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Städtepartnerschaften Deutschland-Russland
Verfasst: 13 Apr 2026, 22:28
von Jenenser
Am Wochenende weilte ich doch mal wieder in Erlangen, Freistaat Bayern.
Am Freitag zum Konzert in der Heinrich-Lades-Halle und am Sonnabend bei herrlichem Sonnenschein mit einer Maß am Entlas-Keller.
Aus einen Nachbarthema: „deutschsprachige Kontakte in Sotschi gesucht“ vom 21 Okt 2025:
Wladimir30 hat geschrieben: 21 Okt 2025, 20:01
Wladimir hatte eine sehr lang andauernde Städtepartnerschaft mit Erlangen (1986 - 2022), und sie war auf vielen Ebenen sehr aktiv. Wirtschaft, Politik, Kultur, Sport, regelmäßigen Schüler- und Studentenaustausch - ständig fuhren Gruppen hin und her, und praktisch jedesmal stand ein Besuch im jeweiligen Rathaus auf dem Programm, bei dem der entsprechende OB anwesend war. Über fehlende Kontakte und wohlwollend aktive Unterstützung konnte man sich wahrlich nicht beklagen, sowohl auf der offiziellen Linie als auch im privaten Bereich.
Die Stadt Erlangen suchte bereits vor über 40 Jahren eine Partnerschaft mit einer Stadt in Thüringen. Doch erst 1987 sollte es soweit sein. Auf den Tischen der Rathäuser standen dann Wimpel der Städte Jena und Erlangen aber auch die der zwei deutschen Staaten. Diese Städtepartnerschaft blühte in der Anfangszeit auf keinen Fall so, wie die oben beschriebene Wladimir - Erlangen.
Als die DDR Ende 1989 in innenpolitische Schwierigkeiten geriet, fuhr Erlangens Oberbürgermeister in unsere Stadt und traf sich noch vor den offiziellen Gesprächen im Jenaer Rathaus mit außerparlamentarischen Oppositionellen. Diese mussten übrigens nicht lange bekehrt werden und übernahmen nach dem Zusammenbruch der staatlichen und politischen Ordnung kurze Zeit später als Sozialdemokraten wichtige Posten in unserer Stadt.
Ein Partnerschaftsbeauftragter der Stadt Erlangen berichtete dann wohl irgendwann auch mal bei uns von einer seit Jahren bestehenden russischen Partnerstadt. Jena sollte da wohl mit einsteigen, so als Dreieck Erlangen – Wladimir – Jena. Vor unserer Stadt stehen an den Zufahrten Säulen mit den Namen aller Partnerstädte. Wladimir ist bis heute nicht aufgelistet. Auch in den Jenaer Medien wurde (wird?) kaum über Ergebnisse der im Jahr 2008 unterzeichneten "Kooperationsverinbarung" berichtet.
Im Biergarten in Erlangen las ich vorgestern auf den Erlanger-Stadtseiten folgende Kurzinformation und erinnerte mich an die o.g. Ausführungen von Wladimir30, die ja in der Vergangenheitsform formuliert wurden:
„Wegen des Angriffskriegs der russischen Armee auf die Ukraine beschränken sich die Kontakte seit dem 24. Februar 2022 auf die Zivilgesellschaft und die Verbindung zum Erlangen-Haus.“
Mehr gibst also zu diesem Projekt nicht mehr zu berichten? Doch weit gefehlt? Der Partnerschaftsbeauftragte, der wohl sehr gut Russisch spricht, lässt auf seinem öffentlich einsehbaren Privataccount alle Hemmungen fallen und so fliegen mir Worte entgegen, wie: „Meister des Todes im Kreml, Fluch und Schande über diese Russen!, russische Schlachtfest in der Ukraine, russische Gewaltphantasien bis Уы, я думаю, что большинство народа за политику Кремля, Putinstan...“ und dann die Gewissheit: „Ja, wir schaffen das auch gemeinsam bis zum Sieg der Ukraine!“
Was ist denn da los? Welche deutsche Städte pflegen eigentlich noch ihre Partnerschaften zu den russischen? Liegen sie nur auf Eis oder wurden sie beendet? Als ich das zweite Mal, nach 1986, im Jahr 2017 Wladimir besuchte, benötigte ich keine politisch-motivierte Städtepartnerschaft. Freunde und Bekannte am Ural mit unterschiedlich Ansichten wollen weiterhin mit mir diskutieren und schätzen ein, dass zwischen unseren Völkern nicht alles verloren ist. Ukrainer treffe ich hier auf Tritt und Schritt. Sie sind mir nicht unangenehm.
