Nikolaus hat geschrieben:Man muss eben das Urteil der Experten akzeptieren. [...] Es ist auch sicherlich bitter fuer die Polen, dass vielleicht doch die Russen keine Mitschuld trifft.
Das Urteil der Experten ist wohl das Einzige worauf man sich verlassen kann! Den normalen Medien geht es um Schlagzeilen ... Ich fand den Морозов ьом
МАК (Информация председателя технической комиссии) absolut ueberzeugend. Auf Fragen hat der frei geantwortet, ohne irgendwo nachzulesen, der stand voll im Thema. Bei Fragen zur eigenen Meinung hat er sich, natuerlich auch seine Chefin, absolut zurueckgehalten - sinngemaess: "wir praesentieren hier Fakten". Zur objektiven Meinungsbildung ist IMHO alles andere ungeeignet.
Nagut, dass die Polen nicht ganz doof da stehen moechten, kann ich auch irgendwo verstehen, sind ja auch einige "Groessen" umgekommen ... Ist schon tragisch, aber die Faktenlage ist ziemlich erdrueckend, da klammert man sich an jeden Strohhalm - bemueht Feindbilder und stochert in Sekunden ...
Nikolaus hat geschrieben:Ich bin wirklich gespannt, zu welchen Resultaten die eigenstaendige polnische Untersuchung des Unfalls kommen wird. Ich kann nur sagen: Arme Piloten und arme Dispatcher...
Die Untersuchungen liefen wohl gemeinsam ab (So nach dem Motto: abends gemeinsam verschlossen und versiegelt und morgens gemeinsam wieder geoeffnet), nur wird wohl jede Kommission eigenstaendige Bewertungen bilden.
Das einzige was die Polen ausschliesslich allein ausgewertet haben und in Ausschnitten den Russen zur Verfuegung gestellt haben, waren die Mitschnitte aus dem "Passagierbereich" -irgendwie auch verstaendlich (Sicherheit,Geheimhaltung, Persoenliches etc ...)
Wenn man die Meldungen auf der Site des
МАК verlofgt - ueber:
Информация auf
Новости klicken, kann man verfolgen, wann die Russen den Bericht an die Polen uebergeben haben. Dann wollten die Polen noch einige Aenderungen eingearbeitet haben, die wohl von den Russen nur z.T. uebernommen worden sind. Wer weiß wie lange und aus welchen Gruenden die Polen die Veroeffentlichung schon hinauszoegerten, so dass die Russen irgendwann dann einfach gehandelt haben. Морозов hat aber klar gesagt, dass in der PK zwar aus Zeitgruenden nicht alles gezeigt und gesagt wurde, der komplette Bericht aber in polnisch und englisch uebergeben werde.
Die "armen Dispatcher" sind wohl aussen vor. Die haben im Prinzip die selben techn. Hilfsmittel zur Verfuegung gehabt wie die Crew an Bord. Der Radar, den die Lotsen zur Verfuegung haben, kann die ploetzliche Erhoehung der Sinkrate im Endanflug technisch nicht aufloesen. Wurde in der PK auch erlaeutert. Eine Landeerlaubniss wurde nicht erteilt, nach entgegengesetzter Entscheidung der Crew muss er ihn aber runtersprechen ... und das mit den Mitteln die ihm zur Verfuegung stehen. Die mobilen Landeanflughilfen, die es bei diesem Wetter bedarf und die fuer Putin 2 Wochen vorher fuer drei Tage angekarrt wurden, waren bereits wieder abgebaut, weggefahren und "eingemottet". Zur Erinnerung, eine Einladung lag nicht vor, sonst haette man die techn Hilfsmittel ja stehen lassen (muessen).
Arme Dispatcher insofern, dass da nicht Axelchen mit seinem Teebeutel landen wollte

, sondern eine "komplette" Regierung eines Landes mit dem man nicht unbedingt gruen ist und schon aus diesem Grunde wahrscheinlich sehr daran interessiert war, dass genau das, was dann leider doch eingetreten ist, nicht passiert. Das allein wird die Jungs schon ziemlich ins Schwitzen gebracht haben, dazu die Situation, dass man Jemanden (der entgegen aller Vernunft) in sein Unglueck rennen sieht, ohne effektiv was dagegen machen zu koennen.
Tja und was da im Cockpit abging, ist schon recht seltsam gewesen. Ich bin eigentlich erstaunt, dass die in der Oeffentlichkeit irgendwie voellig "aussen vor" sind . Da wird sich irgendwie auf die 0,6% von Blasik eingeschossen, obwohl das doch eigentlich der Grundwasserspiegel eines langgedienten Armeeangehoerigen ist ...
