Aber wir schweifen schon wieder ab.
Stimmung in Russland
- Norbert
- Globaler Moderator

- Beiträge: 14556
- Registriert: 30 Jun 2006, 11:25
- Wohnort: Nowosibirsk, Dresden
- Kontaktdaten:
Re: Stimmung in Russland
Ich finde es an sich schon eigenartig, dass ein Wort "...versteher" zum Schimpfwort geworden ist.
An sich ist es ja gut, wenn man sich bemüht, Freund und Feind zu verstehen. "...verteidiger" wäre etwas anderes.
Aber wir schweifen schon wieder ab.
Aber wir schweifen schon wieder ab.
Re: Stimmung in Russland
FAZ: Die Russen verlieren den Bezug zur Realität
Hochinteressanter polarisierender Kommentar mit Bezügen zu Nietzsche.
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/d ... 83-p4.html
In beiden Artikel geht es letztendlich um die voranschreitende Perversion, der russischen Öffentlichkeit jeden Glauben an eine existierend Wirklichkeit zu nehmen. Die russische Öffentlichkeit wird endgütlig hilflos gemacht, quasi in eine großen Blase befördert, in der keiner mehr weiß wo oben und unten, rechts und links, richtig und falsch, Brudervolk und Faschisten usw. ist. Daher verharrt jeder in seiner Schockstarre. In einem solchen Vakuum kann man sich dann eigentlich nur noch an klar gezeichneten Feindbildern festhalten und genau dahin wird die Öffentlichkeit gesteuert.
Einige werden natürlich gleich wieder aufjaulen, dass in D ja alles genauso sei. Das ist aber nix als Teil dieses Durchrührens der russischen Öffentlichkeit. Nach dem Motto: Überall und vor allem bei den US Hampelmännern sind doch auch nur Blasen, hört daher auf, dorthin zu gucken. Es wird so verkauft als hätte keiner Peilung ... außer dem großen Führer natürlich.
Hochinteressanter polarisierender Kommentar mit Bezügen zu Nietzsche.
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/d ... 83-p4.html
Hier ein in der Betrachtungsweise noch sehr ähnlicher interessanter Artikel in der Moscow Times:Russlands Entwirklichung ist ins Stadium der Selbstzerstörung von Staat und Gesellschaft getreten. Alle Opfer werden nur gebracht, um das Gesicht zu wahren und ein Bild ungebrochener Stärke vorzuführen.
Doch gerade in dem paranoiden Wunsch, mit allen Mitteln Stärke zu demonstrieren, offenbart sich, wie sehr die russische Politik oder besser Antipolitik in Ressentiment, Schwäche und Kraftlosigkeit wurzelt. Die panische Angst der Staatsmacht vor ehrlichen Wahlen, vor jeglicher politischer oder staatsbürgerlicher Aktivität im Land verrät das Ausmaß ihrer Hilflosigkeit und Unsicherheit.
http://www.themoscowtimes.com/opinion/a ... 11113.htmlDo Russians believe what their government tells them? Not necessarily. But that doesn't mean they are inclined to believe anybody else either, and that works to the advantage of those already in power because it takes a lot more to motivate resistance than to maintain passivity.
If there is no trust and no truth, all that remains is self-interest. On a national scale, that means a chauvinistic form of nationalism. Russia cannot rely on the goodwill of others or the dictates of international law, and so Russia needs to act as aggressively as possible to get what it wants. There can be reasonable disagreements over what that is and what actions are most conducive to getting it, but the basic frame remains: Any policy has to be justified in terms of Russian national interest.
In beiden Artikel geht es letztendlich um die voranschreitende Perversion, der russischen Öffentlichkeit jeden Glauben an eine existierend Wirklichkeit zu nehmen. Die russische Öffentlichkeit wird endgütlig hilflos gemacht, quasi in eine großen Blase befördert, in der keiner mehr weiß wo oben und unten, rechts und links, richtig und falsch, Brudervolk und Faschisten usw. ist. Daher verharrt jeder in seiner Schockstarre. In einem solchen Vakuum kann man sich dann eigentlich nur noch an klar gezeichneten Feindbildern festhalten und genau dahin wird die Öffentlichkeit gesteuert.
Einige werden natürlich gleich wieder aufjaulen, dass in D ja alles genauso sei. Das ist aber nix als Teil dieses Durchrührens der russischen Öffentlichkeit. Nach dem Motto: Überall und vor allem bei den US Hampelmännern sind doch auch nur Blasen, hört daher auf, dorthin zu gucken. Es wird so verkauft als hätte keiner Peilung ... außer dem großen Führer natürlich.
- Wladimir30
- Globaler Moderator

