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Re: Russland: Braune Revolution

Verfasst: 14 Dez 2011, 03:06
von bauplan
Also ich glaube, dass Gunnar die BRD, Entschuldigung Westdeutschland natürlich, nur aus Erzählungen oder sonstwas kennt.

Wer sich wirklich mit der politischen Geschichte Westdeutschlands befasst, der versteht u.U. auch einiges, was heutztutage passiert. Auch in Russland. Ich sehe jedenfalls oft Parallelen.

Aber auf Westdeutschland mit einer rosaroten Brille zu schauen ist da wenig hilfreich.

Übriegens Radikalenerlass. Der wurde selektiert gahandhabt. Betroffen war nur die Linke. Als Nazi konnte man sehr wohl Beamter sein.

Re: Russland: Braune Revolution

Verfasst: 14 Dez 2011, 03:58
von Cookie

Re: Russland: Braune Revolution

Verfasst: 14 Dez 2011, 06:34
von bauplan
manuchka hat geschrieben:Bauplan, darüber streitet sich doch gar niemand mit dir. Fakt ist nun mal aber, dass in der DDR diese Methoden angewendet wurden. Und nur darum ging es doch beim Vergleich HJ-FDJ.
Na jetzt habe ich es verstanden. Also haben alle FDJ-Mitglieder eine faschistische Sozialisation in ihrer Jugend erfahren.
Darum gibt es in den 5 Beitrittsländern auch so überproportional viele Neonazis.
Und unsere Obermutti Merkel, ihres Zeichens FDJ-Irgendwas macht so eine vergurkte Politik.

Toll, nachdem wir uns in Westdeutschland in den Ende 60 er und 70ern endlich der Politiker mit Nazivergangenheit entledigt hatten, kommen nun aus der Sowjetzone ( Sprachgebrauch Westdeutschland für DDR ) wieder diese Leute mit faschistischer Sozialisation.

Tja, so einfach kann Politik sein.

Re: Russland: Braune Revolution

Verfasst: 14 Dez 2011, 12:15
von Gunnar
Was wollen die FDJ Romantiker eigentlich darlegen? Das die DDR doch gar nicht so schlecht war, oder scher ich das jetzt zu sehr über den großen Kamm meiner Ungebildetheit...ach nein, ich bin ein BRD, äh.. Bundesrepublikverklärer.

Diese Diskussion wird mir zu absurd. Vielleicht hatte Schopenhauer in der Eristrischen Dialektik doch recht:
„Die einzig sichere Gegenregel ist daher die, welche schon Aristoteles im letzten Kapitel der Topica gibt: Nicht mit dem Ersten dem Besten zu disputieren; sondern allein mit solchen, die man kennt und von denen man weiß, dass sie Verstand genug besitzen, nicht gar zu Absurdes vorzubringen und dadurch beschämt werden zu müssen; und um mit Gründen zu disputieren und nicht mit Machtsprüchen, und um auf Gründe zu hören und darauf einzugehen, und endlich, dass sie die Wahrheit schätzen, gute Gründe gern hören, auch aus dem Munde des Gegners, und Billigkeit genug haben, um es ertragen zu können Unrecht zu behalten, wenn die Wahrheit auf der anderen Seite liegt. Daraus folgt, dass unter Hundert kaum Einer ist, der es wert ist, dass man mit ihm disputiert.“
http://books.google.de/books?id=X0r4jW2 ... 9C&f=false

Re: Russland: Braune Revolution

Verfasst: 14 Dez 2011, 12:33
von pippie
Weiter unten schreibt Schopenhauer genau da:
"Das disputieren ist als Reibung der Köpfe allerdings oft von gegenseitigem Nutzen, zur Berichtigung der eigenen Gedanken und auch zur Erzeugung neuer Ansichten. Allein beider Disputanten müssen an Gelehrsamkeit und Geist ziemlich gleich stehen. Fehlt es Einem an der ersten, so versteht er nicht Alles, ist nicht au niveau. Fehlt es ihm am zweiten, so wird die dadurch herbeigeführte Erbitterung ihn zu Unredlichkeiten und Kniffen oder zu Grobheiten verleiten."

q.e.d.

Re: Russland: Braune Revolution

Verfasst: 14 Dez 2011, 12:36
von manuchka
bauplan, sag mal bist du so - oder tust du nur so???? Lies doch mal! 1000 mal ist schon gesagt worden, dass nicht die DAHINTERSTEHENDE IDEOLOGIE Thema war, also nicht Faschismus, Sozialismus und sonstwas, sondern die METHODIK, wie diese Ideologie dem Volke nahegebracht und eingeimpft wird.

Ich hab nicht gesagt, dass die Leute in der FDJ faschistisches Gedankengut eingetrichtert bekommen haben.

Ich habe aber gesagt, dass in der DDR die Massenjugendorganisationen (Pionieren, FDJ usw) als Instrument dazu benutzt wurden, die jungen Leute frühzeitig zu erfassen und politisch zu beeinflussen. Und darin, als Instrument und mit der Art und Weise, wie das benutzt wurde, mit der ganzen Symbolik dabei, sind die DDR-Jugendorganisationen mit Massenjugendorganisationen wie der HJ vergleichbar ("vergleichbar" heißt nicht "absolut gleich")

Gunnar, ich war mit einigen deiner vorigen Beiträge einverstanden, aber ich finde den Ton mittlerweile etwas überheblich, wie du über Menschen und deren Vergangenheit sprichst.
"Die DDR war ja gar nicht so schlecht" - nun, so würde ich es überhaupt nicht ausdrücken, aber der Satz "In der DDR war alles nur schlecht" ist auch falsch. Das System war schlecht, aber ich halte es für verkehrt, deshalb ALLES pauschal als schlecht zu bezeichnen, was in diesem Land war und vor sich ging.

pippie, danke für das Zitat, fand ich sehr passend und erbaulich.

Re: Russland: Braune Revolution

Verfasst: 14 Dez 2011, 12:53
von bauplan
Ok, also doch nicht reloaded

Re: Russland: Braune Revolution

Verfasst: 14 Dez 2011, 15:05
von manuchka
Doch reloaded. Und zwar
manuchka hat geschrieben:...als Instrument ..., die jungen Leute frühzeitig zu erfassen und politisch zu beeinflussen. Und darin, als Instrument und mit der Art und Weise, wie das benutzt wurde, mit der ganzen Symbolik dabei, sind die DDR-Jugendorganisationen mit Massenjugendorganisationen wie der HJ vergleichbar ("vergleichbar" heißt nicht "absolut gleich")
So, wie ich es die ganze Zeit schon geschrieben und gemeint habe:
manuchka hat geschrieben:"Reloaded" heißt ja nicht "100% identisch", sondern altes Prinzip neu aufgemacht (mein Verständnis). Plump gesagt: Da Braunhemd, hier Blauhemd, bei beiden Fahnen, Fackeln, Führergruß - bei den einen ging die rechte Hand gestreckt nach vorn, bei den anderen mit der Faust nach oben. (=Symbolik)

... Die Ideologie hinter HJ und FDJ hat sich sicher unterschieden(hab ich hier schon in aller Deutlichkeit gesagt), und so militaristisch wie im 3. Reich war das bei der FDJ auch nicht. Aber so wie die Jugendorganisationen der NSDAP - HJ, BDM usw. - unter Hitler schon die ganz Kleinen erfasst und "auf Linie" gebracht haben, ist das doch mit den Jugendorganisationen in der DDR ähnlich gelaufen. (= Instrument zur Erfassung und politischen Beeinflussung der Jugend:) Jungpionier, Thälmannpionier, FDJ, Partei. Daneben noch Kampfgruppe, Dynamo, Aktivist. Wer nicht zu den Pionieren/FDJ durfte oder wollte, für den war auch das weitere Fortkommen (Abitur, Studium, Berufswahl) stark behindert oder unmöglich. Wer nicht für uns ist, ist gegen uns und bekommt das fett zu spüren... (=Art und Weise der Verwendung des Instruments)
Ich möchte und werde mir nicht anmaßen, die Inhalte und Werte, die da in den Organisationen des 3. Reiches und in den Organisationen der DDR vermittelt worden sind, als reloaded und vergleichbar zu bezeichnen. Davon habe ich nie gesprochen, sondern es ging mir rein um die Methoden und Instrumente, die für die Vermittlung der Inhalte verwendet worden sind. Und die ähneln sich wohl - nicht umsonst, denn - auch das habe ich irgendwo vorher schon gesagt - sie haben ja Erfolg, auch heute noch, wie man bei den Nashi und ähnlichen Gruppen sieht (auch hier wieder nur hinsichtlich der Form, nicht bezüglich des Inhalts!)

