrin zuwiderläuft. Immerhin möchte man ja die Abhängigkeit vom Rest der Welt aufrechterhalten. Scheinbar sind die westlichen Märkte als Abnehmer aber wichtiger als der Versuch des Aufbaus eines Monopols, dass inzwischen unterlaufen wird.

Zurück zu Reshoring:
In Lausis Beitrag wird es ja skizziert. Es werden in den kommenden Jahren bisherige Schlüsselindustrien wegfallen und dafür neue hinzukommen. Das tut dann erstmal weh, wie beim Rückbau der Kohleindustrie (und ja, manchmal wäre es schön sie noch zu haben), ist aber auf Sicht unvermeidlich.
Da stellt sich dann die Frage (wie in meinem anderen polemischen Beitrag gemeint), lege ich mich auf den Rücken, strample ich mit den Füßen und weine vor mich hin, weil sich Dinge zu meinem Unverständnis verändern, und verlasse deshalb das Land? Oder werde ich aktiver Teil des Veränderungsprozesses, an dem ich meinen Anteil habe? Das kann man, wie Norbert schon mal schön anmerkte, auch als Teil von privaten Initiativen (wie Flüchtlingshilfe u. ä.), Mietervereinigung, Elternbeirat, Sportverein usw. werden. Und löst damit unmittelbare Probleme vor Ort. Ich habe bereits beschrieben, wie das bei uns läuft. Über ein Netzwerk von privater rollierender Kinderbetreuung, bis hin zu zusätzlichem Sprachunterricht durch pensionierte Sprachlehrer, die das Ganze nicht nur theoretisch vermitteln, sondern gerade auch mit Flüchtlingskindern Museen und Ausstellungen zur Heimatkunde besuchen. Hier gab es im gesamten Landkreis keinen Stress mit dem Palästina Thema.

Die Politik gibt immer nur Rahmen vor. Teilweise dauert es Jahre, bis beschlossene Maßnahmen in Gesetzen münden. Was ursprünglich Volkes Wille war, wird dann auf einmal wieder in Frage gestellt, weil sich "überraschend" die Rahmenbedingungen geändert haben. Mit diesem Rumgeeiere werden wir aber keinen Blumentopf gewinnen. Und das sich über die Zeit Meinungen ändern ist menschlich.
Zusammenfassend gesagt: Ja es ist ein Trend, der aber zahlentechnisch nur unzureichend belegt werden kann, da die Umsetzung teilweise nicht nur in Deutschland, sondern der gesamten EU stattfindet. Erschwerend kommt hinzu, dass strategische Entscheidungen manchmal von "Normalos" nicht nachvollzogen werden können. Und wenn man mal eine Entscheidung pro dem Standort DE/ EU getroffen hat, kommt dann natürlich auch die Bürokratie und Vorschriften hinzu, vgl. Lieferkettengesetz (Kurzform) https://www.bmas.de/DE/Service/Gesetze- ... etten.html oder verpflichtende Nachhaltigkeitsberichte. Wenn man wirklich will, kann man das alles recht einfach umsetzen. Und die Arbeit fällt auch nur beim ersten Mal umfangreich an. Ab dem zweiten Mal macht das eine KI, die nur die Daten anpasst.

