Staatsgrenze Russland–Europäische Gemeinschaft

Ausrichterstadt der Fußballweltmeisterschaft 2018
domizil
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Re: Staatsgrenze Russland–Europäische Gemeinschaft

Beitrag von domizil »

"Verdeckte Ermittler" an der Grenze

Polnische Korrespondenten haben sich, getarnt in die Schlange zur Grenzabfertigung gestellt. Wartezeit sieben Stunden. Der Grenzübertritt Polen-Kaliningrad dauerte 40 Minuten, umgekehrt wurden die „verdeckten Ermittler“ an einer Tankstelle informiert, dass sie vier bis fünf Stunden warten müssten. Es wurden sieben Stunden. Wie die Journalisten bemerkten, ist das System des „Warten“ oder besser „Nicht Warten“ bis zur Perfektion organisiert – ähnlich wie Mitte der 90-er Jahre. Es findet eine Aufgabenteilung zwischen den Polen statt. Polen besetzen mit ihren Autos einen oder mehrere Punkt, gestaffelt in der Schlange und bewegen sich im Tempo der Abfertigung nach vorne. Kommt ein anderer Pole, der Benzin nach Polen schmuggelt, wird ihm dieser Platz überlassen und er kommt schneller über die Grenze und auch schneller wieder zurück um eine neue Tankfüllung abzuholen. Für normale Reisende keine Chance für einen stressfreien und schnellen Grenzübertritt. Mitte der 90-er Jahre konnte man einen Platz in der Schlange kaufen – 50 – 150 USD und man war schneller über die Grenze. Wenn jemand jetzt hier im Forum den Begriff „Polnische Benzinmafia“ schreiben sollte, so werde ich den zuständigen Moderator NICHT um Zensierung bitten.

Quelle: http://www.newkaliningrad.ru/news/commu ... eredi.html
Uwe Niemeier
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Axel Henrich
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Re: Staatsgrenze Russland–Europäische Gemeinschaft

Beitrag von Axel Henrich »

domizil hat geschrieben:Mitte der 90-er Jahre konnte man einen Platz in der Schlange kaufen – 50 – 150 USD und man war schneller über die Grenze.
Man kaufte sich keinen Platz in der Schlange, fuer 50 Mark wurde das Auto von der "Grenzmafia" direkt bis vor dem Schlagbaum gefahren, in Dollar entsprechend weniger. Dann stieg der Typ aus, gab einen Teil dem Posten und du konntest direkt weiter in den Innenhof fahren. Fahrzeugpapiere, Wertsachen etc. konntest du ohne Probleme im Auto liegen lassen, da ging Niemand ran. Dann wollten irgendwann die Russen mit verdienen, du hast gezahlt, dir wurde dafuer ein Passwort gesagt, dann wurdest du auch hier bis rein in den Innenhof gelotst und sobald du ueber der Grenze warst, fuhr vor dir ganz zufaellig Jemand aus einer Parkluecke und gleichzeitig stand neben dir ploetzlich ein Typ, der dich nach dem Passwort fragte ... kurzes Handzeichen und das Auto fuhr wieder in die Parkluecke und der Weg war frei ins gelobte Land ...
In Brest und Przemysl war das perfekt organisiert, Uschgorod war nicht ganz so verdorben ...
domizil hat geschrieben:Wenn jemand jetzt hier im Forum den Begriff „Polnische Benzinmafia“ schreiben sollte, so werde ich den zuständigen Moderator NICHT um Zensierung bitten.
Selbst als Witz und ich denke mal so war das gemeint, ist das nicht wirklich lustig ... Anscheisser und Denunzianten sind so ziemlich das Letzte ... :evil:

-ah-
domizil
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Re: Staatsgrenze Russland–Europäische Gemeinschaft

Beitrag von domizil »

Axel Henrich hat geschrieben:Man kaufte sich keinen Platz in der Schlange, fuer 50 Mark wurde das Auto von der "Grenzmafia" direkt bis vor dem Schlagbaum gefahren, in Dollar entsprechend weniger.
... ja, die Systeme und Summen sind sicherlich von Ort zu Ort unterschiedlich. Ich habe z.B. von 1993 - 1995 auf ukrainischer Seite, in Shegini und weiter nördlich, am Aufbau des Duty-Free-Systems teilgenommen. Dort gab es ein "System" des Geldverdienens in der "zweiten Infrastruktur" ... Ab 1995 bin ich dann nach Kaliningrad gewechselt. Dort gibt es bekanntlich zwei Grenzen (Polen, Litauen) und an jeder Grenze mehrere Abfertigungspunkte. Und jede Grenze und jeder Abfertigungspunkt hatte unterschiedliche "Tarife" und "Techniken".
Axel Henrich hat geschrieben:Selbst als Witz und ich denke mal so war das gemeint, ist das nicht wirklich lustig ... Anscheisser und Denunzianten sind so ziemlich das Letzte ...
... nein, es war eigentlich kein Witz, denn die jetzigen Zustände an den Hauptgrenzübergängen zu Polen spotten jeder Beschreibung. Die Zeitungen (russischen) sind voll von Berichterstattungen. Höchste Stellen beschäftigen sich mit diesen Zuständen. Natürlich wollen diese "Ameisen" Geld verdienen, vermutlich in Ermangelung ausreichender Arbeitsmöglichkeiten in Polen. Und dabei behindern sie aber die echten Geschäftsreisenden, aber auch Touristen. In den 90er Jahren hatten wir Wartezeiten von bis zu zwei Tagen an der Grenze - jetzt sind es schon wieder 7 und mehr Stunden ...
Hier mal ein anderer Link, wo polnische Berichterstatter übersetzt wurden die sich über ihre Landsleute beschweren:
http://kaliningrad.ru/news/item/22660-g ... dlya-svoih
Dort werden diese "Bensinshikis" oder "Ameisen" von den Reportern noch ganz anders tituliert. Und, ich glaube da sind wir uns hier im Forum alle einig - die Pressefreiheit sollte ein heiliges Gut sein und hat somit nichts mit Anscheisser/Denunzianten zu tun.
Oder habe ich da etwas falsch verstanden?
Uwe Niemeier
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Axel Henrich
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Re: Staatsgrenze Russland–Europäische Gemeinschaft

Beitrag von Axel Henrich »

domizil hat geschrieben:... die Pressefreiheit sollte ein heiliges Gut sein und hat somit nichts mit Anscheisser/Denunzianten zu tun.
Oder habe ich da etwas falsch verstanden?
Ja, gruendlich, sozusagen Thema verfehlt ... egal ... ;)

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Glider
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Re: Staatsgrenze Russland–Europäische Gemeinschaft

Beitrag von Glider »

Was Uwe schreibt zu den Zustaenden an der Grenze Kaliningrad - Polen, ist leider sehr wahr und eigentlich auch eine grosse Seuche.
Nach Russland rein geht es ja noch so ca. mit einer Stunde Zeitbedarf.
Aus Russland raus, ist es der Willkuerhammer: Nicht russische Fahrzeuge stehen in einer riesen Schlange. Autos mit russischen Kennzeichen fahren daran vorbei. Aber alle fahren dann durch das gleiche Nadeloehr. Man kann sich auch eigentlich nicht aufregen, wenn die Abfertigung sowohl auf russischer wie polnischer Seite nach Nationen, also RUS/BY und Rest of World hier oder EU/CH und Rest of World gemacht wird. Einmal drin in der Anlage geht es ja halbwegs. Wirklich aergerlich ist dieses Aufteilen der Schlangen vor der Grenze, was mit der Kontrolle nun gar nichts zu tun hat, dafuer aber mit Willkuer.
Dass es durchaus noch andere Punkte gibt, die schwer verbesserungsbeduerftig sind, wie das unsaegliche Ausfuellen einer Zollerklaerung mit regulaerem auslaendischen Kennzeichen, die wohl nicht offensichtlich zum Verbleib im gelobten Land bestimmt sind, sowie das nochmalige ausfuellen desselben Fresszettels bei der Ausreise, sei nur der Vollstaendigkeit halber angemerkt.
Diese kleinen oder auch grossen Nickeligkeiten sind es, die das Leben dort sauer machen.
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Re: Staatsgrenze Russland–Europäische Gemeinschaft