Re: Russland: Braune Revolution

Verfasst: 14 Dez 2011, 15:16
von bauplan
Ich versuche ja dich zu verstehen. Darum will ich dir versuchen zu erklären, was ich meine.
Ich halte jeden Vergleich mit den unsäglichen 12 Jahren und seinen Organisationen für nicht angebracht, denn es macht die Verbrechen die unvergleichlich sind kleiner.
Es wird viel zu oft irgendwas mit dem dritten Reich verglichen. Das ist unfair den Opfern gegenüber und unfair den Verbrechen gegenüber.
Mir ist klar, was du meinst, aber jedesmal, wenn jemand versucht irgendwas mit der Zeit zu vergleichen, dann stehen mir die Haare zu Berge.
Darum reagiere ich vielleicht etwas heftiger auf Vergleiche. Auch weil mich Dresdner Neonazis mal für Wochen ins Krankenhaus geschickt haben.

Re: Russland: Braune Revolution

Verfasst: 14 Dez 2011, 15:54
von manuchka
Danke für die Erläuterung deiner Sichtweise.

Ich glaube schon auch, dass die 12 Jahre unter Hitler ein sehr sehr schlimmes Kapitel waren. Auf einer Seite einzigartig, auf deren anderen eben auch wieder nicht. Wenn du Hitler und seinem Regime einen so einzigartigen Stellenwert zuweist, mit dem nichts, nichts vergleichbar ist, dann bedeutet das indirekt, dass dieses Regime das oberste Maß an Grausamkeit ist, was man sich vorstellen kann. Für uns als Deutsche mag das zutreffen, weil es in unserer Geschichte nichts vergleichliches gab, aber global gesehen bin ich schon der Meinung, dass es andere ähnlich schlimme Verbrecher und Verbrechen gegeben hat. Das wertet die Leiden der Hitler-Opfer nicht ab, finde ich, denn einen Anspruch auf "Exklusivität" des eigenen Leidens gibt es nicht. Andere Opfer haben genau so schlimm, manche schlimmer gelitten. Denen zu sagen: Ja aber deine Leiden waren ja nicht so entsetzlich, war ja nicht unter Hitlers Regime, und das ist doch der Top-Richtwert auf der Unrechtsskala, halte ich nicht für richtig. Ich habe inzwischen einiges über die UdSSR der Stalinzeit gelesen und mit Leuten darüber gesprochen - das steht dem Hitlerregime an Grausamkeit in nichts nach, nur hat man dort nicht gezielt eine Volksgruppe verfolgt, sondern viele verschiedene, und einen Vernichtungskrieg nach außen hat es auch nicht gegeben, dafür aber andere, beispiellose Vernichtungsaktionen im eigenen Land. Die KZs waren keine Erfindung Hitlers... aber das ist ein ganz anderes Thema.

Ich wollte mit meinen Aussagen aber nur darauf hinaus, dass völlig verschiedene ideologische Systeme - Nationalsozialismus/Faschismus und Sozialismus/Kommunismus - sich der gleichen Methoden bedienen, und dass sie darin miteinander vergleichbar sind. Eine Wertung sollte das nicht sein.