Ich habe hier nicht gelesen, dass die Behauptung verbreitet wurde, dass die Lohnkosten der entscheidende Faktor seien.
Hier nicht, aber weit verbreitet. Als das Thema von zu starken Lohnerhöhungen auf Grund der Inflation und der daraus resultierenden Lohn-/ Preis Spirale immer lauter wurde, wurde auch immer darauf hingewiesen, dass die Lohnstückkosten in Deutschland im Ländervergleich zu hoch wären.
Aber ist es nicht so, dass die Lohnkosten in Deutschland einen unvergleichlich höheren prozentualen Anteil an den gesamten Produktionskoten im Vergleich zu vielen anderen Ländern haben?
Dazu gibt es allerdings unterschiedliche Betrachtungsweisen, je nachdem, ob man das ganze pro Arbeitnehmer oder pro Zeiteinheit sieht. Dann kommen noch reales oder nominales BIP und einige andere Faktoren hinzu, was dann unterschiedlich herangezogen wird, damit „Fachleute“, die irgendwas mit BWL studiert haben, uns je nachdem rosige oder finstere Zeiten vorhersagen können.
Ehrlich gesagt, stecke ich dem Thema auch eher nicht so tief drin, und verlasse mich, wie viele andere auch, auf meine Erfahrungswerte. Heißt, ich sehe, wie sich Preise nach oben und unten bewegen, ob Gaststätten oder Sportstätten gut besucht sind, wie viele Leute in Urlaub fahren und wie oft usw. Indikatoren aus den unterschiedlichsten Bereichen, um mein „Bauchgefühl“ zu unterstützen, dass mir persönlich trotz aller Kriege und viel Sch*** auf der Welt sagt, dass es der Mehrzahl der Menschen hier nach wie vor gut geht. Und sie das oft nur nicht mehr sehen (wollen).
Wenn man so oft reist wie ich, kann man auch vergleichen. Darum teile ich z. B. Bellas Ansicht von den Kackfässern, und zwar egal ob in DE oder im Rest der Welt. Abseits von Hollywood und Beverly Hills wäre da z. B. Los Angeles mein Alptraumszenario 😉
Ok, Glückwunsch, wer bis hierhin durchgehalten hat. :)

Re: Mögliche Wagenknecht-Partei

Verfasst: 30 Okt 2023, 15:24
von Wladimir30
Herzlichen Dank für den ausführlichen Bericht und für die Glückwünsche am Schluß.

Wenn du so viel reist, komm doch mal hier vorbei. Ich denke, dass wird dann eine längere Diskussion geben, bei einer oder mehreren Kannen Kaffee und vielleicht noch ein paar Bierchen hinterher. Wird echt was längeres.

Nur kurz zu dem Punkt, aus welchen Gründen Leute Deutschland den Rücken kehren. Das, was Du hier beschrieben hast, trifft auf mich eindeutig NICHT zu. Es waren ganz andere Gründe, die mit den Punkten, die Du aufzählst, nichts gemein haben.

Das gäbe dann noch ein paar weitere Bierchen, für diese weitere Diskussion.

Immerhin nochmals vielen Dank für diesen Beitrag.

Re: Mögliche Wagenknecht-Partei

Verfasst: 30 Okt 2023, 15:40
von Bluewolf
Wenn du so viel reist, komm doch mal hier vorbei. Ich denke, dass wird dann eine längere Diskussion geben, bei einer oder mehreren Kannen Kaffee und vielleicht noch ein paar Bierchen hinterher. Wird echt was längeres.
Ich denke das wird in nächster Zeit nix. Das liegt eher aber nicht an mir, sondern an meiner Frau und den beiden Söhnen und der Unsicherheit bzgl. Wehrpflicht, wie im Parallelthread beschreiben. Im Übrigen war ich ja schon in Wladimir, bzw. der Umgebung. Bekannte meiner Frau hatten dort ein Haus, wo wir auf dem Weg von N.N. nach Moskau zweimal Station gemacht haben.
Nur kurz zu dem Punkt, aus welchen Gründen Leute Deutschland den Rücken kehren. Das, was Du hier beschrieben hast, trifft auf mich eindeutig NICHT zu. Es waren ganz andere Gründe, die mit den Punkten, die Du aufzählst, nichts gemein haben.
Nun, Du hast mich auch noch nicht persönlich beleidigt ;) Und Gründe gibt es ja viele, auch für mich nachvollziehbare.
In einer anderen Welt wäre mein Arbeitgeber schon seit 5 Jahren in der UA, Belarus und Russland. Der Plan stand schon, meine Frau war schon in Verhandlungen über den Rückkauf ihres Hauses. Nun stoppt die Expansion halt erstmal in Polen, Rumänien und Bulgarien. Und in Anbetracht meines Alters glaube ich nicht mehr an eine Rückkehr nach RU. Auch nicht als Rentner. Ich bin mehr so der " ewige Frühlings-) Typ ;)

Re: Mögliche Wagenknecht-Partei

Verfasst: 30 Okt 2023, 15:54
von Wladimir30
Na ja, ich meinte ja auch nur so zu einer Besuchsvisite. Zumindest für den Anfang.....

Aber ja, schade schade.