Beitrag von domizil »

... ich hatte mich in den letzten Tagen mit Ergänzungen zu diesem Thema etwas zurückgehalten. Ich sehe, dass ein klitzekleines bißchen Bewegung in die Sache kommt - eben wohl deshalb, weil die "hohen Herrschaften", egal ob mit Diplomatenpass oder ohne, auch in der Schlange stehen müssen ... und nun hoffe ich, auch im Zusammenhang damit, dass im Rahmen der Fussball-WM2018 festgestellt wurde, dass die Infrastruktur in Kaliningrad (und dazu gehört ja auch die Grenze) stark entwicklungsbedürftig ist, auf Fortschritte.

Der angesprochene "Papierkram" ... gut, an der Zollerklärung wird sich wohl kaum etwas ändern. Derjenige, der nichts zu verzollen hat, braucht auch keine Zollerklärung auszufüllen. Aber wer mit dem PKW einreist - dem bleibt nichts anderes übrig. Die etwas lästige Migrationskarte wird ja nun ab November schrittweise durch die elektronische Karte abgelöst, d.h. der Grenzbeamte druckt die Karte automatisch aus, ohne das der Ausländer noch was machen muss. Das beginnt im November an 4 Übergängen (incl. Airport) und wird dann schnell auf alle Grenzübergänge erweitert.
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Re: Staatsgrenze Russland–Europäische Gemeinschaft

Beitrag von Magdeburg-Moskva »

Einige Tage sah ich die Schlangen aus NON-RUS-Autos vor den Grenzübergängen ja verschwunden. Haben da etwa die Konsultationen auf regionaler Ebene was gebracht. Oder sind jetzt die schlangen einfach zw. russischer Passkontrolle (erledigt) und polnischer Passkontrolle? Auch derartige Äußerungen gab es ja auf der Webcam-Seite. Ansonsten... Ich glaube, nur Warschau (Zollzentralverwaltung oder Finanzministerium) kann auf den Zoll einwirken, nicht mal Allenstein (zuständige Zollkammer).
Ein Vertreter von Rosgranitsa, also der Agentur für die technische Ausstattung der Grenzen sagte für KGD übrigens selbst, dass auch die Strecken zwischen den Grenz-Terminals auf der jeweiligen Seite zu schmal bemessen seien und somit einen Flaschenhals bilden.

Mal angemerkt, bereits in den 90-er Jahren wurde eigentlich bezeugt, gemeinsame Grenzkontrollen durchführen zu wollen (erste Vereinbarungen über Grenzübergänge zw. PL und RU). Spätestens in Rehfeld/Heiligenbeil II-Autobahn hätte man das doch mal umsetzen können. Innerhalb der EU, bzw. zw. DE und PL hat das ja auch geklappt.
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Re: Staatsgrenze Russland–Europäische Gemeinschaft

Beitrag von domizil »

