Anerkennung russischer Berufsabschlüsse in Deutschland

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pippie

Re: Anerkennung russischer Berufsabschlüsse in Deutschland

Beitrag von pippie »

Dietrich hat geschrieben:...
Alternative, seit ca. einem Jahr möglich: Man absolviert ein halbjähriges "Anerkennungspraktikum" und macht danach "nur" die praktische Prüfung. Das hatte meine Frau jetzt begonnen. Sie wollte die ganze Sache in 3 Monaten machen.
Dietrich hat geschrieben:Dann muss das Praktikum aber auch in einer Form stattfinden, dass man auf Dinge hingewiesen wird, die dann in der Prüfung wichtig sind. Es kann nicht angehen, dass während des Praktikums alle nur loben und begeistert sind und dann der Prüfer Dinge "verlangt", die in der Praxis niemand so macht (und dich dementsprechend auch niemand darauf hinweist!). Da müssen dann auch schon Maßstäbe angesetzt werden, die zueinander passen.
Wenn ein 6 - monatiges Praktikum verlangt ist, wieso wurde sie eigentlich nach 3 Monaten zur Prüfung zugelassen?
In den Berufsausbildungen sind Theorie und Praxis gut aufeinander abgestimmt. Es gibt doch sicher Bücher für eine solche?
Vielleicht hätte man ja in den zweiten 3 Monaten noch eine Menge lernen können, was für die Prüfung wichtig ist.
Und was die Bezahlung angeht, was glaubst du, wieviele Hochschulabsolventen deutscher Universitäten unbezahlte Praktika machen, um überhaupt ins Jobleben reinzukommen?!
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Sibirier
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Re: Anerkennung russischer Berufsabschlüsse in Deutschland

Beitrag von Sibirier »

Die Theorie bringt eigentlich die Berufsschule usw. bei, in dem Ausbildungsbetrieben nicht und es wird vieles in Ausbildungsbetrieben anders gemacht, als in der Theorie vorgesehen. Vielleicht sind im Krankenhaus davon ausgegangen, dass Deine Frau die Theorie kennt, oder einfach desinteressiert an der Ausbildung, oder -was ich eigentlich vermute- selbst keine Zeit haben (oder haben wollen ;) ), dies Deiner Frau zu zeigen....

Denn im Gesundheitswesen wird ja immer mehr gespart und das geht vor allen Dingen am Personal nicht vorbei....Warum sonst schieben die Ärzte/Krankenschwester in den Krankenhäuser so viele Überstunden, die sie meistens auch nicht bezahlt oder frei bekommen?
Ha, Waschmaschine verarscht. Socken einzeln gewaschen....
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Dietrich
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Re: Anerkennung russischer Berufsabschlüsse in Deutschland

Beitrag von Dietrich »

pippie hat geschrieben: Wenn ein 6 - monatiges Praktikum verlangt ist, wieso wurde sie eigentlich nach 3 Monaten zur Prüfung zugelassen?
Weil es, nach Ermessen des Krankenhauses eben auch nach 3 Monaten möglich ist. Und nach Aussage der Betreuer bestand wenig auszusetzen.
pippie hat geschrieben:In den Berufsausbildungen sind Theorie und Praxis gut aufeinander abgestimmt. Es gibt doch sicher Bücher für eine solche?
Vielleicht hätte man ja in den zweiten 3 Monaten noch eine Menge lernen können, was für die Prüfung wichtig ist.
Natürlich gibt es Bücher. In Hülle und Fülle, soviel kann man gar nicht alleine tragen.
Und um das "lernen, was für die Prüfung wichtig ist", geht es ja eben. Das passiert im Praktikum eben nicht in dem Maße, wie es die anschließende Prüfung verlangt. Deshalb passen diese beiden Instrumente eben schlecht zusammen.
pippie hat geschrieben:Und was die Bezahlung angeht, was glaubst du, wieviele Hochschulabsolventen deutscher Universitäten unbezahlte Praktika machen, um überhaupt ins Jobleben reinzukommen?!
Praktikanten werden eben überall als billige Arbeitskräfte eingesetzt. Wenn ein derartiges Praktikum dazu benutzt wird, um den in der Firma Zuständigen zu beweisen/zeigen, was man kann und mit welcher Einstellung man arbeitet, dann mag das für eine bestimmte Zeit O.K. sein. Aber dann muss eben am Ende dieses Praktikums dieses auch von den während des Praktikums anwesenden Leuten bewertet werden.
Alle KollegInnen meiner Frau sind aus allen Wolken gefallen, als sie gehört haben, wie die Prüfung abgelaufen ist.

