Daten-Salat hat geschrieben:Die einen sagen ungefähr:
Sich an die geschichtlichen Ereignisse zu erinnern, führt zu nichts Gutem, sondern nur zu unendlichem Fortbestand des Hasses. Außerdem habe ich keine Lust, für etwas zu büßen, was ich nicht getan habe.
Die anderen sagen ungefähr:
Sich an die geschichtlichen Ereignisse zu erinnern, ist unbedingt notwendig um zu verstehen, wie der Nachbar tickt. Nur durch wechselseitiges Besprechen und Verhandeln der Ansichten und Befindlichkeiten können Vorurteile ausgeräumt werden, so dass man einigermaßen friedlich miteinander leben kann. Wer einfach alles vergisst, kann nur nebeneinander her leben, aber nicht miteinander.
Ist das nicht ein klein wenig zu sehr schwarz und weiß gedacht?
Wer hat denn gesagt, dass wir die Vergangenheit "vergessen" sollen? Und was heißt überhaupt "vergessen" in diesem Zusammenhang? Bzw. was ist das Gegenteil von "vergessen"?
Wenn ich jemanden die Hand reiche und sage "Komm, lass uns unseren Streit vergessen", dann verlange ich ja keinen neurochirurgischen Eingriff von ihm, sondern ich will einfach den Streit und die damit verbundenen Anschuldigungen etc. aus unserer Beziehung "streichen" und somit "vergessen".
Ist das Falsch?
Muss ich mich trotzdem jedesmal im Umgang mit diesem Menschen daran erinnern, dass er mich mal beschimpft hat? Das er mir und ich ihm vielleicht Unrecht getan habe? Sollte ich mein Verhalten immer wieder daran ausrichten?
Wenn das Unrecht wirklich nur von einer Seite kam, dann muss man sich in aller Form entschuldigen. Aber wenn die Entschuldigung angenommen wird, dann muss es auch gut sein. Dann sollte man es eben nicht mehr bei allen passenden Gelegenheiten aufs Brot geschmiert bekommen, bzw. selbst als "Stilmittel" verwenden.
Und das gilt erst recht, wenn es Dinge waren, die von den Vätern oder Großvätern getan wurden.
"Each one hopes that if he feeds the crocodile enough, the crocodile will eat him last."
W. Churchill (1940)