Magdeburg-Moskva hat geschrieben:Haben da etwa die Konsultationen auf regionaler Ebene was gebracht.
... ehrlich gesprochen, kann ich dazu im Moment nichts sagen. Ich selber nutze die Landübergänge nicht und bin auf Informationen durch "Dritte" angewiesen. Das "plötzlich und unerwartet" mal keine Schlange an der Landgrenze ist, kann u.a. auch daran liegen, dass die "schwarzen Zöllner" wieder an der Grenze arbeiten (polnische Spezialtruppe zum Durchgreifen) und sich dies rumspricht und dann die Polen die "Schwerpunkte" verlagern. Oder an dem entsprechenden Übergang steht die mobile Röntgeneinrichtung ...
Zur Lösung des Problems - da hast Du Recht - werden nicht die kleinen Verantwortlichen am Grenzübergang benötigt. Hier müssen von beiden Seiten Lösungen auf Regierungsebene getroffen werden. Wenn sich hier nichts schnell ändert, können wir die Fussball-WM2018 - auch schon in der Vorbereitungszeit - einfach vergessen. Die Leute die hier nach Kaliningrad kommen, wollen Geld verdienen und keine Teilnehmer am "Schlangentourismus" sein.
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Re: Staatsgrenze Russland–Europäische Gemeinschaft

Beitrag von Magdeburg-Moskva »

domizil hat geschrieben:
Magdeburg-Moskva hat geschrieben:Haben da etwa die Konsultationen auf regionaler Ebene was gebracht.
... ehrlich gesprochen, kann ich dazu im Moment nichts sagen. Ich selber nutze die Landübergänge nicht und bin auf Informationen durch "Dritte" angewiesen. Das "plötzlich und unerwartet" mal keine Schlange an der Landgrenze ist, kann u.a. auch daran liegen, dass die "schwarzen Zöllner" wieder an der Grenze arbeiten (polnische Spezialtruppe zum Durchgreifen) und sich dies rumspricht und dann die Polen die "Schwerpunkte" verlagern. Oder an dem entsprechenden Übergang steht die mobile Röntgeneinrichtung ...
Also, schwarze Zöllner durfte ich noch nicht kennen lernen. Zumal ja die "normalen" Zöllner anscheinend schon sehr gründlich arbeiten. Möchte aber nicht wissen, was das dann für Rüpel sind, du kennst ja meine Meinung über die Benimmse der normalen Zöllner.

Nee, aber laut den Webcams sind seit einiger Zeit die Schlangen vor den Grenzübergängen verschwunden, anscheinend nicht nur zufällig. Es kann aber sein, dass das Problem der langsamen Abfertigung eben verlagert wurde, auf den Korridor zwischen Abschluss Abfertigung Russland und Beginn Abfertigung Polen.

Aber schon bezeichnend, wenn Rosgranitsa Planungsfehler bei den GÜST zugibt. Vielleicht sind die ja nicht auf deren Mist gewachsen.
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Re: Staatsgrenze Russland–Europäische Gemeinschaft

Beitrag von domizil »

Magdeburg-Moskva hat geschrieben:Aber schon bezeichnend, wenn Rosgranitsa Planungsfehler bei den GÜST zugibt. Vielleicht sind die ja nicht auf deren Mist gewachsen.
... Du hast die Faust genau aufs Auge gesetzt, bzw. ins Schwarze getroffen. Die jetzige Organisation "RosGranitza" existiert erst relativ kurze Zeit- Wenn ich mich recht entsinne so seit 2006/2007. Somit sind sie nicht verantwortlich ... Und je qualifizierter sie kritisieren, um so mehr Arbeit gibt es für diese Organisation in der Zukunft.
Und, eins wollen wir auch nicht vergessen: Es sind ja wirklich viele daran interessiert, dass es vorwärts geht. Das es aus reinem organisatorischen Unvermögen nicht immer so klappt - das ist eine andere Sache. Wenn an den Schalthebeln der Macht vernünftige Leute sitzen (wie z.B. Stanislaw Woskresenski), dann mache ich mir um Kaliningrad keine Sorgen mehr.
Die "schwarzen Zöllner" (Polnische Zöllner), sind nicht die, die Dich kontrollieren. Das ist - ich sage es mal so flapsig - der Sicherheitsdienst der Zöllner, d.h. die kontrollieren ihre eigenen Leute. Und schwarze Zöllner heißen sie, weil die Uniform schwarz ist (zumindest damals war es so - bis 2004).
Uwe Niemeier
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