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привет

Verfasst: 11 Sep 2024, 14:33
von Wladimir1
Hallo in die Runde,

ich habe mich vor einiger Zeit hier angemeldet und jetzt möchte ich mich vorstellen. Ich bin ein sogenannter "Russlanddeutscher",
lebe aber schon seit über 40 Jahren in Deutschland, zuerst in West- und jetzt in Ostdeutschland. In der Sowjetunion wurde ich tatsächlich wie mein Nick Wladimir genannt, in Deutschhland heiße ich Waldemar.

Insgesmt lebte ich zehn Jahre in der UdSSR, die ersten vier Jahre in Kasachstan und dann sechs Jahre an verschiedenen Orten in Russland. Den Aufenthalt dort empfand ich als nicht so übel, eigetlich hatte ich eine glückliche Kinderzeit.

Nach dem Umzug in die BRD und nachdem alle meine Verwandten nachkamen sowie den Horrorgeschichten der 90er Jahre verlor ich das Interesse an Russland. Seitdem war ich leider auch nie wieder dort.

Vor zwei Jahren begann dann der Krieg in der Ukraine, es kamen viele Flüchtlinge nach Deutschland und ich wurde von meiner Vergangenheit wieder eingeholt.

Plötzlich wurde ich ständig von irgendwelchen Leuten in den öffentlichen Verkehrsmitteln und auf der Strasse, teilweise auch richtig schäbig angeschaut und es gab auch einige ganz komische Situationen.

Ich habe ein slawisches Aussehen, hatte aber bis 2022 keine Probleme damit und auch nie so richtig Gedanken darüber gemacht. Paarmal wurde ich von anderen Leuten gefragt ob ich Pole oder Russe wäre.

Deshalb fing ich dann an meine Vergangenheit unter die Lupe zu nehmen und so kam das Interesse für Russland wieder.

Der aktuelle Stand meiner Nachforschungen hat ergeben, das ich weder ukrainische noch russische Vorfahren habe, sondern wahrscheinlich ein Mix aus Germanen und polnischen Slawen bin. Ein Teil meiner Vorfahren ist schon mit dem slawischen Aussehen in Russland eigewandert.

Ich habe dann auch einige der Leute angesprochen, die mich so blöd angeglotzt haben, es waren Ukrainer die dachten das ich Russe wäre. Sie haben sich dann bei mir entschuldigt und es kam auch noch ein gutes Gespräch zustande. Das Problem ist, ich wohne im Speckgürtel von Berlin und bin dort täglich unterwegs. In dieser Gegend leben mittlerweile wahrscheinlich ca, 150.000
Ukrainer.

Das Ganze geht mir auf die Nerven, es ist echt nicht schön von anderen Leuten schlecht oder hasserfüllt angeschaut zu werden, vor allem habe ich mit dem Krieg in der Ukraine nichts am Hut.

Was ich bei meinen Recherchen und Nachforschungen festgestellt habe, Russland ist wirklich ein sehr schönes Land. Wenn der Krieg vorbei ist möchte ich definitiv dort hinreisen. Interessant finde ich auch die Immobilien- und Grundstückspreise, im Vergleich zu Deutschland geradezu ein Schnäppchen. Ich spreche noch ein gutes Russisch, lesen funktioniert auch noch im Schneckentempo, Schreiben kann ich gar nicht mehr.

Ich hoffe der Text ist jetzt nicht zu lang geworden :)

Re: привет

Verfasst: 11 Sep 2024, 16:55
von Norbert
Herzlich willkommen. Ich habe eigentlich - auch mit (freiwillig angenommenem) russischem Pass - bislang wenig Probleme in Deutschland beobachtet. Auch nicht mit Ukrainern. Ich kann reinen Herzens allen gegenüber sagen, dass ich den Krieg eine humanitäre Katastrophe finde und hoffe, dass er so schnell wie möglich endet - und darauf kann man sich als gemeinsame Basis mit fast jedem einigen, egal mit welcher Seite im Konflikt derjenige mehr sympathisiert. Und wenn man diesen gemeinsamen Nenner erst einmal betont und gefunden hat, dann hat man auch eine Basis, noch vorsichtig in die Details zu gehen, wenn man wünscht.