- Beiträge: 6624
- Registriert: 07 Okt 2014, 11:14
- Wohnort: Celle / Wladimir
Re: Stimmung in Russland
Einblick aus der Provinz. Es stimmt, der Hurrapatriotismus verfliegt. Kein Wunder. In den Nachrichten gibt es immer noch kein anderes Thema. Das nervt. Die Gebietsverwaltung von Wladimir wurde im Herbst direkt verpflichtet, 80 Mio. Rubel in die anbefohlene Partnerregion auf der Krim zu schicken. Dieses Geld fehlt hier natürlich, die Kindergärten kriegen z.B. kein Geld mehr. Das tifft die Leute dann direkt und sie kapieren, was ihnen da eingebrockt wurde. Die Studenten müssen plötzlich um ihren Studienplatz bangen, weil junge Leute aus der Ukraine bevorzugt werden, was bei begrenzten Studienplätzen dazu führt, dass hiesige plötzlich in die Röhre gucken.
Nach dem Kaffee ist vor dem Kaffee
Re: Stimmung in Russland
Gunnar hat geschrieben:FAZ: Die Russen verlieren den Bezug zur Realität
Hochinteressanter polarisierender Kommentar mit Bezügen zu Nietzsche.
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/d ... 83-p4.html
er wohnt seit 1991 in den Vereinigten Staaten
- Norbert
- Globaler Moderator

- Beiträge: 14556
- Registriert: 30 Jun 2006, 11:25
- Wohnort: Nowosibirsk, Dresden
- Kontaktdaten:
Re: Stimmung in Russland
Das sehe ich genauso, wobei ich auch Deine schon selbst vorgebrachte Gegenantwort bezüglich Europa für erwähnenswert halte.Gunnar hat geschrieben:In beiden Artikel geht es letztendlich um die voranschreitende Perversion, der russischen Öffentlichkeit jeden Glauben an eine existierend Wirklichkeit zu nehmen. Die russische Öffentlichkeit wird endgütlig hilflos gemacht, quasi in eine großen Blase befördert, in der keiner mehr weiß wo oben und unten, rechts und links, richtig und falsch, Brudervolk und Faschisten usw. ist. Daher verharrt jeder in seiner Schockstarre. In einem solchen Vakuum kann man sich dann eigentlich nur noch an klar gezeichneten Feindbildern festhalten und genau dahin wird die Öffentlichkeit gesteuert.
Am Ende wissen wir alle nicht mehr, was eigentlich wirklich vor sich geht. Konnte man dies vor 100 Jahren einfach durch räumliche Ferne verbergen, so benötigt es heute einer delikaten Medienstrategie. Am Ende ist das tolle Internet kein Mehrwert mehr.
Und das ist in meinen Augen auch der Hauptgrund für den Zulauf zu islamischen Terroristen ... die Leute haben keinen Halt mehr und wenden sich scheinbar einfachen Lösungen zu: "Würdest du für 72 Jungfrauen, Unschuldige umhauen - Dann werd Konvertit und mach einfach mit bei: Isis, Isis!" (http://www.youtube.com/watch?v=sK17ZG5PTuY#t=0m29)
