Seite 9 von 9

Re: Heute vor 70 Jahren griif Sowjetunion Polen an

Verfasst: 12 Nov 2011, 02:04
von Axel Henrich
domizil hat geschrieben:... und auf die Gefahr hin das ich wieder kritisiert werde ... das eigentliche Thema lautet völlig anders ...
Du hattest gerufen? Nagut, Fussball ist gerade vorbei: Russland -Griechenland 1:1 ... ;)

http://www.forum.aktuell.ru/viewtopic.p ... en#p131425
obwohl dies mit der WTO und Russland absolut nichts zu tun hat ... irgendein verantwortlicher Moderator kann meinen "Senf - Гарчица" ja dann in ein anderes Thema kopieren ...
Und wenn du mir versprichst nicht gram zu sein, erzaehle ich dir bei der naechsten Gelegenheit, was ich immer mal erlebe, wenn ich mal mit dem ÖPNV in die Stadt fahre ...

-ah-

Re: Heute vor 70 Jahren griif Sowjetunion Polen an

Verfasst: 12 Nov 2011, 02:31
von manuchka
Weil es sich grade so schön ergibt, möchte ich als einer der "verantwortlichen Moderatoren" die werte Nutzerschar des Forums höflich darum ersuchen, auch selbst ein wenig drauf zu achten, dass der jeweils abgegebene Senf auch zum servierten Würstchen passt, weil ich mir nämlich auch schöneres vorstellen kann, als meine freie Zeit mit dem Umsortieren des erwähnten Senfes zu verbringen. ;) Dass sich manche Diskussionen einfach aus dem Ruder entwickeln, liegt in der Natur der Sache, aber ein bewusstes "ich schreib mal hier, auch wenn's nicht dazupasst, soll sich doch nachher jemand anders damit herumplagen, wieder einigermaßen Ordnung zu schaffen" finde ich schon bissel ärgerlich, und beim zitierten Ausspruch, den User domizil seinerzeit an anderer Stelle getan hat, musste ich mir ernsthaft auf die Zunge beißen.

Re: Heute vor 70 Jahren griif Sowjetunion Polen an

Verfasst: 12 Nov 2011, 05:51
von Daten-Salat
Meines Erachtens reden hier zwei Gruppen von Beiträgen dauernd aneinander vorbei.

Die einen sagen ungefähr:
Sich an die geschichtlichen Ereignisse zu erinnern, führt zu nichts Gutem, sondern nur zu unendlichem Fortbestand des Hasses. Außerdem habe ich keine Lust, für etwas zu büßen, was ich nicht getan habe.

Die anderen sagen ungefähr:
Sich an die geschichtlichen Ereignisse zu erinnern, ist unbedingt notwendig um zu verstehen, wie der Nachbar tickt. Nur durch wechselseitiges Besprechen und Verhandeln der Ansichten und Befindlichkeiten können Vorurteile ausgeräumt werden, so dass man einigermaßen friedlich miteinander leben kann. Wer einfach alles vergisst, kann nur nebeneinander her leben, aber nicht miteinander.

Ich kann mich an keinen Beitrag in diesem langen Thema erinnern, in dem geschichtliches Erinnern mit dem Zwang zum Tragen des Büßerhemds verbunden worden ist. Aber ganz so simpel, dass man sagen könnte, "Was ich nicht getan habe, geht mich nichts an," ist das wirkliche Leben nicht. Stell Dir vor, Dein bester Freund wohnt im Nachbarhaus. Ihr geht jedes Wochenende ein paar Bierchen trinken. Eines Tages fährt der Vater Deines Freundes Deine Schwester über den Haufen, und diese stirbt. Sagst Du am nächsten Wochenende zu Deinem Freund: "Shayz drauf, lass uns weiter über die Dörfer ziehen." Oder habt Ihr erstmal eine Weile gemeinsame Trauerbewältigung vor Euch, obwohl Ihr beide Euch nichts Böses getan habt?

Der Ausbruch des zweiten Weltkrieges und auch das eigentliche Thema dieses Threads, dass vor 70 Jahren die Sowjetunion Polen angegriffen hat, ist zwar nicht ausschließlich, aber doch ganz wesentlich darauf zurückzuführen, dass die Siegermächte des ersten Weltkriegs - besonders die Amerikaner - keine soliden Kenntnisse der europäischen Geschichte und Geographie gehabt bzw. beachtet hatten. Zwischen den Weltkriegen wurden fast alle europäischen Staaten (außer Großbritannien und in Skandinavien) von faschistischen oder sozialistischen Regimes regiert. Das kam nicht nur vom damaligen 'Zeitgeist', sondern von der Unzufriedenheit der Völker damit, wie die Pariser Vorortverträge (Friedensverträge von Versailles, Saint Germain, Trianon, Sèvres pp.) Europa neu geordnet hatten, ohne auf das Selbstbestimmungsrecht Rücksicht zu nehmen. So herrschte zwischen den Weltkriegen in breiten Kreisen der Bevölkerungen ein Gefühl des Revisionismus, welcher letztlich zu den Angriffshandlungen Deutschlands und der Sowjetunion geführt haben, auch wenn deren Regierungen bekanntlich von viel weitergehenden Absichten getragen wurden.

Weitgehend vergessen ist, dass das seit dem ersten Weltkrieg schwelende Südtirolproblem in den 1960er Jahren um Haaresbreite zu einem Krieg zwischen Österreich und Italien geführt hätte.

