Akademiker und Universitäten

Wer von den seichten Gewässer des Rus-POP in die Tiefen der Wissenschaft vordringen möchte, findet hier sein Terrain. Literatur, Bildende Kunst, Musik, Kinematografie und alles was intellektuellen Background hat kann hier diskutiert werden.
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Schwabe
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Re: Akademiker und Universitäten

Beitrag von Schwabe »

Xottabych hat geschrieben: Aus dem selben Grund werden dann auch teilweise sehr renommierte Wissenschaftsjournale auf breiter Basis nahezu ignoriert - denn die sind ja allesamt in englischer Sprache verfasst.
Ich gebe dir bei deinen Argumenten absolut Recht. V.a. das oben genannte ist ein Problem. Gerade auch bei der Forschung, die auch das westliche Ausland interessiert, stehen manche Wissenschaftszweige hinten an, da über Jahrzente eine Kommunikationsmangel herrschte. So darf ich mir nun alles selbst übersetzen :?
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Re: Akademiker und Universitäten

Beitrag von Schwabe »

Xottabych hat geschrieben: sondern vor allem darum, weil gerade junge Dozenten selbst Geld für dies und das brauchten, und daher gerne auf die entsprechenden Deals eingingen.
Eine Bekannte macht Hausarbeiten in Deutsch für andere Kommilitonen für Geld. Ist das auch normal in Russland?
Nikolaus
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Re: Akademiker und Universitäten

Beitrag von Nikolaus »

Nun, das ist wohl eine russische Spielart hiervon
http://www.wissenschaftsberater.com/?gc ... zAodOTcDqg
(Werbung hier im Russland-Forum) :)

Ansonsten stimme ich Uwe zu. Meine alten Freunde, die an namhaften Moskauer Hochschulen lehren, sind auch "genoetigt" Vorlesungen an mehreren Hochschulen zu halten...
Sie haben so schon ein einigermassen vernuenftiges Einkommen. Fuer die Forschung bleibt ihnen aber nicht so viel Zeit, wie sie sich wuenschen wuerden.
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Schwabe
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Re: Akademiker und Universitäten

Beitrag von Schwabe »

Ich glaube sie macht das eher unter der Hand..
Ich meine, besser so Geld zu verdienen, als anderswie...
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Xottabych
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Re: Akademiker und Universitäten

Beitrag von Xottabych »

Schwabe hat geschrieben:Ich meine, besser so Geld zu verdienen, als anderswie...
Das sehe ich aber anders. Deine Bekannte verzerrt den Wettbewerb und trägt dazu bei, ehrliches Verhalten zu bestrafen. Das Bildungssystem erodiert, und der Korruption wird Vorschub geleistet. So etwas sollte sofort und strikt unterbunden werden. Dabei ist es egal, ob wir nun von Deutschland oder Russland sprechen.

Außerdem: Ist es denn schlimm, in einer Großküche abzuwaschen, oder im Kino Karten abzureißen? Oder ist Deine Bekannte bereits graduiert, und weiß tatsächlich nichts besseres mit ihrem Abschluss anzufangen?
Nikolaus
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Re: Akademiker und Universitäten

Beitrag von Nikolaus »

Nun, es handelt sich da sicherlich mehr um eine wenig bedeutsame Wettbewerbsverzerrung zwischen den "Massen"-Studenten.
Die wirklichen Talente sind dadurch kaum benachteiligt. Schon eher durch solche Erscheinungen wie Protektion oder bildungsblockierende soziale Benachteiligung, durch die leicht auf fuer die Wissenschaftsentwicklung wichtige Positionen weniger geeignete Leute gelangen...
Das sind aber sicherlich globale Erscheinungen, die es immer und ueberall gab. Russland-spezifisch ist da hoechstens, dass das weniger scheinheilig als traditionell in Europa erfolgt...
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Re: Akademiker und Universitäten

Beitrag von Schwabe »

Xottabych hat geschrieben: Ist es denn schlimm, in einer Großküche abzuwaschen, oder im Kino Karten abzureißen? Oder ist Deine Bekannte bereits graduiert, und weiß tatsächlich nichts besseres mit ihrem Abschluss anzufangen?
Nein, sie studiert noch. Abends Studium, tagsüber full-time job mit einem wenig erfreulichen Gehalt. Da hat sie sich entschieden für eine Kommilitonin das zu machen und ihr Wochenende dafür draufgehen zu lassen.
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Re: Akademiker und Universitäten

Beitrag von Xottabych »

Der Kinokartenabreißer opfert seine Abende, der Hiwi seine Nachmittage, und wieder andere schneiden Hecken bei Landschaftspflegeunternehmern etc. Das liegt nun einmal in der Natur des Arbeitens.

Wenn ein Dozent Geld dafür nimmt, einem Studenten eine unverdiente Eins für ein Zachet zu gewähren, so ist das auch "nur" ein Einzelfall und eher unbedeutend (und im Vergleich dazu ist die Wettbewerbsverzerrung durch Ghostwriting tatsächlich von anderer Qualität) - aber das sind Einzelfälle in der Regel eigentlich immer. Es ist keine Katastrophe - aber es ist auch keine Entschuldigung für eindeutig falsches Verhalten. Das Problem ist: Es ist wie bei einem Livekonzert; sobald irgendwo einer aufsteht, müssen alle noch sitzenden ebenfalls aufstehen, wenn sie etwas sehen wollen. Darum sollte man dieses Verhalten nicht akzeptieren.