Noch etwas zum Nachdenken aus dem Nachbarthema: „deutschsprachige Kontakte in Sotschi gesucht“ vom 22 Okt 2025
Wladimir30 hat geschrieben: 22 Okt 2025, 15:10
AnGro hat geschrieben: 22 Okt 2025, 12:57
Russland ist was Besonderes; aber dafür braucht man sprachlichen und kulturellen Zugang zu den Einheimischen.
Alles richtig. Eine kleine Anmerkung oder Korrektur (aus meiner Sicht). Der sprachliche und kulturelle Zugang ist der zweite Schritt. Der erste Schritt dürfte wohl die BEREITSCHAFT, sich auf eine andere Kulutr einzulassen, sein. Hier kommen zwar immer wieder solche Sprüche wie "Na klar, ist ja logisch, da bin ich natürlich offen für!". Aber wenn es denn so weit ist, und man überall auf Schritt und Tritt auf ungewohnte und aus deutscher Sicht oft falsch anmutende Verhaltensweisen der Einheimiwchen stößt, dann ist bei sehr viele dieses vollmundige Bekenntnis schnell überm Haufen.
Re: Städtepartnerschaften Deutschland-Russland
Verfasst: 14 Apr 2026, 00:49
von AnGro
Jenenser hat geschrieben: 13 Apr 2026, 22:28
Die Stadt Erlangen suchte bereits vor über 40 Jahren eine Partnerschaft mit einer Stadt in Thüringen. Doch erst 1987 sollte es soweit sein.
1987 ist nun auch schon fast 40 Jahre her...
Wie doch die Zeit vergeht.
Re: Städtepartnerschaften Deutschland-Russland
Verfasst: 14 Apr 2026, 07:05
von AnuLeB
Tja, die Zeiten, wo man von hier aus mit verklärtem Blick auf Russland schaute, und sich auf die Suche nach der melancholischen, gastfreundlichen russischen Seele begab, dürfte nun spätestens seit 2022 vorbei sein. Und die Russen haben in den letzten 4 Jahren hart daran gearbeitet, um viele der restlichen Sympathien zu verspielen. Von daher gesehen täte es mich nicht wundern, wenn nun viele Städtepartnerschaften auf Eis liegen.
Re: Städtepartnerschaften Deutschland-Russland
Verfasst: 14 Apr 2026, 07:58
von Wladimir30
Danke, Jenenser, für diesen Beitrag. Ein sehr einfühlsamer und nachdenklich machender Beitrag, den ich aus Sicht "der anderen Seite" (sprich Erlangen) ergänzen möchte.
Ja, die Städtepartnerschaft zu Wladmir war eine Herzensangelegenheit des damaligen OB von Erlangen. Es war die Zeit des Kalten Krieges, Stichwort NATO Doppelbeschluß. Er wollte in diesen Zeiten Brücken zwischen den Bürgern schlagen, was seinerzeit auf Unverständnis stieß. Er wurde deshalb sehr stark dafür angefeindet, und insbesondere die Tatsache, dass Wladimir eines der berüchtigsten Zuchthäuser des gesamten Landes inmitten der Stadt beherbergt, ließ diese Ablehnung nur noch stärker werden.
Als wahrer Glücksgriff erwies sich die Tatsache, dass seit Anbeginn der spätere Partnerschaftsbeauftragte zunächst als Dolmetscher zur Verfügung stand. Wer konnte zu der Zeit schon Russisch? Später wurde speziell für ihn die neue Stelle im Erlanger Rathaus geschaffen, eine Stelle, die er bis zu seiner Pensionierung vor knapp 2 Jahren inne hatte. Er war die treibende Kraft, die die Kärrnerarbeit des Alltags, besonders in den frühen 90er Jahren leistete, wo die Hilfe für das darbende Wladimir ungeahnte Ausmaße annehmen sollte. Etwas, wofür ihm die Ehrenbürgerschaft der Stadt Wladmir verliehen wurde.