Re: привет

Verfasst: 11 Sep 2024, 17:23
von bella_b33
Willkommen Waldemar!
Ich kann Deine Lage ein Stück weit verstehen.
Wir(besser meine Frau) hatten auch schon dämliche Sprüche beim Einkaufen von 2 Ukrainerinnen bekommen.

Re: привет

Verfasst: 11 Sep 2024, 18:12
von Norbert
Ich frage mich da immer: Wer kann denn russischsprechende Ukrainer von Russen wirklich unterscheiden?! Also hier in Dresden sprechen nahezu alle Flüchtlinge ebenso Russisch, sagen halt Бешамель statt Лапша - aber wer rennt denn laut schreiend "Nudeln! Nudeln!" durch die Stadt?!

In einem russischsprachigen Chat für Kultur in Dresden tummeln sich Ukrainer wie Russen. Bis auf eine schnippische Diskussion vor einem Monat, ob die Einladung zu einer "Disco mit den besten russischen Hits" zeitgemäß ist oder nicht, auch da alles ganz friedlich.

Re: привет

Verfasst: 11 Sep 2024, 19:11
von Wladimir30
Ich frage mich da immer: Wer kann denn russischsprechende Ukrainer von Russen wirklich unterscheiden?
Es gibt in der Aussprache Unterschiede. Zum Beispiel, wenn man Selenskij in seinen früheren Sendungen hört, dann spricht er Russisch, aber man hört eben, dass er kein Russe ist. Auch kein Südrusse, die ja auch das berühmteste Beispiel, den Laut [g], eben nicht als [g] aussprechen, sondern anders (schlecht zu beschreiben, höchstens wenn man sich anhört, wie auch Russen das Wort "Бог" aussprechen, sie eine Mischung aus /g/ und /h/).

Es ist also nicht (nur) die Wortwahl, sondern die Aussprache.

Re: привет

Verfasst: 11 Sep 2024, 19:14
von Wladimir30
Ansonsten natürlich auch von mir ein Herzlich Willkommen. Sozusagen Wladimir30 grüßt Wladimir1.

Sehr interessant, was Du da erzählst, und sehr vieles kommt mir bekannt vor. Blöd, zuweilen so zwischen den Stühlen zu sitzen.

Re: привет

Verfasst: 11 Sep 2024, 23:26
von Axel Henrich
Wladimir1 hat geschrieben: 11 Sep 2024, 14:33Ich hoffe der Text ist jetzt nicht zu lang geworden :)
Наоборот ..., gerne mehr von deinen Eindrücken/Empfindungen, ich finde das immer interessant und vergleiche! ;)

Was ich auch noch interessant fand:
Ich habe ein slawisches Aussehen
Was verstehst du darunter, Symmetrie, hohe Wangenknochen, oder wo machst du das fest?

Also ich denke, ich erkenne Russen/Ukrainer auch ziemlich sicher, aber das ist dann eher Klamottentechnisch, Umhängetasche bei den Männern, Kinder (Frauen sowieso) gut angezogen, gerne Mützen, diese Arroganz bei den Frauen, die bei den Ukrainerinnen nochmal um einiges heftiger ist, als bei Russinnen (IMHO), naja und wie Wladimir schon sagte, definitiv am Dialekt und da ist das что/шо noch das einfachste. ich liebe z.B. diesen u.a. grusinischen Dialekt, dieses abgehackte, diese gewisse Sprechmelodie, Betonung und diese o, a Sache :lol: , also o geschrieben, das 1. O im russischen aber a gesprochen und die sprechen das eben wie geschrieben ... ;)
Also da gibt es schon typische optische Merkmale, aber typisch slawisch?