Mal ernsthaft, es gab Zeiten, da durfte man hochoffiziell mit 0,6 noch Auto fahren. Wenn man sich den Blasik mal anschaut, dann hat der gut 90 kg, er hat also irgendwas um 2 Bier, nen halben Liter Wein, oder was vlt. wahrscheinlicher ist, 2, oder 3 x 40 gr. getrunken. Ich denke mal bei dessen Kondition war der voll "einsatzfaehig", zumal er ja nicht selber geflogen ist. Auch in der PK wurden diese Fakten (0,6% und Aufenthalt im Cockpit) zeitlich sehr weit getrennt aufgefuehrt ...
Ok, von Ihm ging offensichtlich der Druck aus (vlt. auch in Verlaengerung des kleinen Zwillingarmes), aber wenn man alles in Betracht zieht, was die Piloten dort an Fehler angehaeuft haben, dann war das ein klarer CFIT, also ein kontrollierter Flug ins Terrain - Ausdruck wird fuer Flugunfaelle benutzt, wo eigentlich ein techn. voellig intakter Flieger unsanft den Boden beruehrt. Wenn man den Blasik noch mit dazu nimmt, koennte man noch ein
command davor setzen.
Zu aller erst ist wohl festzustellen, dass die Besatzung offensichtlich nicht ueber die Art des Anfluges gesprochen haben und somit auch keine Aufgabenverteilung abgesprochen wurde.
Wie in der PK gezeigt, wurde der Landeanflug aus zu grosser Hoehe, mit einer zu hohen Sinkgeschwindigkeit begonnen. Ohne sich durch Foren und Blogs wuehlen zu muessen, findet man hier in gesammelter Form die
Bilder und Grafiken zum Unfall.
Weiters war der Autopilot auch noch unterhalb des MDA (Mindestanflughoehe) aktiv. Die haetten also schon manuell fliegen muessen, damit Sie bei Boden-Sichtkontakt schneller reagieren koennen.
Sie flogen mit Radarhoehenmesser, anstatt Barometrisch. Nur mal kurz zur Erklaerung ... Barometrisch meint, du fragst - uebrigens mit jedem Fluggeraet - ab 5000 Fuß beim jeweiligen Tower den aktuellen Luftdruck ab und stellst den Hoehenmesser darauf ein. Nun gehen bei Hoehenangaben beide Seiten - Tower und Crew - von der selben Basis aus. Der wurde auch abgefragt, genannt und bestaetigt, aber irgendwer hatte den irgendwann wieder auf Radar eingestellt. Auf Fragen sagte Морозов nur, dass nicht mehr vollends geklaert werden kann wer umgestellt hat, aber auf Grund der Sitzposition und Aufgabenverteilung ist die Auswahl sehr begrenzt ...
Wie auch in der PK gezeigt wurde, war das TAWS (Terrain Awareness and Warning System) nach ein paar mal "TERRAIN AHEAD" und lautem Hupen abgeschaltet. Daran haengen aber noch ein paar Fakten, auf die man sich allerdings nicht verlassen konnte, denn die Platzdaten von diesem Flugplatz sind nicht offz. verfuegbar, waren also auch nicht im System des Flugzeuges eingepflegt. Da die Piloten das wissen, wurden einige Warnungen absichtlich ignoriert...
Wenn man sich die Bilder anschaut sieht man eine Senke kurz vor dem Aufschlag. Der Radarhoehenmesser hatte also diese Senke ausgemessen, obwohl Sie eigentlich schon auf Horizont waren ... Die Senke war ca. 600m breit, der Flieger hat eine Landegeschwindigkeit von knapp 400 ... Am Rand der Senke meldete der Radarhoehenmesser ploetzlich sehr schnell "Bodengweinn" und auch das TAWS schaltete sich automatisch wieder ein, diesmal allerdings schon mit pull up ... Sie hatten keine Chance und daran war Blasik nun wirklich nur noch indirekt Schuld.
Wenn man die Gespraeche im Cockpit verfolgt, waren die voellig unbedarft und jeder hat da mal irgendwo rumgeschaltet, rumgequatscht, hin- und her ueberlegt, Sprit berechnet, etc. und als es dann richtig eng wurde, konnte kein Mensch mehr diese Informationsflut verarbeiten.
Fuer eine Crew in dieser Position, mit dieser Ausbildung schon heftig und man kann nur hoffen, dass sich Verantwortliche in aehnlicher Situation an Smolensk erinnern.
-ah-