Privet aus Deutschland

Wer nicht wie ein Elefant ins Glashaus trampeln möchte, hat hier die Möglichkeit dezent auf sich aufmerksam zu machen. (ist keine Pflichtveranstaltung) Herzlich Willkommen!
Taiga_Wolf
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Privet aus Deutschland

Beitrag von Taiga_Wolf »

Hallo zusammen,

gerne stelle ich mich auch kurz vor und nutze es auch gleich noch für eine kurze Frage:

Ich bin ein seit meiner Kindheit russlandaffiner Baden-Württemberger (Bodenseeregion), der 2014 im Rahmen eines dreimonatigen Aufenthalts in Krasnoyarsk (im Rahmen meines Studiums, sozusagen als Auslandssemester) seine heutige Frau kennengelernt hat. Dann habe ich beschlossen Nägel mit Köpfen zu machen und meine Holde 2015 auch in Krasnoyarsk geheiratet.

Sie ist dann 2015 mit mir nach Deutschland gekommen, 2020 kam dann unsere kleine Tochter dazu.

Es war für mich schon immer eine Option, auch nach Russland auszuwandern. Damals haben wir uns dagegen entschieden, weil ich noch in Studium war etc.

Inzwischen keimt der Wunsch jedoch wieder auf. Mir fehlt die russische Seele und das etwas Wilde im Leben, wenn ich es so ausdrücken kann :lol: Habe mich in Russland immer freier gefühlt als hier und auch die Art der Menschen liegt mir einfach mehr.

Dazu kommt, dass wir 2018 das letzte Mal in Russland waren (Corona etc., dann kleine Tochter, dann heutige Situation). Mit unserer Kleinen können wir es momentan vergessen, 30h-Reisen nach Sibirien auf uns zu nehmen. Also verlagerten wir die Treffen mit meinen Schwiegereltern auf für beide Seiten erreichbares Terrain (Türkei).

Es ist inzwischen furchtbar für uns, wie sehr die Sanktionen das Privatleben der kleinen Leute einschränkt. Familien wie z.B. der unseren wird es unheimlich schwer gemacht, dass die Schwiegermama mal ihre Enkelin sehen kann. Von den älteren Verwandten in Russland mal ganz abgesehen, die nicht mehr fliegen können.

Jetzt läuft auch noch der russische Reisepass meiner Frau Mitte nächsten Jahres aus. Dazu dürfen wir dann aufgrund der Konsulatsschließungen 5 Stunden nach Bonn tingeln.

Bei uns kam jetzt im Zuge der sowieso anstehenden Reise ins Konsulat die Idee auf, gleich auch noch die russische Staatsbürgerschaft (dass sie dann beide hat) für unsere Tochter zu beantragen. Jetzt war die Frage, wie genau der Ablauf mit der Apostille ist, weil wir immer mehrere Möglichkeiten lesen. Damals haben wir in Russland die Apostille auf unsere Hochzeitsurkunde machen lassen und dann einfach alles in Deutschland übersetzen lassen.

Also war unser Gedankengang Folgender: Apostille auf Geburtsurkunde unserer Tochter, danach zum beeidigten Übersetzer und damit dann aufs Konsulat zur notariellen Beglaubigung der Übersetzung. Stimmt das so? Oder müssen wir zuerst übersetzen lassen, dann aufs Konsulat und danach Apostille drauf? Sind leicht verwirrt, weil einfach unterschiedliche Sachen zu lesen sind.

Wären über eine kurze Hilfe dankbar.

Wollen uns Stück für Stück nun vorbereiten, sodass wir bei einer etwaigen Auswanderung nicht alles auf einmal machen müssen.

Vielen Dank und herzliche Grüße an alle hier. Ich freue mich in Zukunft auf anregende Gespräche ;)
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Wladimir30
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Re: Privet aus Deutschland

Beitrag von Wladimir30 »

Hi Wolf,
Erstmal herzlich willkommen bei uns. Du bist mir Deiner Geschichte grundsätzlich gesehen nicht allein.

Was die Apostille betrifft, so würde ich am besten direkt bei der entsprechenden Stelle nachfragen. Wer das genau ist, kannst Du sicherlich rausfinden.