Jemand, der aus tiefstem Herzen diese Partnerschaft beseelte und stets weiter vorantrieb... Dieser jemand wandte sich plötzlich von Wladimir ab, die Partnerschaft zerbrach, das Tischtuch wurde unflickbar zerrissen (wie heutzutage gerne gesagt wird, wenn auch in anderem Zusammenhang).Ein Schock, der sehr tief saß und erst langsam zuheilt.
Zu Jena dagegen waren diese Bande nie so tief und auch nicht in der Bevölkerung von Erlangen verankert. Der politische Wille war da, dieser selbige Partnerschaftsbeauftragte übernahm diese Partnerschaft mit, und es sollte eigentlich ein Dreieck werden, was an und für sich eine gute Idee war, die viele Früchte hätte tragen können. Ich persönlich war an der Uni in Jena am Lehrstuhl für Russistik und wir konnten einen Dozentenaustausch einfädeln. Alles in allem gute Ansätze, die auch Früchte trugen. Aber es fehlte der Rückhalt in der Bevölkerung (zumindest in Erlangen, in Jena weiß ich das nicht so sicher). Und irgendwann schlief diese Partnerschaft wohl einfach ein. Sicherlich auch eine Generationenfrage, wie natürlich auch im Austausch zwischen Erlangen und Wladimir. Die Erinnerungen an den Kalten Krieg verblassten, die enormen Hilfsaktionen in den 90er Jahren gerieten in Vergessenheit, die ehrwürdigen Stadtbusse aus Erlangen, ein Geschenk aus Erlangen, die anfänglich bestaunt wurden, wurden zur Selbstverständlichkeit und bald durch kommerziell erworbene Busse aus anderen deutschen Städten ersetzt.
Wie gesagt, Jena konnte diese Verwurzelung in der Bevölkerung Wladmirs nie erreichen, und auch in Erlangen war die Partnerschaft mit Jena mehr eine Kopfgeburt.
Dass nun auch zwischen den Städten Wladimir und Erlangen nichts mehr von der Partnerschaft übrig ist (das sog. Erlangenhaus dümpelt so vor sich hin, die Sprachkurse sind auch nicht sonderlich frequentiert), ist ein Zustand, den noch vor einigen Jahren niemand erwartet hätte und der großes Unverständnis hervorgerufen hat. Insbesondere die brutale Kehrtwende des Spiritus rectus dieser Partnerschaft hat tiefe Wunden geschlagen.
Das Rad der Zeit läuft weiter, es wurden Tatsachen geschaffen, die ein Zurück ausschließen. Was sicherlich schade ist, aber andererseits neue Wege eröffnet. Wollen wir mal hoffen, dass aus den Fehlern gelernt wird und sich eine neue Partnerschaft, die sich zu einer wahren Freundschaft ausweiten kann und sollte, entwickeln kann.
Re: Städtepartnerschaften Deutschland-Russland
Verfasst: 14 Apr 2026, 13:54
von Norbert
Jenenser hat geschrieben: 13 Apr 2026, 22:28Der Partnerschaftsbeauftragte, der wohl sehr gut Russisch spricht, lässt auf seinem öffentlich einsehbaren Privataccount alle Hemmungen fallen und so fliegen mir Worte entgegen, wie: ...
sowie
AnuLeB hat geschrieben: 14 Apr 2026, 07:05Tja, die Zeiten, wo man von hier aus mit verklärtem Blick auf Russland schaute, und sich auf die Suche nach der melancholischen, gastfreundlichen russischen Seele begab, dürfte nun spätestens seit 2022 vorbei sein.
Menschen, welche sich jahrelang für den Austausch engagiert haben, werden leider in die Extreme getrieben.