Es geht doch bei der Anerkennung ausländischer Abschlüsse kaum darum, ob man jede Kleinigkeit genau so macht, wie es in deutschen Krankenpflegeschulen gelehrt wird. Oder meinst du, eine erfahrene spanische, italienische oder rumänische Krankenschwester, die ihren Abschluss ohne Probleme anerkannt bekommt und ab Tag 1 als vollständige Krankenschwester arbeiten darf (sogar im Prinzip ohne Sprachkenntnisse) würde eine solche Prüfung ablegen können?
Ja, ob das Diplom erworben oder gekauft wurde, dass ist z.B. auch für Russland durchaus eine sehr wichtige Frage. Aber genau DAS kann man eben in einem Praktikum doch sehr gut überprüfen. Auch ohne eine schulische Prüfung, die wohl auch die meisten deutschen Krankenschwestern 5 Jahre nach ihrer eigenen Ausbildung kaum noch bestehen würden, da sich das Gelernte und das im echten Beruf Gelebte im Gesundheitswesen sehr stark unterscheiden. Und genau diese Krankenschwestern leiten dich im Praktikum an und sind u.U. sehr zufrieden mit deiner Arbeit. Was dir aber dann für die Prüfung nichts bringt. Gar nichts.

Alle in Deutschland jammern über den Pflegenotstand und (nicht nur) da über Fachkräftemangel. Aber wenn dies die Art und Weise ist, wie man arbeitswillige ausländische Fachkräfte behandelt, dann wundert mich in dem Bereich nichts mehr.
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Sibirier
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Re: Anerkennung russischer Berufsabschlüsse in Deutschland

Beitrag von Sibirier »

Dietrich hat geschrieben:....arbeitswillige ausländische Fachkräfte.....
Ja, gerne. Aber billig sollen sie sein.... ;)

Wer weiß, vielleicht war das ja so mit den Prüfern abgesprochen? 3 Monate weitere Arbeitsleistung für nix Geld....

Oder meinst Du, so etwas gibt es nicht?

Das sind halt Dinge, die nicht schön sind, aber die ab und zu leider im Leben "schlucken" muss...
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Dietrich
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Re: Anerkennung russischer Berufsabschlüsse in Deutschland

Beitrag von Dietrich »

Sibirier hat geschrieben:Wer weiß, vielleicht war das ja so mit den Prüfern abgesprochen? 3 Monate weitere Arbeitsleistung für nix Geld....
Oder meinst Du, so etwas gibt es nicht?
Meine Frau meint zwar, die Krankenpflegeschule und das Krankenhaus wären (obwohl von Namen her zusammengehörig) 2 vollkommen unterschiedliche Dinge. Aber ich bin trotzdem (genau wie du) nicht willig, deinen Gedanken vollkommen zu verdrängen.
Was auch ein Grund ist, dass dieses System so wie es ist, einfach nicht optimal ist. Zumal du ja zwischen erstem und zweiten Prüfungsversuch noch nicht mal den Praktikumsbetrieb wechseln darfst...
Immerhin hatte sie bereits eine Jobzusage in der Tasche (wenn sie bestanden hätte). Vielleicht spricht sich das dann wenigstens bis zum zweiten Prüfungsversuch durch, dass das Krankenhaus sie gerne einstellen würde.
Sibirier hat geschrieben:Das sind halt Dinge, die nicht schön sind, aber die ab und zu leider im Leben "schlucken" muss...
Wir arbeiten dran ;-)
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Re: Anerkennung russischer Berufsabschlüsse in Deutschland

