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Medwedew stellt Wirtschafts-Chefs vor Wahl

Verfasst: 13 Jul 2011, 12:48
von Admix
Ein meiner Meinung nach lesenswerter Artikel:

http://de.rian.ru/russia/20110713/259750057.html
Bei einem Treffen mit russischen Großunternehmern am Montag hat Präsident Dmitri Medwedew diese aufgefordert, zwischen zwei Entwicklungsszenarien für Russland und eventuell zwischen den beiden Präsidentschaftskandidaten zu wählen, berichtet die Tageszeitung "Wedomosti" am Mittwoch.

Re: Medwedew stellt Wirtschafts-Chefs vor Wahl

Verfasst: 13 Jul 2011, 14:20
von Mista
rian.ru:
Medwedew: „Vor 21 Jahren hat sich Russland erstmals laut zu den Prinzipien der Demokratie, zu den Vorteilen der Menschen- und Bürgerrechte und zu dem Recht jedes Einzelnen auf eine freie Entwicklung und auf ein würdiges Leben bekannt.“

N24.de:
"Kremlchef Dmitri Medwedew hat Demokratiedefizite in Russland eingeräumt."


Zitate aus dem o.g. Artikel
die teilnehmenden Unternehmer über das, was beim Treffen so alles erzählt wurde
(eigentlich nichts neues, meine ich übrigens):

- Wie es sich weiter entwickeln wird, hänge von zwei Menschen ab – von ihm selbst und von Wladimir Putin (oh gut, dass das mal geklärt ist, sonst könnte man fast meinen, die meinen es ernst mit diesem Demokratiegequatsche)

- Sollten wir selbst die Entwicklung unseres Landes nicht ändern, mahnte Medwedew die Unternehmer, so wird jemand anderer dies für uns tun (ohne den bösen Onkel kommt man natürlich nicht zu recht...)

- Sonst hätte man Putin unverzüglich informiert, Medwedew setze sich ihm entgegen (Gott bewahre, sowas...)

- die Sprächerin von Medwedew: Der Präsident sei sich dessen bewusst, dass die Wirtschaft auf ein Signal wartet und habe die Unternehmer deshalb beruhigt: Es gebe einen Kurs, der fortgesetzt werden könnte (super! was ist man erleichtert, es wird sich wohl nichts ändern)

- Wenn die Menschen, die die Produktion von 40 Prozent des BIP kontrollieren, entscheiden, ..., werden sie das ihren Beschäftigten und den Einwohnern der Städte zu verstehen geben (na klar, wie sollen die Beschäftigten und die Einwohner sonst wissen, wen sie wählen sollen?)


Deutsche Welle:
"Medwedew will mehr Demokratie wagen"
Ich:
Was?? NOCH mehr?...

Re: Medwedew stellt Wirtschafts-Chefs vor Wahl

Verfasst: 14 Jul 2011, 23:21
von andreask020361
mein bauchgefühl sagt mir ,der nächste Präsident wird wieder Herr Putin ,wahrscheinlich deswegen schon im Vorfeld die auszeichnung in Berlin (versteht sowieso keiner ), Persöhnlich würde ich einen richtigen Wahlkampf zwischen M und P sehen wollen. Wo sich die russen mal richtig entscheiden können .

Re: Medwedew stellt Wirtschafts-Chefs vor Wahl

Verfasst: 15 Jul 2011, 10:53
von Dietrich
andreask020361 hat geschrieben:wahrscheinlich deswegen schon im Vorfeld die auszeichnung in Berlin (versteht sowieso keiner )
Zu dem Preis:
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/ ... ein_preis/

Re: Medwedew stellt Wirtschafts-Chefs vor Wahl

Verfasst: 15 Jul 2011, 11:16
von bella_b33
Mista hat geschrieben:na klar, wie sollen die Beschäftigten und die Einwohner sonst wissen, wen sie wählen sollen?
Was denn, bekommt man das etwa nichtmehr gesagt? Wenn bei uns der Präsi der Republik oder der Bürgermeister gewählt wird, dann bekommt man wohl immer einen "heissen Tip" :lol:

Re: Medwedew stellt Wirtschafts-Chefs vor Wahl

Verfasst: 15 Jul 2011, 11:39
von bauplan
Dietrich hat geschrieben: Zu dem Preis:
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/ ... ein_preis/
Zu dem Artikel:

Es ist wirklich schon merkwürdig. Aber man muss nur oft genug die gleichen Phrasen verbreiten, dann werden sie Allgemeingut.

Zitat:
„Putin ist der wohl mächtigste Mann in Russland, zurzeit bekleidet er aber, aus verfassungsrechtlichen Gründen, offiziell nur das Amt des Premierministers.“

Das ist doch eine beliebte Dauerdarstellung der Journalisten.
Jahre vor der Medwedewwahl wurde spekuliert, dass Putin die Verfassung ändert um ewig Präsident zu sein.
Nichts passierte.
Als Medwedew gewählt wurde, schrieben alle, nach einem Jahr tritt die Marionette Medwedew zurück, damit Putin wieder Präsident wird.
Nichts passierte.