Die Geschichte - und das ist weit mehr als bloß die paar Jahre des NS-Unrechts - wird immer erhebliche Auswirkungen auf unseren Alltag haben, ob wir sie nun kennen oder nicht.

Es grüßt Euch:
Armin

Re: Heute vor 70 Jahren griif Sowjetunion Polen an

Verfasst: 12 Nov 2011, 06:00
von Daten-Salat
Hero 1964 hat geschrieben:P.S. man sollte nicht vergessen, dies hier ist ein RusslandForum


[genau]

Und Russland ist so unglaublich groß. Das reicht von Alexander Newski über Peter den Großen und Leo Trotzki bis Gerhard Schröder.

Re: Heute vor 70 Jahren griif Sowjetunion Polen an

Verfasst: 14 Nov 2011, 13:56
von Dietrich
Daten-Salat hat geschrieben:Die einen sagen ungefähr:
Sich an die geschichtlichen Ereignisse zu erinnern, führt zu nichts Gutem, sondern nur zu unendlichem Fortbestand des Hasses. Außerdem habe ich keine Lust, für etwas zu büßen, was ich nicht getan habe.

Die anderen sagen ungefähr:
Sich an die geschichtlichen Ereignisse zu erinnern, ist unbedingt notwendig um zu verstehen, wie der Nachbar tickt. Nur durch wechselseitiges Besprechen und Verhandeln der Ansichten und Befindlichkeiten können Vorurteile ausgeräumt werden, so dass man einigermaßen friedlich miteinander leben kann. Wer einfach alles vergisst, kann nur nebeneinander her leben, aber nicht miteinander.
Ist das nicht ein klein wenig zu sehr schwarz und weiß gedacht?
Wer hat denn gesagt, dass wir die Vergangenheit "vergessen" sollen? Und was heißt überhaupt "vergessen" in diesem Zusammenhang? Bzw. was ist das Gegenteil von "vergessen"?

Wenn ich jemanden die Hand reiche und sage "Komm, lass uns unseren Streit vergessen", dann verlange ich ja keinen neurochirurgischen Eingriff von ihm, sondern ich will einfach den Streit und die damit verbundenen Anschuldigungen etc. aus unserer Beziehung "streichen" und somit "vergessen".
Ist das Falsch?
Muss ich mich trotzdem jedesmal im Umgang mit diesem Menschen daran erinnern, dass er mich mal beschimpft hat? Das er mir und ich ihm vielleicht Unrecht getan habe? Sollte ich mein Verhalten immer wieder daran ausrichten?

Wenn das Unrecht wirklich nur von einer Seite kam, dann muss man sich in aller Form entschuldigen. Aber wenn die Entschuldigung angenommen wird, dann muss es auch gut sein. Dann sollte man es eben nicht mehr bei allen passenden Gelegenheiten aufs Brot geschmiert bekommen, bzw. selbst als "Stilmittel" verwenden.

Und das gilt erst recht, wenn es Dinge waren, die von den Vätern oder Großvätern getan wurden.

Re: Heute vor 70 Jahren griif Sowjetunion Polen an

Verfasst: 17 Nov 2011, 23:03
von Daten-Salat
Hallo Dietrich,

was Du schreibst, ist eigentlich richtig (mit Ausnahme der Frage nach schwarz-weiß. Ich schätze mich eigentlich als sehr differenzierenden Beobachter ein.)

Aber in Deinem vorletzten Satz kommst Du genau auf den Punkt, weswegen ich das Kennenlernen geschichtlicher Zusammenhänge so hoch bewerte:
"Dann sollte man es eben nicht bei allen passenden Gelegenheiten aufs Brot geschmiert bekommen", schreibst Du. Wenn aber eine Seite nicht aufhört zu 'schmieren', obwohl die andere Seite vielfache Entschuldigungen und Entschädigungen rübergebracht hat, wie kämst Du denn dann zu einem gutnachbarlichen Zusammenleben???

Die Nazi-Zeit hat so unendliches Leid übers In- und Ausland gebracht, dass man glaubt, alles und jedes nur aus diesen 12 Jahren erklären zu können, zu sollen und gar zu dürfen. Was vor und nach diesem Fokus geschehen ist, wird kaum beachtet, erst recht nicht in den populären Medien. Es gilt als politisch korrekt, dass das Unrecht nur von einer Seite kam, und daraus erwächst die nachvollziehbare Gegenreaktion unserer jüngeren Generation, damit nichts zu tun haben zu wollen. Friedliches Zusammenleben bekommen wir aber nur, wenn beide Nachbarn "Schwamm drüber" sagen. Wenn osteuropäische Staaten erheblichen politischen Druck ausüben gegen die Errichtung eines Museums, in dem unter anderem Fakten und Leiden der deutschen Heimatvertriebenen, aber nicht nur deren, ausgestellt werden sollen, dann kann ich das beim besten Willen nicht als "Komm, lass uns unseren Streit vergessen" interpretieren.

Natürlich meine ich mit dem Vergessen keinen neurochirurgischen Eingriff, sondern die geistige Haltung der Leute hier und andernorts: "Was geht mich der alte Shayz an; damit hab ich nix am Hut."

Beste Grüße nach Wiesbaden:

Armin


PS:
Wer mehr verstehen möchte, sollte sich zu Weihnachten Literatur über die Jahre 1919 bis ca. 1924 schenken lassen.