Ansonsten viel Glück bei Eurem Vorhaben
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Charles
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Re: Privet aus Deutschland

Beitrag von Charles »

Hi Wolf,

Wir waren in der gleichen Situation. Unsere Tochter ist 2018 zur Welt gekommen und wir haben sofort beim russischen Konsulat in Salzburg die russische Staatsbürgerschaft für unsere Kleine verlangt (Mutter ist Russin, ich Österreicher). Welche Dokumente dazu erforderlich sind, haben wir auf der Homepage des russischen Konsulats erfragt. Ich habe gerade meine Frau gefragt, aber auch sie kann sich an die Details nicht mehr so genau erinnern. Wir wissen nur noch, dass ich als Vater eine Einverständniserklärung abgeben musste, dass ich die Verleihung der russischen Staatsbürgerschaft erlaube. Die deutschsprachige Geburtsurkunde musste wohl ins russische übersetzt und mit einer Apostille versehen werden. Den Rest haben wir mittlerweile leider vergessen. Ich kann mich nur noch erinnern, dass ich dazumal bei den österreichischen Behörden genau nachgefragt habe, ob die Kleine durch die Verleihung der russischen Staatsbürgerschaft nicht die österreichische verliert.
Die Antwort war Nein, verliert sie nicht. Begründung: die österreichische Staatsbürgerschaft verliert nur jemand, der selbst willentlich eine fremde Staatsbürgerschaft beantragt. Das kann die Kleine ja noch gar nicht. Außerdem gelte sowohl in Russland als auch in Österreich das Geburtsrecht (Abstammungsrecht). Jetzt kann die Kleine bequem ohne Visum nach Österreich einreisen. Einen Link schicke ich gleich nach:
https://www.derstandard.at/story/200012 ... s-gemessen

Wichtig ist nur der folgende Absatz:

"Kommt hingegen in Österreich ein Kind auf die Welt, dessen Eltern zwei unterschiedliche Pässe besitzen, so ist dieses Kind Doppelstaatsbürger. Es kann beide Zugehörigkeiten behalten, fürs ganze Leben."
Zuletzt geändert von Charles am 17 Jul 2024, 22:16, insgesamt 2-mal geändert.
Taiga_Wolf
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Re: Privet aus Deutschland

Beitrag von Taiga_Wolf »

Hi Charles,

danke für die Infos. Inzwischen hat sich das russische Recht sogar insoweit geändert, dass keine Einverständniserklärung meinerseits mehr notwendig ist. Würde ich aber natürlich auch geben, keine Frage. Deutsche Staatsbürgerschaft verliert sie auch nicht. War schon vorher so hier, seit der Erlaubnis der doppelten Staatsbürgerschaft im Juni 2024 eh kein Thema mehr.

Bin echt über jede Erfahrung dankbar. So kleine Details wie Apostille vor oder nach Übersetzung sind leider der Knackpunkt bei uns :lol:

Wohnt ihr dann noch in Österreich? Und gab oder gibt es Überlegungen eurerseits evtl. mal auszuwandern?
Charles
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Re: Privet aus Deutschland

Beitrag von Charles »

Tja, Wolf, das ist eine heikle Frage. Ich will hier nicht ins politische gehen, daher nur ganz knapp: ich mache mir große Sorgen wegen der zunehmend instabilen Verhältnisse im Westen. Ich weiß zum Beispiel nicht, ob unsere Tochter in vielleicht 10 Jahren noch unbehelligt von der Disko nach Hause gehen kann. Tirol war einstmals ein sehr sicheres Land. Aber die Zeiten ändern sich. Wie sich freilich Russland entwickeln wird, wissen wir nicht. Ein gewisses Risiko gibt es überall.
Jedenfalls habe ich als Alternative zum Westen (sozusagen Plan B) für unsere Familie in Samara eine Wohnung in guter Lage gekauft. Momentan sind wir am Einrichten (derzeit in Samara).
Was ich vom Westen halte, darüber will ich hier gar nicht schreiben.