Beitrag von ohlibaer »

So,

wir haben Anfang Mai alle erforderlichen Dokumente an die Landesprüfungsstelle in Düsseldorf geschickt, allerdings noch nichts gehört (eine Eingangsbestätigung wäre ja wohl das Mindeste, was man erwarten kann. Beamte halt :( ).
Parallel dazu hat sich auch noch eine Möglichkeit aufgetan, die Zwischenzeit zu überbrücken. Bei uns in Bochum gab es kürzlich eine Job-Messe im Bereich Gesundheitswesen. Über eine Personalagentur besteht grundsätzlich die Möglichkeit, zumindest als Pflegehilfe im Krankenhaus - bezahlt - Erfahrungen zu sammeln. Die Agentur unterstützt einen auch bei der Anerkennung des Berufsabschlusses.
Mal schauen, was dabei herauskommt.
Viele Grüsse,

Vera und Oliver
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Dietrich
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Re: Anerkennung russischer Berufsabschlüsse in Deutschland

Beitrag von Dietrich »

ohlibaer hat geschrieben:Über eine Personalagentur besteht grundsätzlich die Möglichkeit, zumindest als Pflegehilfe im Krankenhaus - bezahlt - Erfahrungen zu sammeln.
Ja, aber wenn deine Liebste dann 1-2 Monate "Erfahrung" im Leute waschen und sonstigen Sch...arbeiten gesammelt hat, dann wird die Zufriedenheit schnell ins Gegenteil umschlagen.
Dann wird sie dort nämlich mit Sicherheit Krankenschwestern aus anderen Ländern sehen, die ihren Abschluss -einfach so- anerkannt bekommen haben. Und darunter Krankenschwestern mit verdammt wenig Ahnung von der Materie, die aber die anspruchsvolleren Tätigkeiten ausführen dürfen/sollen, während sie nur die minderen Arbeiten machen "darf".

Sowas auf Dauer ist GARANTIERT der Weg zu Stress in der Beziehung.

Meine Frau hat glücklicherweise ihre Anerkennungsprüfung jetzt im 2. Anlauf bestanden und arbeitet jetzt als "vollständige Krankenschwester". Jetzt sind es nur noch die üblichen Probleme: Teilweise mehr oder weniger offene Ausländerfeindlichkeit und die Probleme des "zhenskiy kollektiv" an sich (Zicken, Mobbing, etc).
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Re: Anerkennung russischer Berufsabschlüsse in Deutschland

Beitrag von ohlibaer »

Na ja,

das ist sicher nicht ganz auszuschließen. Dummerweise ist meine Frau halt nicht so gestrickt, daß sie noch bis zur - möglichen - Anerkennung daheim sitzen möchte. Sie hat zumindest die Möglichkeit, sich den Krankenhausbetrieb erst einmal anzuschauen. Wie dann die Ausgestaltung des Vertrages mit der Personalagentur aussieht muß man abwarten. Da diese spezialisiert ist auf den Bereich Gesundheitswesen, gehe ich erst einmal nicht vollkommen negativ an die Sache heran. Absagen kann man immer noch.

Ärgerlich ist nur, daß vom Landesprüfungsamt überhaupt keine Rückmeldung kommt. Die Unterlagen wurden am 07.05. zugestellt, aber bislang ist keinerlei Reaktion erfolgt. Wenn ich mich recht erinnere, dann sollten Antragsteller eigentlich nach spätestens 3 Monaten eine Entscheidung erhalten. Werde morgen da mal nachfragen.
Viele Grüsse,

Vera und Oliver
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