Zitat:
„Putin war Geheimdienstler“

Ein beliebtes Todschlagargument.
Warum wird der Zusammenhang George H. Bush und Direktor des CIA nie hervorgehoben?


Zitat:
„Ist damit vielleicht das Wort des Altkanzlers Schröder vom lupenreinen Demokraten Putin gemeint?“

Schröder hat nie gesagt, dass Putin ein lupenreiner Demokrat ist. Vielmehr lief das Interview so ab, dass im Jahre 2004, Schröder war Kanzler, Putin Präsident, in der ARD-Sendung "Beckmann" die wenig kritisierte Frage des Moderators, ob Putin "ein lupenreiner Demokrat sei", von Schröder bejaht wurde mit dem Zusatz, er sei sicher, daß Putin Rußland "zu einer ordentlichen Demokratie machen will und machen wird". Das Land habe 75 Jahre kommunistischer Herrschaft hinter sich sowie zehn Jahre, in denen alle Staatlichkeit zerfallen sei. "Putin schafft es jetzt, den Staat wieder in seine Funktion zu setzen." Es sei klar, "daß dabei nicht alles idealtypisch laufe".

Auf die damalige Stellung von Schröder und auf das Jahr 2004 bezogen eine richtige Antwort.

Was hätte er sonst sagen können, wenn eine derart merkwürdige Frage gestellt wird.
Auch wenn nach Bush so gefragt worden wäre hätte er „ja“ sagen müssen. Es sind immerhin Staatsmänner, mit denen man diplomatischen Kontakt hat und die Einschränkung von Schröder finde ich schon hart an der diplomatischen Grenze.


Zitat:
„Wie Putin mit Minderheiten umzugehen versteht, veranschaulichen seine Feldzüge im Nordkaukasus, und wie er zur Opposition in Moskau steht, kann man am Fall des kremlkritischen Unternehmers Chodorkowski studieren.“

Mit Tschetschenien hat sich Russland Probleme ans Bein gebunden, die so nicht nötig waren. Aber es dürfte wohl zu vereinfacht sein, alles nur Putin in die Schuhe zu schieben. Dazu ist das Problem zu komplex und zu viele, auch ausserrussische Interessen stecken da mit drin.
Und wäre nicht die Alternative ein extrem islamischer Staat vor Europas Haustür, gegen den die Taliban noch Waisenkinder gewesen wären?

Zu Chodorkowski nur eines:
1990 nutzte Chodorkowski seine Handelsgewinne zur Gründung der Menatep-Bank.
Ein CIA Report von 1995 bezeichnete die Menatep-Bank als eine der korruptesten der Welt, mit engen Verbindungen zur organisierten Kriminalität. Für US-Banken waren geschäftliche Kontakte mit der Bank untersagt.

Das soll hier kein Plädoyer dafür sein, dass Putin den Preis bekommt. Ich bin im Allgemeinen gegen solche Preise, aber wenn Obama den Friedensnobelpreis bekommt, Chodorkowski einen Menschenrechtspreis, wo ist dann das Problem mit Putin.

Re: Medwedew stellt Wirtschafts-Chefs vor Wahl

Verfasst: 15 Jul 2011, 12:18
von Nikolaus
Du hast voellig recht, Bauplan: Ein selten dummer Artikel, von einem, der die Fakten nicht kennt oder nicht kennen will, und einen genauso bornierten Leserkreis anspricht ... :)

Re: Medwedew stellt Wirtschafts-Chefs vor Wahl

Verfasst: 15 Jul 2011, 14:56
von Dietrich
bauplan hat geschrieben: Zitat:
„Putin ist der wohl mächtigste Mann in Russland, zurzeit bekleidet er aber, aus verfassungsrechtlichen Gründen, offiziell nur das Amt des Premierministers.“
Das ist doch eine beliebte Dauerdarstellung der Journalisten.
Was ist daran "falsch"?
Putin kann mit der aktuellen Verfassung im Moment nicht Präsident sein. Richtig?
Putin zieht im Hintergrund die Fäden. Willst du das bestreiten?
bauplan hat geschrieben:Jahre vor der Medwedewwahl wurde spekuliert, dass Putin die Verfassung ändert um ewig Präsident zu sein.
Nichts passierte.
Als Medwedew gewählt wurde, schrieben alle, nach einem Jahr tritt die Marionette Medwedew zurück, damit Putin wieder Präsident wird.
Nichts passierte.
Und? Hat wohl jemand falsch spekuliert... was hat das mit den obigen Aussagen zu tun?
Das eine ist eine Spekulation auf die Zukunft. - Beide falsch -
Das andere eine Beschreibung des IST-Zustandes. Was daran stimmt nicht?
bauplan hat geschrieben:Zitat:
„Putin war Geheimdienstler“
Ein beliebtes Todschlagargument.
Warum wird der Zusammenhang George H. Bush und Direktor des CIA nie hervorgehoben?
Weil es vielleicht Unterschiede zwischen CIA-Direktoren und im Ausland tätigen FSB-Agenten gibt?
Weil der CIA "dem Westen" i.A. nie feindlich gegenüberstand?
bauplan hat geschrieben:Zitat:
„Ist damit vielleicht das Wort des Altkanzlers Schröder vom lupenreinen Demokraten Putin gemeint?“
[....] Auf die damalige Stellung von Schröder und auf das Jahr 2004 bezogen eine richtige Antwort.
Vielleicht.... aber mit dem Wissen, was Herr Schröder heute so macht, hat das ganze eben "ein Gschmäckle"...
bauplan hat geschrieben:„Wie Putin mit Minderheiten umzugehen versteht, veranschaulichen seine Feldzüge im Nordkaukasus, und wie er zur Opposition in Moskau steht, kann man am Fall des kremlkritischen Unternehmers Chodorkowski studieren.“
Mit Tschetschenien hat sich Russland Probleme ans Bein gebunden, die so nicht nötig waren. Aber es dürfte wohl zu vereinfacht sein, alles nur Putin in die Schuhe zu schieben. Dazu ist das Problem zu komplex und zu viele, auch ausserrussische Interessen stecken da mit drin.
Und wäre nicht die Alternative ein extrem islamischer Staat vor Europas Haustür, gegen den die Taliban noch Waisenkinder gewesen wären?
Zum Thema Guantanamo hättest du wahrscheinlich eine weniger relativierende Ansicht....