Die einen sind völlig enttäuscht von Russland, nachdem sie sich viele Jahre für einen friedlichen Austausch der Völker engagiert haben, wurden all die zarten Pflänzchen innert Wochen durch einen unnötigen Konflikt zertrampelt, ohne wahrnehmbaren Nutzen für irgendwen. Menschen, die Russland über Jahre verteidigt und für Verständnis geworben haben, wurden ihrer Argumentation beraubt. Ihre Argumentation war im Nachhinein falsch, sie haben quasi ihr Gesicht verloren. Als Flucht nach vorn verurteilen sie nun Russland, wo es nur geht.
Die anderen sind völlig verstört von der Dämonisierung jeglicher Beziehungen zu Russland, und lassen sich so in eine Rolle treiben, wo sie Russlands Politik kompromisslos verteidigen.
An diesen zwei Lagern zerreiben sich sehr viele Projekte. Und natürlich um so mehr offizielle Programme, wie Städteaustausch, wo noch die große Politik dazukommt.
Es gibt wenige Beispiele des Austauschs, die noch leben. Unser Forum beispielsweise. In Dresden der Verein Kolibri e.V. Oder auch das Deutsch-Russisches Kulturinstitut e.V., auch wenn nach der Streichung der russischen Förderung nun auch die deutsche Seite die Mittel wegnimmt und die Zukunft offen ist.
Dieses Beispiel zeigt übrigens, wie schwierig es ist. Wenn man sich den Hass durchliest, der teils unter
https://www.facebook.com/drkidresden/po ... ZDxxqe5bNl geschrieben wurde, kann man niemandem verübeln, dass er aufgibt. Und da wurde scheinbar schon aufgeräumt ...
Re: Städtepartnerschaften Deutschland-Russland
Verfasst: 14 Apr 2026, 14:49
von Wladimir30
Norbert hat geschrieben: 14 Apr 2026, 13:54
Die einen sind völlig enttäuscht von Russland, nachdem sie sich viele Jahre für einen friedlichen Austausch der Völker engagiert haben, wurden all die zarten Pflänzchen innert Wochen durch einen unnötigen Konflikt zertrampelt, ohne wahrnehmbaren Nutzen für irgendwen. Menschen, die Russland über Jahre verteidigt und für Verständnis geworben haben, wurden ihrer Argumentation beraubt. Ihre Argumentation war im Nachhinein falsch, sie haben quasi ihr Gesicht verloren. Als Flucht nach vorn verurteilen sie nun Russland, wo es nur geht.
Ein sicherlich guter Erklärungsversuch für eine Vielzahl an Partnerschafsprojekten, die gescheitert sind oder abgebrochen wurden.
Hier, in diesem konkreten Fall trifft es aber wohl kaum zu. Die offiziellen Vertreter in Wladimir hatten auf eine Weiterführung der Städtepartberschaft gehofft, da viele Stürme gemeinsam (dieses Wort fiel immer in vielen schwierigen Situationen) durchgestanden wurden, auch bei z.T. großen Unterschieden in der Beurteilung der einen oder anderen Situation. Die Städtepartnerqchaft zwischen Erlangen und Wladimir zeichnete sich in der Tat dadurch aus, dass sie sehr vielschichtig in der Bevölkerung verankert, besser evtl. sogar verwurzelt war. Vereine, politische Parteien, Unternehmen, die gemeinsam etwas aufgebaut und erreicht hatten, und zu guter Letzt viele persönliche Kontakte und Beziehungen, die alle zusammen eine sehr breite Basis für diese Partnerschaft bildeten. Ausgehend von der politischen Führung in Erlangen wurde der offizielle Duktus in Deutschland auch in Erlangen vertreten, wobei die vielen Personen, die auf Erlanger Seite diese Partnerschaft aktiv getragen hatten, ebenfalls diese offizielle Position zumeist unkritisch übernommen hatten. Das war der Punkt, der alle so erstaunt hat, dass selbst enge persönliche Kontakte nicht zu einem differenzierteren Bild geführt hatten. Der nun häufig genannte Partnerschaftsbeauftragte hat aus persönlichen Gründen, die ich hier bewußt nicht ausführen möchte, das alte Bild vom bösen Russen hervorgekramt und ebenfalls in dieses Horn gestoßen. Auch frühere private politische Äußerungen von ihm (nicht im Zusammenhang mit Russland) ließen schon Arges befürchten.