Jetzt habe ich die Frage nicht vollständig beantwortet: wir haben derzeit zwei Wohnsitze, die Stadtwohnung in Samara und unser Landhaus in Tirol. Und ob wir endgültig nach Russland auswandern? Solche Szenarien sind mir schon durch den Kopf gegangen. Nur: wovon sollen wir in Russland leben? Wir können ja kein Geld nach Russland überweisen. Wir müssten ständig hin und herfliegen, um Bargeld (in Dollar) mitzunehmen. Alle Tricks, um doch nach Russland Geld überweisen zu können, sind mir viel zu kompliziert.
Taiga_Wolf
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Re: Privet aus Deutschland

Beitrag von Taiga_Wolf »

Kann Dich allzu gut verstehen. Wir haben dieselben Beweggründe, warum uns solche Dinge durch den Kopf schießen und zu immer konkreteren Planungen werden. Frei nach dem Motto "Wir wollen vorbereitet sein", um hier schnellstmöglich die Düse machen zu können. Auch ich bange um die Sicherheit meiner Tochter und möchte ehrlich gesagt immer weniger, dass meine Tochter mit den hier inzwischen so populären "Werten" aufwächst.

Du weißt sicher, was ich meine. Sie wird auf keinen Fall eine ähnlich unbeschwerte Kindheit wie ich erleben können. Dieses Land gibt es leider nicht mehr in der Form.

Aber auch ich will nicht zu politisch werden, meine Sichtweise dürfte durchgeschimmert haben.

Bezüglich dem Geld verdienen wären wir in einer relativ komfortablen Situation und könnten im Familienbetrieb in Russland unterkommen. Aber auch aus Deutschland würde zusätzlich Geld fließen. Überweisungstechnisch funktioniert doch noch die Raiffeisenbank meines Wissens nach. Anderenfalls einfach ein Konto im nächsten Türkei-Urlaub oder sonstwo aufmachen. Gibt Wege, die am Ende gar nicht so kompliziert sind. Geht ja heute alles online nach der Eröffnung.

Auf jeden Fall sehr spannend -und gleichzeitig beängstigend- zu sehen, dass andere Leute genau dieselben Probleme und Gedankengänge beschäftigen.
Charles
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Re: Privet aus Deutschland

Beitrag von Charles »

Re Wolf,

Ich glaube sehr gut zu verstehen, was Du meinst. Dazu müssen wir nicht einmal allzusehr ins Detail gehen. Wir können gerne in Kontakt bleiben. Was unsere Situation hier in Tirol anbelangt: wir leben auf dem Land. Und da ist - noch - so etwas wie Tiroler Heimat spür- und erlebbar. Im Herbst kommt unsere Kleine in die Volksschule. Auch diese ist, jedenfalls im Augenblick noch, intakt. Dazu kommt noch, dass ich eigentlich am Haus meiner Vorfahren, selbst am kleinsten Baum und Strauch, doch sehr hänge. Das alles aufgeben würde ich erst, wenn hier bei uns alles zusammenbricht. Nur kann ich ein solches Szenario leider nicht ausschließen. Bei unserer politischen Elite muss man leider beobachten: die schaffen das.
Und wenn es soweit ist, will ich vorbereitet sein. Wer sich dann erst um eine Alternative umschaut, der kommt zu spät. Aber ich habe schon zu viel geredet ...
Taiga_Wolf
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Re: Privet aus Deutschland

Beitrag von Taiga_Wolf »

Allzu verständlich und exakt die gleiche Situation wie bei uns. Mich hält auch nur noch das Haus meiner Eltern hier und ebenfalls das noch intakte Dorfleben. Bin extra aus einer größeren Stadt wieder zurück aufs Land zu meinen Wurzeln gezogen, weil ich es dort nicht mehr ausgehalten habe.

Alles einfach nur traurig, wenn ich darüber nachdenke.

Gerne können wir in Kontakt bleiben. Unsere Situationen scheinen sich auch sehr zu ähneln...
Charles
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Re: Privet aus Deutschland

Beitrag von Charles »

Jetzt fällt mir noch etwas ganz praktisches ein: wenn es um die Frage geht, wo die Apostille drauf muss, dann frage am besten die gerichtlich beeidigte Übersetzerin. Die hat dauernd mit diesem Kram zu tun und kann Dir das genau sagen.
Taiga_Wolf
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Re: Privet aus Deutschland

Beitrag von Taiga_Wolf »

Das ist ein guter Tip, danke. Werde ich tun. Irgendwie habe ich damals auch meine Frau nach Deutschland bekommen, also kriegen wir das auch noch irgendwie hin. Wenn ich dran denke, was einem da alles für Knüppel zwischen die Beine geworfen wurden...
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