Und zum Thema Chodorkowski wurde hier im Forum (auch von meiner Seite) schon genug gesagt....

Re: Medwedew stellt Wirtschafts-Chefs vor Wahl

Verfasst: 15 Jul 2011, 15:16
von bauplan
Dietrich hat geschrieben:
Putin zieht im Hintergrund die Fäden. Willst du das bestreiten?
Da ich kein interner Kremlmitarbeiter bin, kann ich das weder bestreiten noch befürworten. Beweise habe ich wenigstens für beide Aussagen nie zu Gesicht bekommen. Immer nur Gerüchte, Vermutungen etc.

Dietrich hat geschrieben: Und? Hat wohl jemand falsch spekuliert... was hat das mit den obigen Aussagen zu tun?
Das eine ist eine Spekulation auf die Zukunft. - Beide falsch -
Das andere eine Beschreibung des IST-Zustandes. Was daran stimmt nicht?
Weil damals alle Gerüchte, Vermutungen etc. falsch waren, sehe ich nicht, warum die Beschreibung des IST-Zustandes seriöser sein soll.
Dietrich hat geschrieben: Weil es vielleicht Unterschiede zwischen CIA-Direktoren und im Ausland tätigen FSB-Agenten gibt?
Weil der CIA "dem Westen" i.A. nie feindlich gegenüberstand?
Richtig, ein Chef ist bedeutend mehr als ein im Ausland tätiger Agent. Und ich denke, die Unterschiede zwischen CIA und KGB sind nicht so sonderlich was Rechststaatlichkeit, Demokratieverständnis u.A. angeht.


Dietrich hat geschrieben: Vielleicht.... aber mit dem Wissen, was Herr Schröder heute so macht, hat das ganze eben "ein Gschmäckle"...
Wichtig ist doch, dass Schröder was in den Mund gelegt wird, was so nicht stimmt.
Dietrich hat geschrieben:Zum Thema Guantanamo hättest du wahrscheinlich eine weniger relativierende Ansicht....
Guantanamo ist ein Kriegsverbrechen, genauso wie von der russischen Armee Kriegsverbrechen verübt wurden. Nur das Russland den Internationalen Gerichtshof anerkannt hat, während Terrorstaaten, wie Libyen, Nordkorea und die USA den nicht anerkannt haben.
Also Könnten Russen verurteilt werden, Amis aber nicht.
Dietrich hat geschrieben: Und zum Thema Chodorkowski wurde hier im Forum (auch von meiner Seite) schon genug gesagt....
Darum hatte ich mich auch kurz gehalten und nur den CIA-(der dem Westen nie feindlich gegenüberstand)Bericht zitiert.

Re: Medwedew stellt Wirtschafts-Chefs vor Wahl

Verfasst: 15 Jul 2011, 16:19
von Mista
Aus dem Artikel:
"Putin einen Preis zu geben, der sich der Symbolik der Quadriga bedient und auch noch an unserem Nationalfeiertag überreicht werden soll, ist ein Verstoß gegen die Grundsätze der deutschen Wiedervereinigung, bei der es nicht zuletzt um Freiheit und Bürgerrechte ging, um das Recht auf die Bürgergesellschaft."

Absolut einverstanden.
Nikolaus hat geschrieben:Ein selten dummer Artikel, von einem, der die Fakten nicht kennt oder nicht kennen will, und einen genauso bornierten Leserkreis anspricht ...
Welche Fakten meinst du denn?


Synonyme für "borniert":
beschränkt, engstirnig, intolerant, unbelehrbar, unverbesserlich, verbohrt (DWDS, 2011)


Du bist ja ein netter...