Bitte mich nicht falsch verstehen. Wir sind auch heute noch befreundet, wir wissen genau, welche Themen oder Ausdrücke wir in unserem Austasuch außen vor lassen müssen (und auch wollen), ich versuche nur zu abstrahieren. Die Argumente von Norberr treffen hier nur unzureichend zu. Weder hatte die Städtepartnerschaft "zarte Pflänzchen", die "zertrampelt" wurden, noch wurde jemand seiner Argumente pro Russland beraubt, weil 40 Jahre intensiver Freundschaft und Austausches immer noch genügend Argumente hätten zur Verfügung stellen können. Allein es fehlte der Wille auf Erlanger Seite. Viele offizielle und inoffizielle Versuche während der ersten Wochen und vielleicht noch Monate, über die vielen bestehenden Kanäle sich dieser Argumente zu besinnen, wurden leider allesamt abgeschmettert. Dieses widersprach leider ganz klar dem Partnerschaftsvertrag, in dem eindeutig darauf hingewiesen wurde, dass unterhalb der offiziellen Politik die persönlichen Kontakte den Austausch prägen sollten. Diese Kontakte wurden einseitig eingestellt.
Klar, jetzt kommt das Argument, dass Russland selber schuld daran hat und nicht jammern soll. Es jammert auch keiner in Wladimir, ich gebe hier meine eigene Meinung wider. Und wenn es heißt, daß Russland selber schuld ist, dann geht es hier um Wladimir und deren Einwohner. Von Erlanger Seite aus wurde eindeutig und unzweifelhaft gefordert, dass sich die Wladmirer politische Führung ohne Wenn und Aber von der offiziellen Position Moskaus distanzieren solle, andernfalls werde die Partnerschaft einseitig aufgekündigt. So kam es dann ja auch. Die Idee der Städtepartnerschaften (zwischen Deutschland und Russland allein knapp 70, von denen die meisten derzeit ruhen), die zwar in lockerer Form, aber dennoch im Kern die gleichen Ziele formuliert haben, muss damit als gescheitert angesehen werden.
Re: Städtepartnerschaften Deutschland-Russland
Verfasst: 14 Apr 2026, 15:34
von AnGro
Norbert hat geschrieben: 14 Apr 2026, 13:54
Die einen sind völlig enttäuscht von Russland, nachdem sie sich viele Jahre für einen friedlichen Austausch der Völker engagiert haben, wurden all die zarten Pflänzchen innert Wochen durch einen unnötigen Konflikt zertrampelt, ohne wahrnehmbaren Nutzen für irgendwen. Menschen, die Russland über Jahre verteidigt und für Verständnis geworben haben, wurden ihrer Argumentation beraubt. Ihre Argumentation war im Nachhinein falsch, sie haben quasi ihr Gesicht verloren. Als Flucht nach vorn verurteilen sie nun Russland, wo es nur geht.
Die anderen sind völlig verstört von der Dämonisierung jeglicher Beziehungen zu Russland, und lassen sich so in eine Rolle treiben, wo sie Russlands Politik kompromisslos verteidigen.
Ich denke wir müssen hier differenzieren, mir scheint es ist nicht ganz so einfach. Verstört ist vielleicht eine ganz treffende Zustandsbeschreibung - aber deswegen die aktuelle Politik kompromisslos verteidigen? Oder die beschriebene Flucht nach vorn mit der Verurteilung der Politik, wo es nur geht? Beides ist oft zu beobachten, auch hier im Forum, aber hilft das irgendjemandem? Immerhin müssen wir "danach" ja auch wieder einen Weg zueinander finden. Oder glaubt ernsthaft jemand, dass es "danach" nur noch eine Seite gibt und man sich daher jetzt benehmen kann, als gäbe es kein morgen?
Re: Städtepartnerschaften Deutschland-Russland
Verfasst: 14 Apr 2026, 18:03
von Wladimir30
AnGro hat geschrieben: 14 Apr 2026, 15:34
Immerhin müssen wir "danach" ja auch wieder einen Weg zueinander finden.
