Gas - wie geht es weiter?

Debatte zu den Konflikten in der Ukraine. Wir bitten insbesondere hier um eine zivilisierte Kommunikation. Aus schlechter Erfahrung beschränken wir jedoch auch bei diesem Thema die Zugriffe auf jene Benutzer, die explizit an der Diskussion teilnehmen möchten, wie bereits im "Politischen Forum".
Nikolaus
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 2499
Registriert: 19 Nov 2008, 14:25

Re: Gas - wie geht es weiter?

Beitrag von Nikolaus »

Axel Henrich hat geschrieben: 31 Mär 2022, 13:10 Nach den neuesten Erklärungen verstehe ich eigentlich das ganze Theater nicht mehr, also auch von russischer Seite ...
Hm, ich auch nicht wirklich.

Das Vertrauen ist eben durch die kuerzlichen Handlungen dahin. Z.B. wenn der Westen von heute auf morgen Aktiva der russischen Zentralbank einfrieren kann (=seine "Schulden" in Hoehe von rund 300 Mrd. nicht bezahlt) sowie einen grossen Teil der russischen Banken von SWIFT ausschliesst, alles einfach "kraft seiner Wassersuppe", dann kann er auch bedenkenlos im naechsten Moment die "Schulden" an Gazprom fuer ja vorab bereits geliefertes Gas einfrieren. Ist ja kein Problem, auch die Gazprombank in SWIFT zu blockieren ... Heute konnte man ja lesen, dass die Frist fuer das im Maerz gelieferte Gas der 01. April ist.
Und ein Vorwand findet sich immer, z.B. hat die Gazprombank natuerlich nicht selbst die fuer die Konvertierung benoetigten Rubel - die kriegt sie ueber die Boerse (Kaeufer Zentralbank!) oder eben "direkt" von der Zentralbank. Da laesst sich leicht ein Verstoss gegen Sanktionen stricken, man muss es nur wollen.
Wie voellig "regellos" mittlerweile da vorgegangen wird, erleben wir selbst im Kleinen ja jeden Tag - vorgestern konnte man Geld ueber Koronapay ueberweisen und in Rubeln erhalten, gestern nicht ...

Bemerkenswert ist ja die Forderung der westlichen Falken auf Betreiben der Ukraine, nun Ru voellig von Europa zu isolieren, durch Stop jeglichen Waren- und Personenverkehrs ueber die Grenze zu Polen und zum Baltikum. Noch vor 1-2 Wochen haette ich nicht fuer moeglich gehalten, dass so etwas doch auch fuer uns mit enormen Verlusten und Verzicht Verbundenes, ueberhaupt betrachtet wird. Aber so wie sich die Spirale jetzt dreht ...
kamensky
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 3772
Registriert: 13 Apr 2009, 07:52
Wohnort: 620100 Ekaterinburg / CH-8200 Schaffhausen

Re: Gas - wie geht es weiter?

Beitrag von kamensky »

ATTN @all: Ich bin weder der Verfasser noch ein Redaktionsmitarbeiter von der/den vorstehenden Verlinkung/en.
Nikolaus
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 2499
Registriert: 19 Nov 2008, 14:25

Re: Gas - wie geht es weiter?

Beitrag von Nikolaus »

Hm, das war es wohl - der Ukas ist unterschrieben, und man kann nun nachlesen, wie Ru sich die Bezahlung von Gaslieferungen "an den Westen" nun vorstellt.
https://tass.ru/ekonomika/14243381
Der Kaeufer muss somit in der Gazprombank ein spezielles Devisen- und ein spezielles Rubelkonto eroeffnen, auf das Devisenkonto den entsprechenden Rechnungsbetrag z.B. in Euro ueberweisen, eine Konvertierung auf das Rubelkonto initiieren und von dort aus den resultierenden Rubel-Betrag auf ein Rubel-Konto des Verkaeufers bei der Gazprombank ueberweisen. Die Konvertierung fuehrt die Bank ueber die Moskauer Boerse aus.

Na, da bin ich aber jetzt gespannt, was nun losgeht. Es ist schon zum Fuerchten.
willi
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 1253
Registriert: 28 Mär 2018, 14:01
Wohnort: Nizhnij Novgorod

Re: Gas - wie geht es weiter?

Beitrag von willi »

Kenne mich da nicht so aus, aber lese immer dass die $/€ Zahlungen auf irgendwelche Konten gehen auf sie Russland sanktionsbedingt keinen Zugriff hat.
Also ich kaufe dir dein Auto ab und zahle auf mein eigenes Konto. Würdest du mir den Autoschlüssel geben?
Oder habe ich da einfach etwas falsch verstanden?
In Wirklichkeit ist die Realität ganz anders
Benutzeravatar
Axel Henrich
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 5782
Registriert: 16 Aug 2004, 20:38
Wohnort: Gera - Thueringen / Rasskasowo - Tambowski Oblast

Re: Gas - wie geht es weiter?