Aber wenn schon das Stichwort "soziale Bildungsbenachteiligung" zur Sprache gebracht wird - genau darauf würde die Salonfähigkeit von Ghostwriting aller Voraussicht nach hinauslaufen: Wer die Kohle hat, der kauft seine Eins. Wer nicht, der kann noch ein wenig mehr arbeiten gehen. Oder eben fleißig weitermachen und hoffen, dass die Betrüger irgendwann auf die Nase fliegen (und vielleicht dabei zusehen, wie diese sich in der Zwischenzeit noch ein paar Schlüsselqualifikationen abholen, weil sie die Zeit dazu haben). Der Druck, irgendwie Geld beschaffen zu müssen, wird zudem insgesamt nicht verringert, wenn Ghostwriter mitverdienen können.

Das kann man übrigens alles par excellence in Russland beobachten. In Stoßzeiten sind bei uns -zig Leute kreuz und quer durchs Wohnheim gelaufen auf der Suche nach ein paar hundert Rubel für die Zachety - alle außer denen, die zu ehrlich waren, oder denen, die genug Geld hatten, weil sie arbeiteten, oder die von Haus aus besser ausgestattet waren (und die wohnten normalerweise nicht bei uns).
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Re: Akademiker und Universitäten

Beitrag von Schwabe »

Ich verstehe deine Haltung. Das Prinzip ist auch richtig. Aber bei dem was in Russland nunmal abläuft, was kann man ändern? Würden die mehr verdienen, würde sich das Problem auch erledigen, da würden arme Studenten auch das nicht mehr machen.
Jedoch existiert das Problem überall wo zu viel Geld da ist: Ich wurde auch mal von einem Mädchen angehauen, ob ich nicht ihr einen Teil ihrer Master-Arbeit schreibe - für umgerechnet 60€/ Stunde. Nun, da war sie bei mir an der falschen Adresse, da ich der Auffassung bin, man kann sich seinen Titel nicht erkaufen. Dann ist sie zu nem anderen gegangen, der gefügig war. Das soll nun kein moralisches Heldenepos sein. Ich fühle mich nur moralisch richtig. Aber was wäre, wenn ich auch am Existenzminimum wäre? Was würde ich tun neben der Arbeit? Da würde ich das tun, was ich am besten könnte.

Versetze dich bei deiner Beurteilung auch mal in diese Lage hinein.

Der Tag hat nur 24 Stunden. Neben Studium und Arbeit ist nunmal die Zeit rum.
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Re: Akademiker und Universitäten

Beitrag von Xottabych »

Ein angemessenes Gehalt wäre auf jeden Fall ein sehr gutes Mittel, gegen Korruption vorzugehen, das sehe ich wie Du. Aber ob es damit getan wäre? Korruption (im weiteren Sinne) ist ein Rad, das nur schwer zurückgedreht werden kann. Korruption ist irgendwann institutionalisiert. Man gewöhnt sich daran, und glaubt, es müsse so laufen, weil man sonst benachteiligt würde. Korruption ist wie ein Krebs an der Gesellschaft. Darum ist es wichtig, sie erst gar nicht aufkommen zu lassen. In Russland haben wir Menschen zwischen 20 und 30, die mit dieser Korruption aufgewachsen sind - viele von denen finden es normal, für dies und das draufzulegen, und dafür bei anderen Gelegenheiten eben fairerweise auch die Hand aufhalten zu dürfen - so zumindest mein Eindruck. Solche Leute biegt man wahrscheinlich nie wieder gerade.

Um hier beispielsweise nochmal Deine Bekannte heranzuziehen: Du meintest ja, sie schreibe für Kommilitonen Hausarbeiten "in Deutsch", und fragst, ob es so etwas in Russland auch gebe. Ich schließe daraus, dass Deine Bekannte in Deutschland studiert. Du hast außerdem geschrieben, sie arbeite tagsüber Vollzeit. - Sorry, aber irgendwie kann ich unter diesen Voraussetzungen nicht glauben, dass sie dann erstens selbst bei einem niedrigen Gehalt ihr Studium nicht finanzieren kann, und dass es dazu zweitens keine Alternative gibt, als ein Zubrot mit Ghostwriting zu verdienen. Ich glaube, sie nimmt jetzt offenbar schon solche Möglichkeiten wahr, ohne es wirklich zu müssen; und wenn sie solche Jobs öfter annimmt, wird sie sich daran gewöhnen, und die Hemmschwelle für ähnliche Geschäftchen könnte bei ihr weiter absinken. Ich denke darum, hier bräuchte es einen Schuss vor den Bug.

Erschwerden hinzu kommt in diesem konkreten Fall übrigens noch, dass Leistungen von Hausarbeiten sehr wichtig werden können, wenn es um Stipendien geht. Ohne Empfehlungsschreiben hat man da keine Chance (was für Post-Graduates umso mehr gilt!). Diese bekommt man maßgeblich nach Anfertigung sehr guter Hausarbeiten.

Um hier keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Wir sind keine Heilige und sitzen wahrscheinlich alle in Bezug auf Irgendetwas im Glashaus. Aber gerade in Bezug auf alltägliche Korruption hat mich Russland dermaßen angepisst...
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