Richtig! Und genau hier müssten die Städtepartnerschaften einspringen. Die wären per se prädestiniert dafür, diese Politik der kleinen Schritte zur Annäherung von verhärteten Positionen umzusetzen.
Re: Städtepartnerschaften Deutschland-Russland
Verfasst: 14 Apr 2026, 18:42
von Norbert
AnGro hat geschrieben: 14 Apr 2026, 15:34Beides ist oft zu beobachten, auch hier im Forum, aber hilft das irgendjemandem? Immerhin müssen wir "danach" ja auch wieder einen Weg zueinander finden. Oder glaubt ernsthaft jemand, dass es "danach" nur noch eine Seite gibt und man sich daher jetzt benehmen kann, als gäbe es kein morgen?
Natürlich. Es ist oft zu beobachten, aber ich gebe Dir völlig Recht, wir sollten nicht nur danach, sondern auch jetzt miteinander reden. Wir müssen uns dabei ja nicht einmal einig sein, darauf können wir "danach" hoffen. Aber ohne miteinander zu reden, gibt es im schlimmsten Fall nie ein "danach".
Und unser Forum ist ein kleiner Beitrag, dass es zumindest für einige, die den Wunsch danach haben, eine Plattform gibt. Klingt arg nach Pathos, ist aber gar nicht so gemeint. Man tut halt, was im Rahmen der eigenen Möglichkeiten realistisch ist. Auch wenn es nur ein winziger Tropfen auf den gigantischen heißen Stein ist.
Re: Städtepartnerschaften Deutschland-Russland
Verfasst: 14 Apr 2026, 19:00
von AnuLeB
AnGro hat geschrieben: 14 Apr 2026, 15:34
..... Immerhin müssen wir "danach" ja auch wieder einen Weg zueinander finden. Oder glaubt ernsthaft jemand, dass es "danach" nur noch eine Seite gibt und man sich daher jetzt benehmen kann, als gäbe es kein morgen?
Wie es "danach" weiter geht, wird einzig und alleine an Russland selber liegen. Herrscht dort weiterhin eine Diktatur, vielleicht auch nebst hybriden Angriffen auf die westliche Welt und weiteren Propagandaattacken in den offenen, westlichen Gesellschaften, wird es weiterhin eine Eiszeit geben. Selbst dann, wenn es dort sowas wie eine liberale Diktatur, oder gar demokratische Strukturen geben sollte, wird ein mögliches Miteinander mit ziemlich viel Misstrauen durchsetzt sein.
Auf gar keinem Fall vergessen ist das Russland unter Gorbatschow, welches die deutsche Wiedervereinigung ermöglicht hatte. Das heutige Russland hat nur gar nichts mehr mit dem damaligen Russland gemein.
Nicht vergessen sollte Russland, dass die Wiedervereinigung fürstlich entlohnt worden ist. Auch nicht vergessen sollte man die große Spendenbereitschaft der deutschen Bevölkerung, welche der russischen Bevölkerung mit reichlich vielen Care Paketen und auch finanziellen Hilfen durch die schwere Zeit des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandels geholfen hat. Ich denke schon, dass die westliche, insbesondere auch die deutsche Welt, den Russen mit viel Offenherzigkeit, Spendierfreudigkeit, Gastfreundschaft und diversen Kooperationsangeboten entgegengetreten ist.
Zu guter Letzt ist dieses Verhalten von den Russen als Schwäche und Demütigung Russlands durch den Westen ausgelegt worden. Nicht nur das. Man musste mit entsetzen feststellen, dass sich in Russland sowas wie ein moderner Faschismus breitgemacht hat. Dieser führte dazu, dass Russland erwartet hat, dass deren Vorstellungen im westlichen Europa respektiert werden. Grundlage des russischen Vorgehens, ist der Anspruch Russlands, eine Weltmacht zu sein. Nur, Russland war noch nie eine Weltmacht, und wird es vorraussichtlich auch niemals sein. Dazu braucht es eben mehr, außer eine große Landmasse, exorbitant viele Atomsprengköpfe und ein großes Militär, welches offenkundig ziemlich schwach ist.