Mit den Vornamen kenne ich auch so, Wladimir/Waldemar, Iwan/Johann etc. ...
Woher kommt diese "Tradition" eigentlich? Ich kenne viele im direkten Umfeld, Männer über 60, die sich bei der großen Einreisewelle damals auch für einen neuen Namen entschieden haben ... traue mich immer nicht, da direkt nachzufragen ... :?

-ah-

Re: привет

Verfasst: 12 Sep 2024, 07:00
von Wladimir30
Axel Henrich hat geschrieben: 11 Sep 2024, 23:26 Wladimir/Waldemar, Iwan/Johann etc. ...
Woher kommt diese "Tradition" eigentlich?
Das ist keine Tradition, das ist die jeweils sprachtypische Variante desselben Namens. Wladimir und Waldemar sind historisch dieselben Namen, vergleichbar wie Jacque und Jakob. Genauso Iwan und Johann.

Re: привет

Verfasst: 12 Sep 2024, 10:07
von paramecium
Wladimir30 hat geschrieben: 12 Sep 2024, 07:00
Axel Henrich hat geschrieben: 11 Sep 2024, 23:26 Wladimir/Waldemar, Iwan/Johann etc. ...
Woher kommt diese "Tradition" eigentlich?
Das ist keine Tradition, das ist die jeweils sprachtypische Variante desselben Namens. Wladimir und Waldemar sind historisch dieselben Namen, vergleichbar wie Jacque und Jakob. Genauso Iwan und Johann.
Naja, ob Wladimir und Waldemar einen gemeinsamen Ursprung haben ist umstritten. Als deutsche Variante gibt es da auch noch den nicht mehr gängigen Namen Herfried.

Ich glaube aber was Axel meinte ist: Warum ist es insbesondere bei Aussiedler üblich die deutsche Form ihres russischen Namens anzunehmen, während es bei Griechen, Franzosen, Italienern, Amerikanern usw. nie (oder nur selten) der Fall ist? Ich hab darauf keine Antwort bzw. habe nur Vermutungen.

Re: привет

Verfasst: 12 Sep 2024, 10:59
von Wladimir1
Norbert hat geschrieben: 11 Sep 2024, 18:12 Ich frage mich da immer: Wer kann denn russischsprechende Ukrainer von Russen wirklich unterscheiden?! Also hier in Dresden sprechen nahezu alle Flüchtlinge ebenso Russisch, sagen halt Бешамель statt Лапша - aber wer rennt denn laut schreiend "Nudeln! Nudeln!" durch die Stadt?!

In einem russischsprachigen Chat für Kultur in Dresden tummeln sich Ukrainer wie Russen. Bis auf eine schnippische Diskussion vor einem Monat, ob die Einladung zu einer "Disco mit den besten russischen Hits" zeitgemäß ist oder nicht, auch da alles ganz friedlich.



Большое спасибо за дружеский прием на этом форуме!

Manchen Leuten genügt ein Blick und ich lande dann sofort in einer Schublade, andere wiederum überlegen eine Weile wo sie mich unterbringen können und der dritten Gruppe falle ich gar nicht auf.

Ich begegne auch oft Gesichtstypen, die ich von früher gar nicht kenne aber anscheinend ist mein Phenotyp diesen Personen sehr gut vertraut.

Meistens merke ich das an den Reaktionen, zB Überraschung, Verblüffung, Verdrehen der Augen, Mundwinkel hochziehen, Ruckartiges
drehen des Kopfes.

Es ist ja nicht so das ich nur negative Blicke bekomme, manchmal schauen mich Leute auch sehr freundlich an, teilweise auch mit leuchtenden Augen :) Das sind höchstwahrscheinlich Russen.

Mir ist schon klar, das aktuell von allen Seiten sehr viel Propaganda betrieben wird und das macht die Leute richtig verrückt.