Beitrag von Axel Henrich »

Nikolaus hat geschrieben: 31 Mär 2022, 18:27Na, da bin ich aber jetzt gespannt, was nun losgeht.
Na mal schauen ... Wird ja dann vermutlich analog auch bei anderen Gütern so, oder ähnlich gehandelt?! Obwohl bei Getreide die Sanktionen inzwischen wieder gelockert werden.

Boah Gesetzestexte .. :roll: Aber es sind auch gleich mal Ausnahmen geregelt - Punkt 9.

-ah-
willi
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 1253
Registriert: 28 Mär 2018, 14:01
Wohnort: Nizhnij Novgorod

Re: Gas - wie geht es weiter?

Beitrag von willi »

Auf was wird es rauslassen? Der Westen
, sprich Deutschland wird solange wie möglich darauf beharren dass seine Interpretation die Richtige ist, die einzig Richtige.und dann wird entweder ein gesichtswahrender Kompromiss gefunden wie die Zahlungen abgewickelt werden oder der Hahn wird zu gemacht. Wir Deutschen schreien ja förmlich danach. Und bei den Getreidelieferungen sind andere Staaten betroffen die ideologisch weniger belastet sind, da kann auch ein Flugzeug mit ein paar Tonnen Banknoten weiterhelfen
In Wirklichkeit ist die Realität ganz anders
Nikolaus
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 2499
Registriert: 19 Nov 2008, 14:25

Re: Gas - wie geht es weiter?

Beitrag von Nikolaus »

Hm, Willi, ja so ist es wohl.
Aber es ist auch nicht zu uebersehen, dass selbst die oeffentlichen Medien gezwungen sind, nicht nur die "duemmlichen Scharfmacher". die uns aufrufen "fuer die Ukraine zu sterben" , sondern auch nuechternere Betrachter der deutschen Situation zu Worte kommen zu lassen. (Naja, selbst Scholz und Habeck sind ja mittlerweile "vorsichtiger" geworden - die von ihnen ja selbst ausgeloeste Situation ist eben offensichtlich nun bereits sehr ernst. :lol: )
Ich verfolge ja seit einiger Zeit die Internet-Auftritte einiger Staatsmedien - im Fernsehen geht es mir zu hysterisch zu - und da findet man nun doch auch einige wenigstens informierte und rationale Stimmen, z.B.
https://www.zdf.de/nachrichten/politik/ ... d-100.html
(Bei Lanz natuerlich auch gleich das ganze Gegenteil - eine Journalistin. die ihre fehlende Sachkenntnis einfach durch "Prinzipien" ersetzt - in der DDR waere sie wohl als "Agitatorin" taetig gewesen ;) )
https://www.tagesschau.de/multimedia/vi ... 10839.html
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/we ... g-101.html
Klar, es ist die absolute Minderheit, die versteht, dass die allgemeine, mittlerweile total irrationale Ukraine-Hysterie droht, ausser Kontrolle zu geraten. Vielleicht gibt es einfach zu viele "dumme" Journalisten, die nicht verstehen, wo die Grenzen sind.
Nikolaus
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 2499
Registriert: 19 Nov 2008, 14:25

Re: Gas - wie geht es weiter?

Beitrag von Nikolaus »

Axel Henrich hat geschrieben: 31 Mär 2022, 19:29 Boah Gesetzestexte .. :roll: Aber es sind auch gleich mal Ausnahmen geregelt - Punkt 9
Sorry, es ist ja keine Pflichtlektuere. Ich dachte nur, der exakte Text kann Unklarheiten beseitigen. ;)
Punkt 9 soll wohl Investoren beguenstigen. Ich komme freilich schon etwas durcheinander - sind Investitionen im Erdgas-Bereich nicht schon groesstenteils sanktioniert, oder verzichten westliche Firmen einfach verunsichert auf dieselben!?
willi
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 1253
Registriert: 28 Mär 2018, 14:01
Wohnort: Nizhnij Novgorod

Re: Gas - wie geht es weiter?

Beitrag von willi »

Nikolaus hat geschrieben: 01 Apr 2022, 08:32 Klar, es ist die absolute Minderheit, die versteht, dass die allgemeine, mittlerweile total irrationale Ukraine-Hysterie droht, ausser Kontrolle zu geraten. Vielleicht gibt es einfach zu viele "dumme" Journalisten, die nicht verstehen, wo die Grenzen sind.
Genau das meine ich. Vor 2,3 Tagen die Meldung von den von Russland Verschleppten Frauen und Kindern aus einer Geburtsklinik...., der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.
In Wirklichkeit ist die Realität ganz anders
Benutzeravatar
fugen
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 2138
Registriert: 04 Jan 2014, 13:45

Re: Gas - wie geht es weiter?

Beitrag von fugen »

Ich bin dafür, dass es mehr wird an Hysterie.
Dann bekommt es auch der letzte Propagandalemmisky mit, dass es über das Ziel hinaus ist.

Der Teil der sich dann noch mehr radikalisiert ist dann ein Problem und nicht die große Masse
Antworten

Zurück zu „Politisches Forum: Aktuelles zum Ukraine-Konflikt“