paramecium hat geschrieben: 06 Mai 2025, 18:33
Wie man 1121-1495€ als untere Mittelschicht verkaufen kann versteh ich aber überhaupt nicht. Der Mindestlohn beträgt etwa 2100€/Monat, bleiben rund 1500€/Monat netto. Mit Mindestlohn wäre man dann also Mittelschicht?
Aber wer soll denn die normale Mittelschicht sein, wenn nicht der von mir als Beispiel genannte Straßenbahnfahrer? Ein Beruf mit Verantwortung, mit Schichtdienst, kann nicht jeder Dödel machen, aber zugleich auch keine Raketenwissenschaft. Und der liegt ja genau am unteren Ende der normalen Mittelschicht aus dieser Statistik. Und wenn man seinen Lohn anhebt, dann steigen für alle anderen aus der Mittelschicht wieder die Lebenshaltungskosten, weil vor allem diese die Straßenbahn nutzen.
fugen hat geschrieben: 06 Mai 2025, 21:48Noch vor ca 25 Jahren konnte eine Familie mit 4 Kindern, der Mann idr Alleinverdiener, ein Haus Bauen, in Urlaub fahren und alle zehn Jahre ein neues Auto kaufen. Heute muss ein Alleinverdiener Wohngeld beantragen und geht trotzdem schuften.
Diesen Alleinverdiener würde ich gern mal sehen. Also meine Familie hat so nicht gelebt.
Meine Eltern haben beide Vollzeit gearbeitet, in vernünftigen Jobs, ich war das einzige Kind. Es ging uns gut. Urlaub, Auto und so weiter waren möglich. Anschaffungen wie der erste Computer oder ein besserer Fernseher wurden sorgfältig abgewogen und waren keine Kosten, die wir uns so nebenher leisten konnten. Im Urlaub war nicht jeden Tag ein Restaurantbesuch möglich. Für ein Haus hätte es gerade so gereicht, dann wäre aber kein Urlaub mehr drin gewesen.
Aber hätte ich noch drei Geschwister gehabt und wäre meine Mutter nicht arbeiten gegangen: Vergiss es! Undenkbar. Und auch nirgends in meinem Freundeskreis lief es so.
Und ich wüsste auch nicht, wo es jemals massenhaft anders war. Sicher gab es Ausnahmen, der Polier bei Mercedes Benz vielleicht, etc. Oder körperlich sehr fordernde Berufe, die es so heute gar nicht mehr gibt. Oder eben eine geerbte Immobilie, somit Start ins Leben ohne Mietkosten, und damit Puffer für einen Aufstieg.
Kas23P hat geschrieben: 07 Mai 2025, 01:16Also dieser "höhere Standard" als früher empfinde ich garnicht so als Preistreiber was die Lebenshaltungskosten angeht. Man kann auf einiges auch bewusst verzichten und sparen. Was ich schon vor Jahren und jetzt noch schlimmer finde sind die Fixkosten von Standardingen wie Gebühren für z.B. Wasser oder Strom oder was die Stadt/Gemeinde verlangt oder auch alles rund um das KFZ.
Ich empfinde es als Kombination.
Beispiel Auto - über die Sicherheit, die Ausstattung und das Fahrgefühl unseres Toyota Corolla 1991 würde man heute wohl müde lächeln. Und es gibt diese Option eigentlich auch gar nicht mehr, wird nicht mehr gebaut. Und selbst die billigsten chinesischen Kisten müssten auf die europäischen Mindestanforderungen angepasst werden. Sind diese alle sinnvoll? Ist es gut, dass ein Spurhalteassistent nun vorgeschrieben ist? Vermutlich ja. Rückfahrassistent? Vermutlich nein.
Beispiel Nahverkehr - klar ist die Niederflur-Straßenbahn mit Klimaanlage angenehm. Und viele Fans nostalgischer Straßenbahnen schätzen die alten Tatra (Ost) oder Düwag (West) - aber ehrlich, damit lockt man heute keine Leute mehr zum ÖPNV. Aber ohne ÖPNV würden die Innenstädte im Stau ersticken, wir brauchen also attraktive Straßenbahnen. Und dies ist ja keine Erfindung irgendwelcher woken Grünen-Politiker, auch in Russland setzt man ja nun mehr und mehr auf moderne Niederflur-Fahrzeuge und beginnt in Moskau sogar, Strecken zu reaktivieren.
Beispiel Mobilfunk - klar, unverschämt teuer in Deutschland. Aber warum? Weil wir eben nicht wie in Novosibirsk von Haus zu Haus, von Antennenmast zu Antennenmast ein Kabel spannen, sondern optisch schön alles in der Erde verbuddeln. Wollen wir allerorten Kabelsalate, wie man sie aus asiatischen Städten kennt wirklich?
Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen ...